2026-06-07 – 3 x Schreibgruppe: hier zu dritt, bei Gabriele und in Adams Garten – Fronleichnam mit Beate – Michael hier und weg – Tatjanas Zaubergarten und Resi mit Marina – Politisches Gift

Sonntag Schreibgruppe. Ich aufgekratzt und froh, nicht ewig warten zu müssen. Davor Fußpflege und „Selbstbild“ in der Kunst. Programm nur teilweise bearbeitet – ich war plötzlich k.o.. Vielleicht spinnen wir unser Thema weiter? Bis dahin sieben Wochen – verdammt lang. Mir hat die organische Entwicklung gutgetan. Alles durfte in Ruhe ausklingen: das Gespräch, Schreiben und der Imbiss. Keine Deadline. Dennoch schien die Zeit weder knapp noch uferlos – wie bei der wunderbaren Brotvermehrung. Ließe sich daraus etwas für uns ableiten? – Noch Strohwitwe, morgen kommt Michael nach zehn Tagen zurück. Voraussichtlich fährt er bald wieder. Hoffentlich erwächst daraus nicht wieder ein jahrelanger Marathon.

Mo. Michael in Anreise, zeitlich punktgenau. Die Murnauer Teilnehmerin meiner „Praxis-Gruppe“ ist wieder krank. Alle in einer Altersklasse, gibt es diverse schwerere, anhaltende oder wiederkehrende Probleme gesundheitlicher Art. Apropos: Herr Diemer konnte mir einige Erleichterung verschaffen. Er geht mit meinem Fuß um wie mit einem scheuen Tier – vorsichtig, langsam, lange einfach nur „halten“. So konnte er einiges an „Schmerzstress“ und Spannung vorübergehend ableiten. Der Rückweg spürbar leichter als der Hinweg. Leider war es damit schnell wieder vorbei.

Seit Michaels Rückkehr – freudig! – geht es viel um die Hamburger, der Aufregungen kein Ende. Inzwischen ist Freitag und Michael sitzt bereits seit 6:00 wieder im Zug, diesmal um seinen Freund in Berlin zu besuchen. Kaum angekommen Anruf von Reinhard. V.a. zweiten Schlaganfall. Von der Reha in die Klinik: Entwarnung. Mich drücken andere familiäre Sorgen. Freitag ist nutzlos verstrichen.- Am Dienstag mündete die Praxisgruppe im Augenblick HERZlicher, sensibler Offenheit in eine Polittirade, Namen fielen, die dort nicht hingehören. Was sich in jeder Psychogruppe verbietet ist in vertraut gewordener Runde schwer zu handhaben. Ich platziere eher einen Appell denn eine knallharte Intervention wie das zwingend notwendige, rigorose STOPP. Es verträgt sich schlecht mit meiner inzwischen aufgeweichten Rolle. Die Wirkung solcher Tiraden ist beinah „traumatisierend“, hängt nach, kehrt wieder – jedenfalls destruktiv. Nichts daran entlastet, am wenigsten die Betroffene selbst. Wie eine Ladung Pech, übergekübelt im milden Sonnenschein. Das berechtigte Schuldgefühl, die Zusammenkunft versaut zu haben, kommt erschwerend hinzu. – In den Abendnachrichten wird unsere neueste viehische Gesetzgebung zur Einwanderungspolitik als „Gelingen“ verkauft. – Mittwoch frei? Keine Erinnerung. Zeit mit Michael? – Do. mit Beate Fronleichnamsgottesdienst. Route gesperrt. Beate fuhr voraus. Alles überfüllt, sodass ich nicht zu ihr durchdringe; sowieso konnte ich nicht stehen. Habe mich weit abseits zwischen Marienplatz und Sigi Sommer zu ein paar freudlosen Betern gesetzt. Hinterher miteinander bei Rischart mit Blick auf Heiliggeist, Gesänge der Prozession aus Lautsprechern, ohrenbetäubendes Glockengeläute….Schön war’s. – Daheim liegt Schreibzeug bereit; Fehlands holen mich mit meinem Kuchen ab zu Adams Paradiesgarten, bringen mich später zurück. Herrlichstes Wetter, Bienen summen, Brünnlein plätschert, Vögel singen – bis sich nach dem literarischen Schlussakkord urplötzlich „ein Brausen am Himmel erhob“ und wir fluchtartig auseinanderstieben. Ingrid fehlte wegen Beerdigung der Mutter; dafür die gute, alte Friedel von der Partie – eine wahre Poetin vor dem Herrn! So waren wir sieben. Der nächste Termin steht.

