21-07-21-CoTaBu-Betrüblichkeiten + Aussicht auf Ebensolche
Meine erste Tat: ein früher Anruf bei einer ehemaligen Angehörigen aus dem Hospiz, Teilnehmerin der Aetasschreibgruppe und meines kümmerlichen literarischen Zirkels. Ich hatte lang kein Lebenszeichen, war alarmiert. Jetzt putzmunter am Telefon, morgen ist sie dabei. (Mein nächster Schritt wäre gewesen, hinzufahren…). Nicht dass es geht wie mit meinem Nachbarn Herrn Hofmann vom fünften Stock. Vor wenigen Wochen noch am Speicher mit ihm geplaudert, ein höflicher, ruhiger, freundlicher Mann. Jetzt zieht jemand anders ein. Ich bin erschüttert. Hatte bei der Hausverwaltung nachgefragt, er ist wirklich gestorben. Jahrzehntelange Hausgemeinschaft – dann ist so ein Mensch einfach weg. Ich wusste, dass er krank war, aber als Hospizlerin glaube ich ja zu sehen, wann es soweit ist (meinen beiden letzten direkten Nachbarn stand es auf der Stirn). So wenig ich ihn kannte streift mich Trauer. – Mit Jacci dieser Tage in engerem Austausch. – Unsere Ikebanafrau teilte sich gestern auch ausgiebig mit. Der Verlust der hochbetagten Mutter wie der einer sehr engen Partnerschaft, auch nach langer Zeit unüberwindlich. Das Trauerthema also von allen Seiten momentan. – Bei uns gestern sprachlose Stille. Die wenigen Sätze konnte man zählen. Es ist wie Gefangensein. Wir sind freundlich, grüßen, Sonja stellt Telefonate durch, gab mir einen Abstrichswilligen weiter. Tür zu, das wäre die nächste Steigerung. – Ingrid rief nochmal an und beschwor mich: wenn von der Gruppe nichts käme, das läge nicht an mir, es sei einfach so. Einmal, nach einer ganzen Kurswoche, seien sie um Punkt Schluss rausgestürmt, kein Wort mehr, kein Kaffee, sie saß alleine bedröppelt im Garten. Es muss krass sein. Schweigen im Walde, keinerlei Resonanzen. Die Frage, ob es gut ist, vorgewarnt zu sein oder ob ich besser unbefangen losginge, kann ich heute Abend beantworten. Ich finde es aber fair, mich nicht ins Messer laufen zu lassen. So brauche ich mich hinterher nicht aufzuhängen, falls mein Ego Schaden nimmt.
In dieser verkrampften Atmosphäre zu arbeiten stelle ich mir ungut vor. Ich bin sehr gespannt ob sich Ingrids Vorhersage bestätigt hat und die Gruppe wirklich so passiv war.