2026-07-18 – Michael in HH – Teufel mit Belzebub austreiben – gegen Kotzübelkeit hilft nur Schreiben, Cola + Salzstangen – Wassersparverordnung

Wäre es nicht schön, die Inhalte unseres Blogs zu ändern – nur noch zu schreiben, worüber wir wirklich nachdenken, was uns besonders aufgefallen ist, was uns wirklich wichtig ist? Oder schreiben wir nicht ohnehin nur das? Passt dieses Format noch? Momentan zweifle ich. Wir müssen darüber reden.

Über Nacht kam Reinhard mit akuter Blasenentzündung in ein Krankenhaus, das dritte innerhalb weniger Wochen. Wieder wurde keine Vollmacht mitgegeben, wieder ein Riesentanz, irgendetwas zu erfahren. Jetzt weiß Michael, dass das dauern wird; nach drei Tagen aber – hieß es – erlischt der Anspruch auf Kurzzeitpflege. Michael wollte nur von Dienstag bis Donnerstag bleiben, der Plan ist vom Tisch. Köln im Anschluss entfällt. – Mittlerweile kann Reinhard nur zurück, wenn Langzeitpflege sofort unterschrieben wird. Nur aus Angst ab sofort 4300€? Stimmt in diesem Haus nichts außer der Kasse? In den Tagesthemen hieß es, 3300€ sei Bundesdurchschnitt. Ohne Anhaltspunkt, ob Reinhard noch „gesund“ werden kann, ob Reha noch im Raum steht, was es mit seinen „Zuständen“ auf sich hat? Rezepte (Ergo, Lopopädie, Physio) für ihn und Ilse müssen seit Wochen daliegen – nichts passiert. Seit Anfang bemüht sich Michael um Kontakt zu einem Arzt – erfolglos. Dienstag seit 5:30 ist Michael unterwegs. Sein 6:00-Zug fällt aus. Also über Berlin. Mit 3,5 Std. Verspätung angekommen. Vereinbarte Gesprächstermine entfallen. Trotzdem schafft er es, sein Gepäck abzustellen, Reinhards Auto zu holen, ihn im KH zu besuchen, einen Eindruck zu gewinnen, einen Termin für Mittwoch zu bekommen, im Heim Wäsche und Kosmetik für Ilse abzugeben und Reinhards Zimmer zu räumen. Als er abends zum Afghanen geht trifft er Nachbarn – netter Abend in angenehmer Gesellschaft. – Freitag. Reinhard deliriert wieder; hat nicht nur Blasen-, sondern auch Lungenentzündung. Kaum anspechbar, wieder aggressiv. Michi auf Patientenverfügung angesprochen, die Reinhard – wie sollte es anders sein – nicht hat. Dies nachzuholen ist im Moment utopisch. Zurück ins Pflegeheim wird es nicht mehr gehen, er kann „erstmal drei Wochen“ bleiben. Wer weiß.

Ich dödele mit den Nachwehen des Infekts herum, kurzatmig, abgeschlagen. Durchgehend Übelkeit. Ein Rückfall? Oder eher Nebenwirkung des neuen Medikaments? Gegen Blutdruck und Wasser hilft es, mich insgesamt macht es fertig. Den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Einmal Edeka – ohne Stock – sollte ich nicht wiederholen; wird aber etwas besser. Das sind jetzt drei Monate. – Aetas auf der Terrasse – berührend, lustig. Wir haben einer Teilnehmerin, am Limit vor Pensionseintritt, eine „Wegzehrung für die nächsten Wochen“ geschrieben. Sie spürte sofort – wie ein Wunder – die heilsame Wirkung. Sie gehe wie erneuert in den Endspurt, schreibt sie am nächsten Morgen. So soll, so kann das sein. – Ende der Woche. Mir ist nur noch schlecht. Man wagt sich ein Medikament nicht abzusetzen, es wird überall mit Angst gearbeitet. Cola/ Salzstangen lindern. – Zu Dasein am Samstag MUSS ich trotzdem. Alles andere sage ich ab. Einmal allerdings (Dienstag) Café mit Gabriele – nicht schon wieder absagen, saß da wie ein Schluck Wasser. – Ansonsten NUR Schreiben – das hilft immer. So auch heute. Eine fantastische Frauengruppe. Ich habe Verlängerung „ausgehandelt“ – ist etwas kompliziert bei Dasein: das Schachern um den Raum; die Themenvorgabe; der Druck, möglichst große Gruppen zu machen; die Aussage, sie zahlten immer drauf, obwohl ich nach meiner Rechnung viel weniger kriege als reinkommt. Einige sagen schon, sie hegen die leise Hoffnung, es möge weitergehen. – Danach allein zum Zitronengras – menschenunwürdige Abfütterung. Ich muss Fadennudeln, Salzstangen und Cola nachkaufen. – Für heute sage ich sehr schweren Herzens Heike R, ab. Das Wittelsbacher führt „die Weiße Rose“ im HP8 als Musical auf. Ich kann nicht.

Diese Woche trat die Wasser-Spar-Anordnung der SWM in Kraft, die die Befüllung von Pools, Besprengung von privaten Gärten untertags untersagt. Appell an die Verantwortung: Trinkwasserversorgung als Gemeinschaftsaufgabe. Wasserstände Besorgnis erregend, der Verbrauch trotz vermeintlich wachsenden Bewusstseins gestiegen.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ich finde die Idee gut, den Blog inhaltlich zu verändern. Was Michael in Hamburg erlebt ist dramatisch und traurig. Dass das Schreiben bei dir besser wirkt als jede Therapie freut mich. Ich überlege auch, wie ich Wasser sparen könnte, scheitere aber noch an der Umsetzung.

  2. Beate sagt:

    Was Michaels Bruder durchstehen muss ist furchtbar. Vor so einer letzten Lebenszeit kann Einem nur grausen. Und Michael an seiner Seite, nimmt so viele Mühen auf- bewundernswert!
    Was Schreiben so alles bewirkt, verändert, istabilisiertt, ins Neue führt-!

  3. Renate sagt:

    Ich habe nach der heutigen Schreibgruppe im alten Stil im Blog geschrieben. Gerne lasse ich mich auf eine Veränderung ein. Dass dir dauernd übel ist, ein furchtbarer Zustand. Schreiben hilft dir auch dagegen.

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