Vollpfosten

Es war meine Enkelin Jania , die mir schon seit vielen Tagen in den Ohren gelegen hatte, sie wolle endlich den Balkon verschönern. Wann ich denn mit ihr zu Ikea fahren mag? Zweierlei dazu: in der traurigsten Zeit, als Sirena mit ihrer Krankheit beschäftigt war, lieferte Jania Höchstleistungen: Hasen ausmisten, aufräumen, saugen, die Küche in Ordnung bringen, Homeschooling, Bad putzen, einkaufen und den Balkon kahl räumen, das heißt, sie stapelte die alten Holzplatten, entsorgte die alten Pflanzen, rief die Nachbarin an und fuhr mit ihr zum Wertstoffhof. Sie hatte einen Plan: Der Balkon sollte neu und schön gestaltet werden. Ihr erstes Projekt schlechthin, eines Tages will sie Innenarchitektin werden.

Ich unterbrach also heute meine Arbeit und fuhr mit Sirena und Jania zu Ikea. Wir wollten nur die Platten abholen, die Jania ausgesucht hatte. Der Platz vor dem Eingang war mit langen Absperrungen versehen, es gab eine Art Schleuse  wie beim check in am Flughafen, durch die man weitergeleitet wurde. wir standen schon in der Schlange mit den bekannten Abstandsmarkierungen.Ein junger Mann, ca. zwei Meter groß kam eiligen Schritts hinter mir angelaufen, stieß mich fast um und ich schimpfte ihm  „Vollpfosten!“ hinterher , woraufhin er sich abrupt umdrehte und mit wütendem Gesicht auf mich zukam. Sirena stellte sich schützend vor mich. Ich zischte „Sicherheitsabstand!!“ Nein, er baute sich nicht weiter vor mir auf, er ordnete sich vor uns in die Schlange ein. Meine Stimmung war im Keller, aber der Einkauf wurde schließlich erfolgreich getätigt. Auf dem Heimweg im Auto schwiegen wir alle drei.

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Eine Antwort

  1. Heike sagt:

    Was für ein Albtraum. Und wie unangenehm, fürs Heranschaffen von Jannis Ideen einen halben Tag herhalten zu müssen. So lieb es gemeint ist. Du bist einfach eine zu gute (Groß-)Mutter. Wie hälst du das nur aus.

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