24-04-13-Victor+Rolf – mein Kind Johannes – Omamas Tod + Abend mit Fabian und Beate – Traumschreiben

Die Woche beginnt mit dem „guten“ Chor; auf dem Weg Fahrrad zur Inspektion, die Gangschaltung ist kaputt – es dauert und kostet. Auch ein neuer Sattel ist bestellt. Von Kapitel zu Kapitel (Graf) schiebe ich meine Kleiderberge auf – sollen sie liegen. Dienstagschor angesteuert, aber kehrtgemacht – leicht temperiert. Hypokunsthalle – Victor&Rolf – spektakulär und kreativ. Was die Mädchen allerdings vorführen mutet teilweise an, als schritten sie in Folterinstrumenten übern Laufsteg. Ist diese Magersucht noch zeitgemäß? Gesichtsausdrücke hart, kalt, roboterhaft – so scheint die Instruktion. Mir ist zwiespältig zumute bei diesem Spektakel.

Traum: Johannes Veit (meine erste Liebe, die bis zum Tod an paranoider Schizophrenie litt), wollte hier wohnen; er sei schließlich mein Kind. Ich sage: Noch so ein Kind (und meine zusätzlich zu Fabian) schaffe ich nicht; alle Kinder sind noch zu Hause. Jakob vakuumiert meine Klamotten und Decken, Simon soll eine Apotheke putzen, in der er gestern eingekauft hat. Wie soll ich bloß noch Johannes beherbergen!? –  Fabian in Holzkirchen. Seine über alles geliebte Omama lag – wie so oft – mit ihren 104 Jahren „im Sterben“. Am Dienstag hat der AllErbarmer sie endlich in seine Arme genommen. Sie wird in der Zepterfamilie samt Umfeld verehrt wie eine Heilige. Für sie war Fabian „der BESTE“. Als Schwiegermutter Nr.1 nimmt sie auch in mir einen wichtigen Platz ein. Immerhin war diese Familie die meine, als ich mich von meiner eigenen abwenden musste – als Fabian unterwegs war. Überhaupt hatten Ingo und ich jahrelang dort ein warmes Nest. Diese Art der Herzlichkeit und ostpreußischen Gastfreundschaft war meiner Familie fremd und für mich neu und prägend. Christel war es, die mit offenen Armen in der Tür stand und „herzlich willkommen“ sagte – „endlich, Heike! Wir haben schon so viel von dir gehört.“ Ein offenes Haus, ein offenes Ohr, ein offenes Herz. Leider konnte im Schatten dieser ikonischen Übermutter nichts und niemand gedeihen, allein der Wahnsinn blühte und trug Früchte. Im Lauf des Tages haben die Männer: Ingo, Fabian, sein Halbbruder Alex und die Cousins Simon und Moussa Omama ins Bad getragen. Dann wurde sie von den Frauen: Melsene und ihren Freundinnen gewaschen. Alles so, wie das in dieser Familie, solange ich denken kann, praktiziert wird. – Sobald Fabian auftaucht sind wir reingezogen – inzwischen ist er dort aus- und hier einquartiert. – Parallel lese ich Oskar-Maria Graf, bei dem lief es ungefähr genauso – nur, dass am Ende was aus ihm wurde.

Diese Woche für einen „letzten“ (?) Versuch eines anderen Literaturkreises nochmal „die Unschärfe der Welt“ gelesen (neu besorgt, da ich es weggegeben hatte), lustlos, als sei ich verpflichtet. Dann geriet ich nach zu knapp getakteter Fußpflege in Stress; so habe ich das ausfallen lassen wie so manches diese Woche, mich bei Aperol im Schanigarten des Cafés Gudrun entspannt und dann geruhsam gekocht. Beate hatte sich angesagt zum Vorlesen; gemeinsam mit Fabian, der ein paar Minuten vorher hier Quartier bezogen hat, eine vertraute und herzliche Konstellation. So hatten wir einen gemütlichen Abend mit Lasagne, Apfelstrudel und Natascha Wodin. Michael zog sich nach dem Essen zurück – so hatte jeder, was er brauchte. – Samstag früh raus – ich zum ergiebigen, erkenntnisreichen Traumschreiben in Alexandras Praxis, Fabian zur 90-km Radtour mit einem Freund. Michael und ich sind vorerst unserer frisch etablierten Routinen enthoben. Am Montag wird Conny noch dazukommen, Fabians Exfreundin – zur Beerdigung am Dienstag.

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4 Kommentare

  1. Beate sagt:

    104 Jahre alt ist sie geworden – wie oft habe ich von Dir über sie gehört! Wenn ich ihr früher zufällig in München begegnet bin, hat sie immer so wertschätzend über meinen Vater gesprochen, er sei richtig mit Uwe umgegangen, anders als die anderen Schuldirektoren und das habe ihm geholfen. Eigentlich alles, was ich von uhrgehört habe, hat mich sehr beeindruckt, vor allem ihre Gastfreundschaft, wie sie Dich in der Familie herzlich aufgenommen hat. Eine sehr beeindruckende Frau!

  2. Ines sagt:

    Endlich hat sie es geschafft, die Omama. Ist sie eigentlich die leibliche Mutter von Ingo? Dann war sie eine späte Mutter, oder? Und Fabian jetzt wieder bei euch, das hat dein Unbewusstes dir schon im Traum erzählt. Wirst du auch zur Beerdigung gehen? Fabian neigt weiterhin zum Extremen, 90 km Radfahren. Und schön, eure vertraute Runde mit Beate, wie in ganz alten Zeiten.

    • Heike sagt:

      Omama ist Ingos leibliche Mutter. Sie hat sieben Jahre gewartet, bis Siegfried aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkam. Sie waren – wie Ingo und ich – schon fünfzehnjährig zusammen gewesen. Nach all dem Getrenntsein hat sie ihr erstes Kind tot geboren. Danach kam Uwe – vier jahre älter als Ingo. So wurde es spät. Ich werde natürlich auch zur Beerdigung gehen – wir waren immer in Verbindung, wenn auch nicht immer in Harmonie. Sie stand an jedem unserer Gräber, zuletzt von Ingo und Melsene gestützt an Simons. Und ja, Fabian wird weder sich noch irgendetwas ändern. Er ist wie er ist und „es ist wie es ist“.

  3. Renate sagt:

    Diese Woche sprachen wir noch über Omama. Ich kannte sie nicht und doch ist sie mir, nach deinen vielen Erzählungen über sie und Fabian, irgendwie vertraut. Fabian zurückgekehrt. Wird er jetzt öfter sein Quartier bei euch aufschlagen?

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