Über die Pflegereform wird mir angst und bang. Auch hier geht’s ums Geld. 50% der Durchschnittsbürger – so die Prognose – werden im Pflegefall Taschengeldempfänger des Sozialstaates. Ilse, bereits aus dem Rollstuhl gefallen, wird für 4200 Euro mitten im AufenthaltsRaum abgestellt, wo jeder in einem anderen Eck herumhängt, ohne Tisch, Fenster, Beschäftigung. Lieber tot sein als in so eine Lage kommen. – Samstag: ausgiebiges Frühstück in Tatjanas traumhaften Garten. Der Weg eine Tortur. – Abends Resi mit Marina – denkwürdig, dass der Boandlkramer ausgerechnet Günther Maria Halmer, der den Brandner Kasper spielen sollte, keinen Aufschub eingeräumt hat. Kunstvoller Dreigesang mit Kontrabass, Gitarre und Akkordeon. Hinterher diese herrliche Lokalität auf der anderen Straßenseite. Gut geredet, viel gelacht. Mit Marina gehen auch schwierige Themen, ohne seelisch im „Kellerloch“ zu landen – das fiel mir auf.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Schöne Atmosphären in den verschiedenen Gärten, in die du diese Woche eingeladen warst. Die Polittiraden in der Psych-Schreibgruppe sind ätzend. War es nicht neulich im Tolstoikreis auch schwierig, als es plötzlich um Politik ging? Vielleicht doch mal ansprechen, dass es nicht daher gehört? Bezogen auf unsere Schreibgruppe haben wir schon kurz geschrieben. Ja, ich würde mir wünschen, dass wir, wenn wir wieder zu Viert sind, auch entspannter und ohne Zeitdruck durch die gemeinsamen Stunden gehen. Möglicherweise ein Schreibimpuls weniger? Das Szenario im Pflegeheim ist grausam. Bei meiner Mutter war es ähnlich, dass die Bewohner im Flur irgendwo abgestellt waren und nur vor sich hinstarrten.

    • Heike sagt:

      Ich glaube, das andere war bei den Wilhelminen, im Tolstoikreis lag es etwas anders – und im Schreib-Kreis habe ich es mehr als angesprochen, aber da lag das Kind schon im Brunnen. Wenn es als schriftliche Reaktion auf einen Impuls kommt muss es ich erstmal anhören, dann ist es zu spät. Die Betreffone sagte, ihr schlage es überall entgtegen, dieses „hör auf!“ Es ist wohl zu einer fixen Idee geworden. Leider schallen diese Allgemeinplätze einem mittlerweile auch von fast jeder Bühne entgegen, das nicht endende Geschwätz von Autokraten, Narzissten, patiarchalen Strukturen usw usf, es mag wahrhaftig nicht falsch sein, aber ist richtig“ auch gesund, not-wendig, konstruktiv?

  2. Beate sagt:

    Mir haben all die Begegnungen in dieser Woche sehr gut getan: unser Schreibkurs, der Gottesdienst an Fronleichnam und danach unser Zusammensein im Café Rischart! Seelennahrung. Wichtig, denn was jetzt zu den „Reformen“ zu hören ist- da wird selbst mir Optimistin Angst und bang

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