Weihnachtsabend
in aller Früh wach und auch schon auf den Beinen: Küche aufräumen, drei Beilagen kochen, Küche wieder aufräumen und putzen. Dabei in Hochstimmung. Will den Baum alleine schmücken, höre Weihnachtsmusik und bin sehr fröhlich. Alina trifft sich mit ihrem Freund und Freunden zum Spazierengehen in Trudering im Wald. So bin ich allein mit meinen Gedanken und meinen Vorbereitungen auf den Abend. Denke viel an die Zeit, als ich mit den Eltern gefeiert habe.Mein Vater holte jedes Jahr Moos für die Krippe im Wald und kaufte beim Bauern einen schönen Baum. Meine Mutter spielte den ganzen Tag lang immer wieder Weihnachtslieder auf dem Klavier und mit der Harfe. Essen war nebensächlich (wie immer in dem Haus). Es gab eine kalte Platte, die schön dekoriert war, mit Wurst, Käse, Tomaten, Gurken, Eiern. Hauptsache war das Beisammensein. meistens bekam ich warme Angoraunterwäsche geschenkt. Liebestöter. Meistens war es sehr harmonisch, mit Singen im Kerzenschein. Aber es gab da das eine Jahr, in dem meine Eltern ihren (heute würde ich sagen „Schmerz“) Hass auf die Tschechen hervorholten, er überschwemmte das Weihnachtsfest wie ein giftiger Tsunami, Sirena bat um ein anderes Thema, ich schlug auf den Tisch und rief“ich kann es nicht mehr hören!“ und rannte in ein anderes Zimmer. Am nächsten Tag fuhren Sirena und ich nach München, keine Versöhnung, längere Zeit.Genau, es war nicht immer schön, aber meistens, mit meinen Eltern. Deren spartanische Lebensweise holte das Beste an Weihnachten hervor, jedesmal gekrönt von einer Fahrt nach Benediktbeuern zur Christmette. Und gestern dann ein Weihnachtsabend, gute Stimmung unter uns, Spaß und Spieleabend. Sirena hatte mir eine Yogamatte mitgegeben, lustig verpackt, Alina schenkte mir ein edles Tuch von Roberto Cavalli, ich las die Geschichte von Bert Brecht vor, die Du mir geschenkt hast, Heike! Die andächtige Schwere von früher abgelöst durch eine wesentlich profanere Variante vom feiern des Weihnachtsfestes. Käsefondue, die drei Beilagen und zwei Flaschen Wein.es war schön. Es fehlte was. Wir waren in diesem Jahr nicht in der Kirche.
Klingt prima! Und nachdem ich in unseren WG-Zeiten so frustriert war, dass du damals immer an Weihnachten zu deinen Eltern fuhrst und überhaupt von positiven Dingen nichts wusste erfahre ich jetzt, was ihr dort gemacht habt und dass es – auch – schön war!
Früher Angoraunterwäsche, jetzt ein edles Tuch. Wer braucht in unserem Alter schon Liebestöter.
Euer Weihnachtsabend scheint doch recht gelungen gewesen zu sein.