2026-05-02- Unplanmäßig: Fuß- und Zahnschmerzen + Wasserthema bei Alexandra und Waschmaschine – sicherer Ort allezeit und allüberall: die Lektüren
Sonntag. Schrecklicher, die ganze Woche anhaltender Fußschmerz, etwas ist mit dem Barfußschuh passiert. Kaiserwetter. Frühlingsausflüge gestrichen. Mit Jakob ausgiebig gefrühstückt. Tolle Gespräche, zumindest anfangs, wie ich sie von daheim kannte und nie geschätzt habe, immer weniger persönlich als übergeordnet. Übersetzungskunst, alte Griechen, Odyssee, Tolstoi, Bauern, Gesinde, das Knechtthema; Vernissage in Bozen; Kokoschkas Briefe; ein neues Wort, das ich bei Tatjana T. gelernt habe: „Embonpoint“. Veraltet, gehoben, scherzhaft: „fülliges, korpulentes Erscheinungsbild, Leibesfülle“ (statt Übergewicht oder Wampe). Das will ich mir ein-ver-leiben, verinnerlichen. Allerdings intervalle ich gerade mal wieder 16:8.
Montag Chor, danach einkaufen und kochen, was Michael ein paar Tage nicht tut wegen Hafertagen, die, kaum begonnen, wieder gestrichen sind. Zwischendurch koche ich, was er nicht mag, z.B. Rösti mit Hähnchengeschnetzeltem. Dafür fällt Frühstück aus – leichter als Abendessen. Klärendes Gespräch mit Bettina. Nein, es wird uns nicht zuviel; aber hilfreich ist zu wissen, wenn sie nicht da ist, nichts braucht – einfach bescheid sagen, möglichst nicht erst fünf Minuten vorher. Ab diesem WE wieder selber probieren. Es fiel ihr aber ein, dass mehr dran hängt als nur kochen. Wir wollen uns versuchsweise überlappend ausschleichen. – Letzten Sonntag stieg mein innerer Stress wegen des Teppichs bei Alexandra. Sie reagierte nicht. Ich wollte nicht stören. Erst wollte ich um 22:30 nach Jakobs Abfahrt hinfahren oder Montag vor 6:00. Da ich keinen anderen Gedanken mehr hatte, wollten wir es dann doch am Sonntag um 19:00 erledigen; prompt Alexandra mit Fanny angetroffen; Handtücher abgeliefert, unsere mitgenommen, die die beiden selber unterm Teppich herausgezogen hatten. Die Sorge, Alexandra könnte „böse“ sein wegen der Scherereien, der Schaden groß, löste sich in Herzlichkeit und Lachen auf.
Wilhelm bei Lioba gediegen und vertraut. Mit Renate noch am Trambahnhäuschen geplauscht. Chor. Immer fühle ich diesen Stresspegel; aber nicht so schlimm wie beim erstenmal. Orlando sollte ich dringend mal alleine probieren. Abstand zu Martina zu ungunsten der Notensicherheit, aber zugunsten meiner Nerven: Klopfen und Rhythmustippen blieben meinem Ohr fern. Morgens ergriffen von Tatjana Tolstoi, vormittags von der Deutschstunde, nachmittags von Goethe. Wie soll ich das alles nur verarbeiten? Inhalte verweben sich. – Zwischendurch Rechnung des Gutachters erhalten, 1046,00€ – das entspricht fünf Netto-Mieten. Da ich es nicht ändern kann sage ich mir, dass ich immerhin den Wert der Wohnung erfahren habe.
Ich gehe kaum raus, der Fuß ist DIE Ausrede; lesen lesen, allein und mit Michael. Friedhof, zusätzlich Schmerzmittel. Wir sind bei der Deutschstunde auf der Zielgeraden; sie gehört in die Reihe der fantastischsten Leseerfahrungen; natürlich war sie auch vor fünfzig Jahren großartig, aber jetzt ist Lesen anders. Ließen sich diese Eindrücke (und Siggi) doch festhalten! Sollte der abgedroschene Spruch „du bleibst für immer in unseren Herzen“ zur Geltung kommen? – Erinnerungen an Tolstoi von einer seiner Tanten, Alexandra Andrejewna. Nichts ist aufschlussreicher, als zu den russischen Lektüren den unterschiedlichen Perspektiven zu folgen, aus denen sein Leben (oder das anderer Schriftsteller) beobachtet, „wahr“- genommen, bewertet wurde. – Zum wiederholten Mal bei warmem Essen Zahnweh. Ich darf sofort kommen, obwohl ich drei Jahre (!) ferngeblieben bin. Leider oder gottlob: er, auch Röntgen, findet nichts. Der Zahnreinigung komme ich dann nicht aus, seine Fachkraft war gerade arbeitslos. Dass kaum was zu machen war führt sie auf ausgezeichnete Zahnpflege zurück (haha!). Drei Jahre Pause haben mir ausgesprochen gut getan, weniger Zahnfleischbluten denn je. Hinterher, wie immer, alles wund und weh. – Abends setzt die Waschmaschine aus – während des Waschgangs, also voll Wasser. Die Tür lässt sich öffnen. Wasserfall! Schnell wieder zu und überlegen, wie zu verfahren ist. Wieder Mediamarkt? Zeitraubende Online-Suche. Wasserablassen (Backblech), stundenlang aufwischen, putzen. Klatschnasse, halbgewaschene Wäsche: Balkon. Maschine bestellt und nachts storniert. Im Bad fehlen u.U. entscheidende Zentimeter für das Standardformat. Die Suche hält an an diesen himmelblauen 1. Mai -Tagen!
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