ein holperiger Start in den neuen Lebensabschnitt

Sonntagabend, ich komme völlig durchnässt nach Hause. So ein Wetter! Ich hatte mich mit Katharina im Haus der Kunst verabredet, Die Ausstellung von Katalin Ladik, einer jugoslawisch-ungarischen Künstlerin, von der vielseitig Schnittmuster, Klänge und poetische Texte in Collagen und Videos von Performances präsentiert wurden, hat mich nicht unbedingt begeistert, viel bemerkenswerter fand ich das Projekt von Martino Camper, der viele Stühle in dem riesigen Foyer aufstellte und damit diesen düsteren, leeren Ort zu einem der Begegnung macht. Familien mit kleinen Kindern saßen da, manche Leute lasen in in ihrem Buch, manche unterhielten sich. Katharina beschloß, mit ihrer Enkelin da bald hinzugehen.

Da sich die erste Woche meines Rentnerinnen-Daseins dem Ende zuneigt, kann ich auf einen wild entschlossenen Start im Fitnessstudio zurückschauen, einer weiteren Bestätigung, dass Sport für mich eine Qual ist, die Erfahrung der Grenzen meiner Kraft, meiner Beweglichkeit, von der lächerlichen Abbildung meiner Bemühungen im überdimensional großen Spiegel mal ganz abgesehen. Woher nehme ich nur den Mut, mich den Blicken der mit mir im Raum befindenden Männer und Frauen auszusetzen. Trost, dass die alle vornehmlich mit sich selbst beschäftigt sind, Hoffnung, dass sich all diese Qualen  im Laufe der Zeit abschwächen und mich mit gewonnener größerer Vitalität belohnen werden.

Doch es gab auch irdische Freuden, vorzügliches Essen, im Garten von Michael, ausnahmsweise mal bei schönem Wetter, ein Genuss im Rahmen eines Nachmittags und Abends, an dem das Leben nur schön und leicht war.

Auch wenn ich mich noch nicht wirklich damit anfreunden kann, dass ich nun Rentnerin bin, denke ich immer wieder daran, dass ich manche Qualen jetzt nicht mehr erleiden werde: Keine Aktenvermerke mehr, keine Kämpfe mit der Technik vor und während der unzähligen, regelmäßigen, anstrengenden virtuellen Meetings….

 

 

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2 Antworten

  1. Heike sagt:

    Ich wusste gar nicht, dass Katharina eine Enkelin hat! Anna-Lena oder Franzi? Köstlich finde ich, dass ihr, du und Renate, zeitgleich vom Fitnessstudio schreibt. Ich bin gespannt, wie das ausgeht und verkneife mir die Unkenrufe. Bei Stühlen denke ich an nichts als ans systemische Arbeiten. Sowas ist es wohl auch in diesem Zusammenhang. Jetzt liegt ein weites Feld vor dir und ich sage aus meiner weisen Erfahrung: es dauert.

  2. Ines sagt:

    Ich höre auch immer wieder, wie wichtig Krafttraining im Alter ist, damit die Muskeln nicht verschwinden, aber ich kann mich nicht durchringen, mich in ein Fitnessstudio zu begeben. Bin gespannt, ob du dieses Rentnerinnen-Projekt weiter verfolgst. Das andere Projekt mit den Stühlen im Haus der Kunst, find ich auch super. Toll, wenn es dadurch zu Begegnungen kommt. Ich glaube jedenfalls nicht, dass dir langweilig wird in der Rente.

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