Abgeschlossen

es war ein volles Jahrzehnt, in dem ich immer wieder in verschiedenen Formaten über DDR-Geschichte referiert, moderiert habe. Nun kam heute die Bitte unseres Direktors, all das zusammen zu schreiben. ich habe also in meinen Vermerken, Mails, Evaluationen, Flyers gestöbert. Was habe ich für Filme gesehen, Lebensgeschichten gehört, was habe ich alles gelesen, wie oft bin ich schon durchs Stasimuseum gelaufen, durch das schreckliche Gefängnis von Hohenschönhausen. Und die anstrengenden Zeitzeugen, der eine schwer traumatisiert, der andere ein Selbstdarsteller vor dem Herrn, der dritte wollte in den Westen, um mal New York zu sehen und einen Porsche zu fahren und so weiter. Es hat mir Freude bereitet, auf diesen Teil meiner Arbeit zurückzuschauen und mich zu erinnern an die Plätze und die Menschen, die Kollegen.Und wieviel habe ich selber doch auch gelernt während all der Jahre. Aber es war auch eine Art Abschluss. So wie es war, wird es nicht weitergehen, da bin ich mir sicher.

Am Abend rief ich Andreas an, einen Kollegen, mit dem ich manche dieser Veranstaltungen gemeinsam gemacht hatte. Er ist seit zwei Jahren pensioniert, wir hatten seitdem keinen Kontakt. Ich wollte ihm das  gerne erzählen. Es war ein langes Gespräch, weniger über die alten Zeiten als über sein neues Leben. Seine Frau und er hatten das riesige Mietshaus am Rand der Theresienwiese, in dem sie auch selber gewohnt hatten, verkauft und eine Wohnung mit Garten am Stadtpark in Pasing gekauft. Mit diesem Wechsel ist es ihm wohl auch gut gelungen, einen Schlussstrich unter das „alte“  (Berufs-)Leben zu ziehen. so privilegiert und vergoldet wird mein Wechsel ins Rentenalter sicher nicht sein, aber ich hoffe sehr, dass auch ich mit Zuversicht auf die kommende Zeit meinen Abschied von der Arbeitsstelle feiern können werde.

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Wenn du die Früchte der letzten zehn Jahre noch einmal aufsammeln solltest, musst du dann nicht die verbleibenden drei Jahre mit dieser Aufgabe zubringen? In welcher Form soll das geschehen? Ich denke an Svetlana Alexejewitschs Werke, die Gegensätzliches, Unterschiedlichstes, wie du es ansprichst, gleichzeitig Stattgefundenes einfangen, nebeneinanderstellen. Hast du die Interviews eigentlich alle aufgenommen? Wurden sie je transkribiert? Eine Wahnsinnsarbeit, aber so ergiebig! Falls du dafür eine Hiwi brauchst…ich bin dabei. Meine Erfahrung: für 1 Std. Interview sechs Stunden Transkription.

    • Beate sagt:

      ich soll alles nur auflisten… der Rest ist Erinnerung. Ich habe leider nichts aufgenommen, aber es gibt die Dokumente, in denen ich z. B. die Vita der Referenten beschreibe.

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