Die Burg
Derzeit gibt es so ein paar Sachen, über die ich gar nicht schreiben mag. Es sind die lange andauernden Themen, die nicht enden werden wie die Sorgen wegen Sirenas Bein oder die Krebsleiden meiner Freundin Barbara und meiner Cousine Ines. Und es ist auch so, dass ich weiß, das wird nicht besser. Hier habe ich oft darüber nachgedacht, wie dankbar ich sein kann, dass ich gesund bin und dass ich rumrennen kann und dass ich mir das Essen schmecken lassen kann. Zur Burg bin ich nun schon seit 17 Jahren gefahren, früher mit Alina und Freunden, habe Gabis und meinen Geburtstag gefeiert und es war nie langweilig. Ein Ort, an dem ich gerne bin. Die letzte Pächterin sagte mal „Alina ist ein Castellokind“ . Seit einem Jahr hat die Kommune die Burg übernommen. Es ist nicht mehr so puristisch hier. Alte ausgediente Sitzgruppen stehen im Rittersaal rum, an manchen Stellen sieht man Deko. Eine sehr freundliche Italienerin kümmert sich um die Gäste. Sie hat am gleichen Tag wie ich Geburtstag. Barbara und ich wohnen in einem Zimmer mit sehr alten Möbeln, das ist gemütlich. Heute Nacht, als das Wetter losbrach, standen wir lange am Fenster und haben dem Spektakel zugeschaut
Dinge, Themen die einen sehr belasten müssen immer wieder zur Sprache kommen. Ich glaube das ist eine Art Seelenhygiene. Auf einer Burg zu wohnen ist etwas Besonderes, zumindest im Sommer. Ich hatte einmal im Bayerischen Wald das Vergnügen.
warst Du da auf Weissenstein? Da hat sehr lange ein Dichter gewohnt. Meine Mutter ist mit mir als Kind da immer zu seinen Lesungen gefahren, er hiess Siegfried von Vegesack.
Ich finde, es ist eine Frage der Abwägung. Manche Dinge werden durch Reden nicht leichter. Wie gelingt Reden, dass es nicht in den Dschungel führt? Alles bei sich behalten – keine Option. Dass Barbara krebskrank ist wusste ich nicht, schon gar nicht, was für Aussichten sie hat. Ich dachte, sie überwindet gerade den Tod ihres Mannes. So nah, wie ihr zwei wirkt, schwesterlich, muss auch das eine echte Belastung sein. Wenn dann auch noch deine Cousine krank ist, du an Sirena denkst… irgendwann ist es nur noch Krankheit und Schwere. Das kann nicht mehr guttun. Irgendwo müssen Prioritäten her.
Meine Cousine ist nicht krank, sondern meine Freundin, damals Kollegin in der KZ-Gedekstaette Dachau in den 90er Jahren. Ich hatte Dir schon von ihr erzählt, sie ist Germanistin und veröffentlicht viel. Sie wohnt mit ihrem Mann n wEilheim
Es ist was Besonderes, wenn man so einen Ort hat, zu dem man immer wieder gerne hinfährt. Dort hast du auch deinen 60. Geburtstag gefeiert, gell?