benachteiligte Familien und privates Glück
Der letzte Patient ist nicht gekommen. Unentschuldigt nicht erschienen. Das ist insofern wirklich doof, weil ich mir für jedes Kind, insbesondere für die Autismus-Diagnostik, sehr viel Zeit einplane, vorher die Vorbefunde genau studiere, den Testraum und den Test vorbereite und dann umsonst warte. Das Kind muss ich dann später irgendwie noch mal in meinen Kalender quetschen. Im Kinderzentrum sind schon sehr viele benachteiligte Familien. Seit einigen Jahren finde ich kaum noch einen deutschen Namen bei den Patienten, vielleicht 2 Kinder im Monat und das ist dann meist ein Kind mit Trisomie 21. Viele Kinder werden vom Arzt oder Krippe geschickt, weil sie nicht sprechen können, weder die Muttersprache noch deutsch. Auch die Eltern sprechen oft nur sehr unzureichend Deutsch. Hinzu kommen beengte Wohnverhältnisse, oft noch ungeklärte Asylanträge, kinderreiche Familien, isolierte und entwurzelte, manchmal traumatisierte Mütter. Alle wollen, dass ihre Kinder in Deutschland aufwachsen, weil sie hier eine gute Ausbildung bekommen und vielleicht ein besseres Leben haben. Meist können wir der Familie schon helfen, integrative Kinderkrippen und Frühförderstellen vermitteln, die Eltern anleiten, wie sie ihre Kinder fördern können. Das alles klappt natürlich nur, wenn die Eltern auch mitarbeiten. Ob sich die Kleinen dann später wirklich in die Gesellschaft integrieren, ist aber ungewiss. Vieles hängt von der Begabung des Kindes ab und auch von den Eltern. Wenn ich die kleinen Kinder in unserer Wohnanlage sehe, wie gut sie gefördert sind und wie toll sie sprechen und mit anderen interagieren, dann denke ich, dass alle Institutionen und Förderungen, die wir hier anbieten, nicht das wohlbehütete und fördernde Elternhaus ersetzen. Jetzt habe ich gleich Feierabend und radele nach Hause, wo Hubert schon mit den gepacktem Auto auf mich wartet, da wir mal wieder zum Schliersee fahren. Ich freu mich auf die gute Luft, die schöne Natur und die Zeit mit Hubert. Wir sind in den letzten 5 Monaten, seitdem wir zusammen leben, noch mal deutlich zusammen gewachsen. Ich bin mir sicher, dass ich keinen besseren Mann finde als ihn. Früher habe ich mir immer so eine Partnerschaft gewünscht und jetzt kann ich es kaum fassen, dass ich so ein Glück habe. Für mich ist das Wichtigste, dass ich mich auf meinen Partner verlassen kann, in jeder Hinsicht. Ich kenne keinen, auf dessen Zuneigung ich mich mehr verlassen kann.
Ach Ines, ist das schön! Letzteres natürlich. Teil 1 klingt wirklich deprimierend. Unvorstellbar, wie ganze Volksgruppen sich auf Wanderschaft begeben haben in der Illusion, dass ein Staat das richten soll. Welche Kenntnisse liegen überhaupt über das Wesen und die Bedeutung von Familie zugrunde?
Deine letzten Zeilen : Wie schön ist es, dass Du Hubert gefunden hast, ein Mensch, auf den Du Dich verlassen kannst! Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
Es Ist ein großes Glück, dass ihr euch gefunden habt.