23-07-09- Sushitreff – Familienbesuch – Dauerzustand Räumen – Vaterlose und Literarisches

Wenn ich das Sieb der Erinnerung durch die Tage ziehe: Treffen mit Renate und Katharina in einem Sushilokal. Laut, ungemütlich, aber schmackhaft und vertraut bei angeregter Unterhaltung!  Man verliert den Überblick, greift pausenlos ins Fließband und frisst sich regelrecht den Ranzen voll. Wie viel origineller und köstlicher mir Katharina vorkam als zu Hospizzeiten! Sie war mal monumental dick und groß; das hat sich aus meiner Perspektive relativiert. – Seit Freitag Mittag sind – wie schon oft und in dieser Form letztmals – Michaels Cousin Helfried mit Frau Elke da. Das heißt morgens bei Michael frühstücken und abends Biergarten. Sie gehen tagsüber mindestens 60 km radeln, schauen sich Dinge mit ganz anderen Augen an, worauf ich nie achten würde. Sie sind lieb, unkompliziert, pflegeleicht und treue Seelen. Diesmal können wir auch miteinander lachen. Ich mag sie, auch wenn sie einer anderen Welt angehören.

Eine Schreibgruppenteilnehmerin wollte die Montagsgruppe verschieben – bis das mal unter Dach und Fach war – nie wieder! Für Dasein musste ich meinen Programmpunkt 2024 fertigmachen – auch eine schwere Geburt, weit im Voraus. Mit Alexandra korrespondiert (Herausforderung, weil kaum erreichbar); sie hatte einen „meiner“ Samstage versehentlich an ihre eigene Gruppe verplant. Wir haben uns geeinigt, dass ich das Angebot auf Aetas verlagere; Terminoptionen für meine laufende Gruppe gesucht. Sie will das in ihrer Praxis haben, möchte sich auch immer mit mir austauschen – für mich aber bedeutet es eine gewisse Mühseligkeit, sie „dran zu kriegen“, ihr nicht in die Quere zu geraten; zusätzlich Zeitaufwand quer durch die Stadt. Dennoch: Dort zu sein bringt dichte, besondere Atmosphäre mit sich.

Sonntag bei sengender Hitze bei den „Vaterlosen“ auf Logenplatz in gut klimatisierten Kammerspielen. Das Stück hat Tschechow 18-jährig geschrieben. Platonow sensationell von Joachim Meyerhoff dargestellt. Das Stück naja, etwas klamaukig; Meyerhoff macht, was er will, hält sich kaum an den Text; alle anderen dürfen entsprechend improvisieren – insofern beeindruckende Schauspielkunst. Michael hatte solche Schmerzen, dass er gehen musste. – Habe ich in Berlin statt meines mitgebrachten Stoffs die „Brunnenstraße“ von Andrea Sawatzki gelesen über ihre Rolle als Kind eines demenzkranken Vaters und soweit die Zeit reichte in T.C.Boyle`s neuem Buch, so lese ich jetzt „über Menschen“, obwohl ich es nie wollte wegen des Hypes. Ich bin gerade beim Lebeversuch im Osten, nachdem das Paar sich entfremdet hatte, „als Greta in (ihr) Leben trat“, später während Corona, als der Partner zum fanatischen Klimaaktivisten, später zum besessenen Gesundheitspolististen mutiert. Ich finde es „relevant“, wie man heute sagt, etwas zwanghaft witzig, ein Lieblingsbuch wird`s nicht. Einzige Ablenkung von der Hauptbeschäftigung. Erst fehlte der Teppich noch in der Kammer. Dieses Zuschneiden!, doch drei Millimeter zu wenig oder zuviel, so rum oder anders? – habe ich gleich wieder an Michael abgegeben, der das am Sonntag im Schweiße seines Angesichts fertig gemacht hat. Jetzt scheint etwas unter einem Teppichstück begraben – ich spüre es wie die Prinzessin auf der Erbse. Leisten noch nicht angebracht, werden sie je liegen? Bei manchem wissen wir auch (noch) nicht, wie wir es wollen. Es bleibt ein Prozess. Die Wohnung selbst setzt Grenzen, wie es in der Natur von Raum (und Zeit) liegt. Das meiste läuft aufs Alte hinaus. Auch der Tisch scheint uns nicht verlassen zu wollen.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Wenn man Menschen als pflegeleicht bezeichnet (das hat mein früherer Chef mehrmals zu mir gesagt und meinte es positiv) klingt das für mich etwas abwertend. Aber vielleicht bewertest du es nicht so. Was den Meyerhoff betrifft, kenne ich nur seine Bücher. Wäre interessant, ihn auf der Bühne zu erleben. Meine Schulfreundin Pascale verehrt ihn regelrecht. Ich kann euch bei der Wohnung aus eigener Erfahrung nur raten, die Fußbodenleisten und alles, was stört, gleich zu machen. In der Georgenstraße lagen die Leisten 11 Jahre lang lose in den Zimmern herum und würden bis heute da liegen, wenn wir nicht ausgezogen wären. Jetzt liest du doch noch Julie Zeh. Das Buch hab ich noch nicht gelesen, passt ja zu unserem Coronablog.

    • Heike sagt:

      Soll ich Juli Zeh für dich mitbringen? Den Rat mit den Leisten glaube ich sofort – so geht das bei uns immer und auch jahrelang!! „Pflegeleicht“ meine ich durchaus positiv. Bezogen auf Gäste heißt das für mich, dass sie leicht zufrieden zu stellen sind, gerne zusammen sind mit uns, sich aber ebenso gut ausdauernd allein beschäftigen können und wollen; dass sie positiv gestimmt sind und nicht ermüdend, von sich aus ein Ende finden und nichts anstandshalber mitmachen, in der Lage zu sagen, was sie wollen; ein eigenes Programm im Sinn haben, das sie selbständig verwirklichen. Unanstrengend. Perfekt also.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert