Neujahr
Der Silvesterabend war recht unspektakulär, aber auch schön. Jaron kam um halb fünf mit der BOB. Da er den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, begannen wir relativ bald damit, das Fondue vorzubereiten. Beim Essen und danach viel Wein und Sekt getrunken, so viel, dass ich im Januar jetzt erst mal kürzer treten will. Der Alkohol hat den Effekt, dass Jaron sich leichter tut zu reden. Das Beisammensein mit ihm ist ansonsten stark geprägt von seiner Stummheit. Von sich aus redet er nicht und stellt auch keine Frage. Entweder man fragt ihn etwas, dann gibt er auch eine Antwort, aber das Gespräch geht dann nicht weiter. Auch heute, bei unserer Neujahrswanderung lief er so schweigsam mit ohne eine Bemerkung über das, was sich ihm bot, nämlich die allerherrlichste Schneelandschaft im Bergpanorama. Mit einem gewissen Alkoholpegel verändert sich das insofern, dass ein Fluss beim Reden zustande kommt. Dann hab ich auch das Gefühl, Jaron mag uns. Während des Tages denke ich eher, er findet uns etwas bescheuert. Ich selber stelle unsere Art dann auch in Frage. Vorsätze fürs neue Jahr habe ich nicht, außer eine gesunde Lebensweise beizubehalten oder wiederherzustellen, was in den letzten Wochen etwas gelitten hat.
Es ist diese geheimnisvolle Gabe, ob ein Mensch spürbar in Resonanz gehen kann oder nicht. Wie gut kenne ich das von Jakob her! Allerdings hat es sich etwas gebessert, seit Simon nicht mehr für gute Gefühle sorgt. Und was ist es bloß? Jemand ist still und es fühlt sich wohl an, jemand ist still und alles fühlt sich defizitär an.
Alkohol löst die Zunge und noch einiges mehr. Dann fallen die Hemmungen weg und man fühlt sich freier, bis der „Rausch“ nachlässt.