Sabine, Alexander und die Herausforderungen des Lebens
Letzten Montag lud ich Sabine, die geschiedene Frau von Walter zum Abendessen ein. Sie ist mehr als zwanzig Jahre jünger als ich und für mich ist es immer wieder spannend, wie sie in ihrem Leben steht. Auch sie hat damit abgeschlossen, noch einen Mann zum Zusammenleben zu finden, sie genießt es sehr, seit den zehn Jahren ihrer Trennung ihre Träume zu leben. Gewagte Tätowierungen von einer Künstlerin in London, Fernreisen, Segeln in allen Meeren, oft essen gehen und dergleichen mehr. Ihre Arbeit ist sinnvoll- sie arbeitet bei handicap, einer Organisation, die sich für Opfer von Streumunition einsetzt fliegt also auch beruflich viel um die Welt. Wie perfekt sie Fremdsprachen beherrscht- ein Rhythmus, eine Flexibilität, ich fühle mich angehängt. Älter halt…Noch jünger ist Alexander, mein Lieblingskollege aus der Landeszentrale, den ich am Donnerstag im Unicafé traf. Er ist gerade dem Tod von der Schippe gesprungen. Aus einer Bronchitis entwickelte sich eine Lungenentzündung, entwickelte sich eine Sepsis. Im letzten Moment ins Krankenhaus, zwei Wochen Intensivstation, ein Monat Krankenhaus, danach Reha. Er saß mir gegenüber, tat sich immer noch schwer, zu hören- aber er ist froh zu leben! Seine Frau bekommt Anfang Juni ihr drittes Kind. Die Begegnung mit ihm hat mich sehr berührt. Vielleicht könnt ihr Euch noch an seine Einladung zum 40. Geburtstag erinnern, an sein sehr junges Gesicht auf der Karte mit Führerschein?
Sehr schön waren die Literatüren am Dienstag in der Borstei. Ach wie schade, dass ich das nächste Mal nicht dabei sein kann! Na ja, ich bin jetzt für drei Wochen im Süden, der Koffer ist gepackt.
Zwei Beispiele vom Jüngersein – einiges davon ist für uns vorbei, anderes aber noch möglich. Ob Alexander die Kurve in unserem Alter gekriegt hätte? – Unverzeihlich, den Grundstock, den wir durch drei Sprachen in der Schule bekommen haben, nicht zu pflegen und ausbauen. Mindestens Englisch ließe sich ja realisieren.
Jetzt bist du sicher schon unterwegs in Griechenland. An das Bild von deinem Kollegen, der aussieht wie ein Student, erinnere ich mich. Was für ein Einschnitt im Leben so eine lebensbedrohliche Erfahrung. Dass er dankbar ist zu leben angesichts der Geburt seines 3. Kindes ist mehr als verständlich. So was vergisst man nie.