2026-04-19 – Russische Tatjanas – namensgebende Bettina – minnesingender Orlando + ein potenzieller Käufer
Regnerischer Sonntag. Etappenweise Nachholen des Osterputzes kraft neuen Handstaubsaugers, der dienlich ist auf unlackierten Brettern der selbstgebauten, staubfängerischen Regale und gegen Brösel. Vor dem Frühstück Erinnerungen Tatjanas, Tolstois ältester Tochter. Vom literarischen Anspruch abgesehen äußerst lesenswert. Sie verehrt Vater und Mutter, stellt sich tatkräftig in den Dienst von Vaters Werk. Im Gegensatz zur Jüngsten, Alexandra, avanciert sie nicht zur fanatischsten aller JüngerInnen. Ihr Name, Tatjana, allüberall. Seit Puschkin gibt es in jeder Familie mindestens eine, immer zu Ehren „dieser“ oder einer anderen Tatjana. – Angesichts des nunmehr eingespielten hausinternen Mittagstisches fällt auf, wie abwechslungsreich und gewissenhaft Michael kocht. Was mich zu Tränen rührt: Bettina hat sich jahrelang um einen Asylbewerber gekümmert, der mittlerweile Wohnung, Frau, Kind und Arbeit hat und ihr jetzt viel hilft. Nun zerbricht sie sich den Kopf, wie sie sich bei uns revanchieren kann. Ich habe ihr Hellingers Credo vorgeschlagen: Ihr „von Herzen kommender Dank und ihre Freude“ sind genug. Falls sie „Ausgleich“ braucht – nach Hellinger stiftet Ungleichgewicht Unfrieden! – soll sie ihre Zuwendung einem Dritten, bestenfalls ihrem Zögling, zufließen lassen. Darauf konnten wir uns zur beiderseitigen Entlastung einigen. Er habe sie anfangs nach eigenen Kindern gefragt, was sie verneinen musste: „Dann kann ich ja dein Kind sein!“ Seine Tochter wurde mit zweitem Namen auf BETTINA getauft! Eine muslimische Familie! Der Name. Das Zeichen. Wenn es so geht, wäre das ein wunderbarer Kreislauf, geradezu biblisch.
Montag erster Chor. Dienstag zweiter. Hier herrscht wieder mehr Anspruch. Bei der ersten Probe des neuen Programms bin ich geliefert. Z.B. Orlando di Lasso, ungewohnte Harmonien, ohne die eigene Stimmlage einmal gehört zu haben! Die junge, schwangere Teilnehmerin, nach eigener Aussage bar musikalischer Vorkenntnisse, versucht sich jetzt im Sopran. Sie weiß nicht, sagte sie mir, wo sie hingehört. Ich habe mit ihr am Ende ihre Tonspanne am Klavier ausprobiert: bis zum hohen C, evtl. noch höher, das reicht für die Königin der Nacht! Sie singt komplizierteste Stücke beinah adhoc nach Gehör – ohne sich ihres Talents bewusst zu sein.
Innerlich arbeitet in mir die Vorbereitung auf den ersten von drei Themen-Samstagen bei Dasein. Wie teile ich sie inhaltlich auf? Nach Lebensaltern? Nach Lebensbereichen? Immer wieder stresst es mich, dass ich dort wiederkehrende Getreue habe, dazu andere, die sporadisch erscheinen; und Neulinge. Jedesmal erkläre ich die Basics von Neuem. Jedesmal wird evaluiert; Dasein kassiert mehr als ich bekomme, (Ehrenamt darf gratis teilnehmen). Freitag fragt eine Frau, ob noch Platz ist. Jetzt ist die Obergrenze erreicht. Mein Köfferchen füllt sich: Handout, Anlagen, Material.Trotz der Negativpunkte schätze ich es, in einem sichtbaren Programm zu stehen und durch jeweilige Jahresthemen herausgefordert zu sein. Allein das Ausformulieren dessen, was ich daraus machen kann, fördert meine eigene Entwicklung. – Zwischendurch stimme ich mich auf Tolstoi ein. Die Konstellation formiert sich, ab und zu stößt jemand dazu. Diesmal fehlten Renate, Sergej, Patrizia; Neuzugänge: Nurdan, Michael, Rolf. Svetlana hielt anfangs ihre kleine Präsentation über Tolstoi wie angekündigt. Dörte fragte hinterher: Was machst du eigentlich, wenn wir immer mehr werden. Was nur?
Entrückt von Raum und Zeit komme ich von meinem Zauberer Herrn Diemer. – Das Gutachten (Kirchgasse) hat vier Wochen gedauert. Schätzpreis gegenüber 2016 vervierfacht, wegen Steuer damals bewusst tiefgestapelt. Derjenige, der kontinuierlich Interesse bekundet, reagiert freudig auf meine Mail, in der ich mich für seinen letzten „Gruß“ bedanke. Telefonat bestens verlaufen. Termin zur genauen „Inspektion“ steht an; dann der Preis. Alles liegt auf dem Tisch.- Gespräch beim Frühstück mit Michael über Erbschaften, Nachlässe, Überschreibungen, Irdisches und Transzendentes. – Samstagsworkshop ist sehr gut gelungen, ging allerdings unter die Haut. Etwas herausfordernd der einzige Mann. Ängste, Sorgen und Zuversicht im Kindesalter. Für die Gruppengröße sind drei Stunden zu knapp. – Die Sonne lacht, ich bzw ES „arbeite(t) nach“.
Die Geschichte von Bettina ist sehr berührend. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es sich bei Bettina um eure Nachbarin handelt, für die ihr aktuell mitkocht. Hausinterner Mittagstisch…. bedeutet das etwas, dass sie sogar mit euch am Tisch sitzt? Deine Chöre und deine Gruppen geben deiner Woche Struktur und Inhalt und sind sehr erfüllend. . Auch bei dem potentiellen Käufer muss ich nachfragen. Ist die Kirchgasse die Wohnung in Augsburg? Die willst du verkaufen? Was machst du dann mit dem vielen Geld? Diese Themen wie Erbschaft, Vermächtnis etc find ich immer schwierig, macht aber Sinn es irgendwann zu klären, damit man es erst mal wieder ad acta legen kann.
Bettina ist die Nachbarin und nein, ich bringe ihr das Essen runter. Das ist eine eigene Geschichte. – Es geht um die Augsburger Wohnung. Das Geld bekommt Jakob, dann soll er in Lodz die Wohnung kaufen. Die Hälfte natürlich Fabian, aber noch sind das ungelegte Eier. So ist der Plan.
Die Geschichte mit Bettina hat auch mich sehr berührt! Bsonders schön ist dabei, dass sie nicht „in Euerer Schuld“ steht,sondern dass du sie im Siine Hellinger entlasten konntest! Falls Du die Augsburger Wohnung verkaufst, kann ich nur von meinem sprechen: Mit meiner Wohnung hab ich dauernd Themen die ich nicht haben will. Zwar gibt es keine Probleme mit einer Mieterin, aber ich schlagen mich im Hauschat und in den Eigentümerversammlungen mit Themen rum, die mich nicht interessieren (Wärmepumpe, Müll, etc…). Mein Geld hab ich angelegt, wohl nicht schlecht, denn es vermehrt sich, es ist für mich die bessere Variante
Genau. Mir wächst es über den Kopf und jedesmal, wenn etwas von der Eigentümerversammlung kommt bzw von der Hausverwaltung, die unglaublich viel von dem wenigen frisst was meine Wohnung abwirft, dreht es mir den Magen um.