20-09-02-CoTaBu-„Was man von hier aus sehen kann“-Bedeutung-1001 Nacht
Die Sache mit der Bedeutungslosigkeit ist nicht einfach abzutun. Ein Mensch, der sich kein soziales Leben heranpflegt, Kreativität/ Selbstentfaltung, tiefe Gespräche, Kontakte, Geistiges vorwiegend über Berufliches auslebt, sich nicht mehr schmerzfrei übers Muttersein definiert, großteils in Büchern lebt, sollte sich durchaus dazu Gedanken genehmigen. Es gibt genug Beispiele, die im Ruhestand in Depression münden. In meinem Fall war es halb ironisch hingeworfen, entsprang aber nicht dem puren Witz und der Achtlosigkeit des Augenblicks. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass mein Berufsleben übermäßig Raum einnimmt und ich mit mir selber schon jahrelang nicht soviel anfangen kann. Wenn wir also unser Leben auf verschiedene Pfeiler aufbauen, sei es auf Lebensabschnitte, sei es auf Bereiche wie Familie, Spiritualität, Geistiges, Soziales, Kultur, Berufliches, Körper, Sexualität, Platz in Natur und Welt, dürfen wir uns nicht Sand darüber in die Augen streuen, dass Lebenssinn sich nicht immer und ohne Weiteres von selbst reguliert und zeitweise wichtige Bereiche in der Waagschale nichtmal auftauchen würden. Noch sehe ich diese Art von Leben auch als eine FOLGE großer Erschütterung an und nicht nur als Problem, sondern auch als meine Art der Lösung.
Heute: „Was man von hier aus sehen kann.“ Teil 1 endet gerade mit dem Tod eines Kindes, das aus dem fahrenden Zug fällt. Beate, du erinnerst dich an Michael Delpi? Genauso ist es mit ihm passiert. – Endlich ein wenig Ablage gemacht und mein Schlaf-Schreibstübchen gesaugt. Bei Michael gegessen. Damit es nicht langweilig mit Anni wurde bisschen vorgelesen. Sie sagt, sie wolle das lieber „alleinchen“, das hat irgendwer als Kind so gesagt. Drei Versuche: Ostpreußen, Flucht: nein, sie wollte nicht „traurig werden“. Rafik Schami. Nein. 1001 Nacht. Das beginnt mit einem Gebet. Ob wir das gerade wollten und glaubten oder nicht: Es entfaltete eine Wirkung, das konnte auch Michael nicht leugnen. Die Erhabenheit der Sprache packte uns und sogar Anni sagte nachher, das wollten wir mal wieder machen.
Deine Betrachtungen zum Lebenssinn, der sich nicht automatisch ergibt und erst recht nicht im Alter, sind treffend. Ich denke auch, dass jeder die Post-Berufsleben-Phase irgendwie vorbereiten sollte. Bei mir ist der Beruf zwar nicht so betont, aber er gibt Sinn und Struktur. Könnte sein, dass mir das mehr abgeht als ich jetzt denke.
ich habe vor Kurzem beschlossen, bis zum Rentenalter weiter zu arbeiten. Ich brauche die Struktur, die durch Arbeit vorgegeben ist, derzeit dringender als früher. Dass ich viel davon habe, Gesellschaft zu suchen und zu finden, dass ich gerne lese und reise, das wird sich auch im Rentenalter erst einmal wohl wenig ändern. Also hoffe ich auf einen sanften Übergang in das Leben, in dem die Berufstätigkeit „ausschleicht“. ich frage mich, ob ich einen Lebenssinn überhaupt suche. Meistens ist es schön, auf der Welt zu sein, das reicht mir dann auch schon. Du hast ein großes Thema aufgemacht.
Wie heißt das Lied? Schöööön, ist es auf der Welt zu sein….sprach die…..hmhmh zu dem Stachelschwein….Ohne Sinnsuche, auf die Idee bin ich noch nie gekommen!