2026-03-14- Meilenstein in BW – Zuckerfasten Pustekuchen – Chöre, Tolstoi, Geburtstag und Dasein – Deutschstunde

Nach unserer Schreibgruppe am Sonntag musste mich zum Wahllokal quälen, wo vier Wahlhelfer tatenlos ihre Zeit absaßen. Das Ergebnis hat mich überrascht und gefreut, wenn auch der Sieg von Cem Özdemir haarscharf war – ein Meilenstein, auf den ich gehofft und für den ich sogar ein Stoßgebet zum Himmel geschickt hatte. Nicht wegen der „rehbraunen Augen“, die dem Gegenkandidaten zum Verhängnis wurden, sondern weil ich den so wahnsinnig bieder finde. Was Reisbrei betraf: morgens ein Restchen aus dem Topf. Erster Ausrutscher. Später noch ein Restchen gefunden. Abends überfiel mich abartige Gier, sodass ich erfolgreich nach Schokolade gesucht und eine ganze Tafel gefressen habe. Das ist die Sache mit den Ausnahmen. – Die Gelegenheit für einen spontanen Opernbesuch habe ich notgedrungen nervenbedingt ausgelassen.

Montag Chor mit enormem Zuwachs aus einer anderen Gruppe, in der den Damen die Leitung nicht mehr gefiel. Waren wir zuvor manchmal nur acht, sind wir jetzt sechzehn. Schwierig ist, wenn jemand falsch singt, ebenso, wenn jemand nicht freundlich schauen kann – beides kommt vor. Abends Fußpflege, dann mit Susanne zur „Kraft der Sprache“ im der BASK. Die Technik fiel aus: So mussten Hunstein und Kowalek umdisponieren, lasen statt der geplanten Sache, die sehr leise sein sollte und daher zwingend Micros brauchte, Thomas Bernhard und romantische Gedichte. Ganz gut, aber nicht das, wofür wir uns in Bewegung gesetzt hatten.

Dienstag Abend Chor. Keine Lust zum Spazierengehen. Stattdessen Einstimmung auf Tolstoi; entsprechende Notizen, Material. Der Tag – Mittwoch das dritte Mal – ist ein GROßER TAG für mich, um den sich alle Energie zusammenballt. Korrespondenz mit Frau Erschow; mit Marina, mit Dörthe, die krank sind. Eine junge Frau, die eine russische Mutter hat, kam als neue Überraschung dazu. Die Größe des Kreises würde jetzt vollauf genügen. Trotz zweien, die fehlten, waren wir zu acht.

Dann musste ich endlich den Tagesworkshop bei Dasein vorbereiten. Entgegen meiner Gepflogenheiten habe ich nicht „kontinuierlich gesammelt“. Die Anmeldezahlen gering – gut für die Gruppe, gut für mich – im letzten Moment gestiegen. Leider stand auch eine Exkollegin von Dasein auf der Teilnehmerliste, die ich nie mochte. – Freitag bei Heike B. Geburtstagskaffee in der traditionellen Konstellation – die geplante „Ausnahme“ zugunsten Heikes sensationeller Backkunst. Davor hat Herr Diemer mein überspanntes Nervensystem behandelt, angeblich Vagus und Parasympathikus. Er sprach von kosmischen Konstellationen, die derzeit Emotionen überschießen lassen, was ich hauptsächlich am Leseerleben messen kann. Alles was er sagt ist hilfreich und gut. Ihm vertraue ich. Ich sollte auf meine Erdung achten und bewusst GEHEN. Sagt er. – Samstag. Es ist erstaunlich. Das Thema „Angst und Zuversícht“. Meine Überschrift: „Angst essen Seele auf“ (nach Fassbinder) – „Was aber nährt sie?“ Eine liest nur die ANGST, überliest aber den Schreibworkshop; die andere liest nur SCHREIBEN und übersieht die Angst. Jemand kommt ohne Papier und Stift zum Seminar, obwohl sie „ins Schreiben kommen“ will. Mit zusätzlich zwei Unangemeldeten brachte ich die Gruppe gerade noch so an den zusammengeschobenen Tischen unter. Diesmal keine Störenfriedin; alles war sich gegenseitig gewogen, hat gut mitgemacht, tolles Feedback, gedeihliche Atmosphäre. Die Folgegruppe dürfte schon gut gefüllt sein. Ich bin hochzufrieden, auch wenn ich – wie immer – vorher Angst hatte. Beim Vorbereiten und Aufräumen hatte ich Unterstützung von der Kollegin – die sich als ganz anderer, geradezu poetischer Mensch erwies und mir durch ihre Schreibstimme lieb wurde. Sie hatte sich – wie sie mir hinterher sagte – nie an meine Gruppen gewagt und musste für ihre Teilnahme, gerade weil wir uns kennen, Mut aufbringen. Für beide Seiten eine gute Erfahrung.

Zu Lenzens 100. Geburtstag greifen Michael und ich zur Deutschstunde. Gleich anfangs überflutet den Jungen die ERINNERUNG. Er kann diese für den Aufsatz über die „Freuden der Pflicht“ nicht ordnen. Wie anders liest sich das jetzt als damals mit siebzehn!

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Oh ja, die Wahl -jetzt Stichwahl in München! Über den Ausgang für Cem Özdemir war ich auch sehr erleichtert und froh. Woher nimmst du die Energie für die vielen Unternehmungen?

  2. Renate sagt:

    Herr Diemer begleitet dich schon sehr lange. Angst essen Seele auf, ein Film den ich noch lebhaft erinnere. Wie sich dein Blick auf die nicht sehr gemochte Kollegin durch das Schreiben geändert hat.

  3. Ines sagt:

    Inzwischen hast du viel Erfahrung mit den Schreibworkshops und kannst auch improvisieren, wenn nötig. Und die Tolstoi Lesegruppe gewinnt auch immer mehr Teilnehmer. Du kannst dir auf die Schulter klopfen.
    Ja, das Fasten von Zucker verträgt keine Ausnahme. Dann sind alle Dämme gebrochen. Ich hoffe, du konntest wieder auf den zuckerfreien Kurs zurück finden.

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