20-08-24-CoTaBu- „Es is ollerwei des Gleiche“ – Wohltuendes Gleichmaß

Wenn ich lese, was ihr alles treibt, frage ich mich, ob ich der allerlangweiligste Einfaltspinsel auf Gottes Erdboden bin, ob es an Energie mangelt oder ob ich – schönste aller Möglichkeiten – im Grunde meines Herzens kaum was brauche, um ausgefüllt und zufrieden zu sein. Über Reich-Ranicki sagte sein Sohn, er habe keinerlei Reiselust gekannt: wozu brauche er Reisen, er erlebe alles literarisch. Mir geht es genauso, zumal es im Buch angenehmer, geradezu ideal ist. Nicht packen, nicht schleppen, nicht Unbillen etwaiger Klimaanpassungen, ungemütliche Matratzen oder mangelhaften Blick aus dem Fenster ertragen müssen. Ist das zulässig? Darf ich so sein? Auch scheitere ich oft bei Städtereisen. Ich sehe nichts, außer ich werde aufmerksam gemacht (z.B. durch Reiselektüre). Füße tun weh, ich suche das nächste Café, außer es begegnet mir, wie ehedem in Wien, das Burgtheater oder in Weimar die Oper und ich darf spontan einkehren. – Heute waren wir im See endgültig allein – ein paar Jogger, keine Schwimmer. Gelegentlich zieht eine Armada von Wildgänsen kreischend über den See, teils auch in den See, wie uns schien unter dem Kommado eines Admirals („Lord Nelson“). In der Luft erinnern sie an Ronja Räubertochters Wilddruden. In ihren Gesichtern in der Morgensonne glänzte von Weitem etwas wie pures Gold. Herrliche Wolkenformationen. Danach täglich Semmelfrühstück, mittlerweile mit Schultertuch und Sitzkissen. Das Pensum an Aktivität ist erfüllt. Ab jetzt…was wohl? – Nachher muss ich ein Buch aufgeben. Eine zahlt und reagiert nicht, ein anderer hat gezahlt. Wie Ines sagte, es gestaltet sich arbeitsintensiv: ein Versuch (bei Zeit im Überfluss wie jetzt), meinen Büchern zu standesgemäßen Plätzen zu verhelfen. – Schlimme Träume in der Nacht: gestern von Krankheit, Conny Atemtherapeutin fiel aus dem Bett. Heute vom Mord an einem Kind.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Das morgendliche Schwimmen bewundere ich sehr. Dazu könnte ich mich im Urlaub nicht aufraffen. Was spricht gegen deine Art den Tag zu verbringen? Natürlich darfst du so sein, geschweige denn bist du ein Einfaltspinsel. Das ist doch das Schöne an der Freizeit, dass du sie so gestalten kannst, wie du möchtest. Ich will immer lesen und dann fallen mir nach 10 Minuten die Augen zu. Du vertieft dich in deine Bücher und hast auf diese Weise Inspiration, die sich andere mühsamer erwerben müssen.

  2. Beate sagt:

    ich kann mich dem Kommentar von Ines nur anschließen. Noch nie hatte ich den Gedanken, Dein Leben sei von Einfaltspinselei überschattet. Der große Schatz, bei sich zu sein, zu schreiben und zu lesen, wird von manch einem Weltenbummler nie gehoben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert