21-03-03-CoTaBu- Ganze 3 Jahre + die Speise, nach der sich die Toten sehnen

Es ist überstanden. Meine Arme und Beine sind immer noch sehr schwer, aber morgen ist es besser. Ich hatte es mit Bachblüten versucht, kurz vorher mit einer Tavor; beim Singen habe ich ungefähr 150ml von Renates Eierlikör getrunken; jetzt zittere ich, es ist die Erschöpfung nach Riesenanstrengung oder Schlaflosigkeit. Tagelange intensive Beschäftigung nur mit dem EINEN, Email-Kontakte gelesen. Nach Worten gesucht. Es war ein Fehler, heute arbeiten zu gehen, ich habe mich teilweise verbarrikadiert, saß dann mit Simons Fellschühchen und musste warten, bis es vorbeigeht. So habe ich bewusst die Uhr gesehen. 13:52. Sonja hat mich einmal erwischt und sehr getröstet. Wenn ich wenigstens „meinen“ Brief schreiben und was Literarisches oder Räucherwerk raussuchen kann (bis das zu mir kommt bin ich wie getrieben), wenn Michael dann mit seiner stoischen Ruhe sitzt und spielt und sich nicht irritieren lässt, auch wenn‘ s nicht 100% passt, wenn alle, die dasind, sich auf diese Rolle einlassen können, dass genau sie für mich an diesem Tag die Wichtigsten sind und nicht darauf bestehen, dass es Wichtigere geben müsste, dann bin ich glücklich. Einige haben mir geschrieben – Renate, du auch, danke!!! – auch Birgitta, die ich diesmal nicht gefragt habe, die aber die Vorbereitungen auf dem Grab dieser Tage beobachtet hat. Mit Kira und mit Siine und Flavio geappt, Siine und Flavio sind gestern zum zweitenmal Eltern geworden. Tilda, die Erste, hat die ganze Katastrophe im Mutterleib erlebt, Siine mit Simon allein. Mit Jakob sehr lang telefoniert, ihm alles vorgelesen. Niemand in Rotterdam kannte Simon. Jakob teilt sich nicht besonders gut mit. Abgesehen davon, dass das ohnehin fast unmöglich ist klingt das in dieser Hinsicht einsam. – Michael hatte für uns nach dem Friedhofsbesuch einen Kurzimbiss vorbereitet, dann ging es zum Singen. Am Ende hat Dagmar mein Wunschlied angestimmt, für Simon. „Schlaf, mein Kind, und lass dich wiegen, in dieser Nacht…“.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

5 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Wenn ich nicht wüsste, was in dir los war, ich hätte es dir nicht angemerkt. Du hast uns eine wunderschöne Gedenkstunde geschenkt. Insbesondere deine Briefanfänge an Simon und die Musikbegleitung von Michael waren herzzerreißend. Ich bin sehr glücklich, dass ich da war.

  2. Renate sagt:

    Mir kam gestern der Gedanke an dich als gute Gastgeberin. Du hast es geschafft, dass ich mich wohl gefühlt habe. Ich habe große Achtung vor dir, wie du, trotz deines Schmerzes, der immer wieder spürbar war, die berührenden Briefanfänge lesen, mit uns anstoßen und ein Gefühl von Frieden vermitteln konntest. Ich bin sehr dankbar, dass ich dabei sein konnte.

  3. Beate sagt:

    die Zeit, die wir zusammen an Simons Grab standen, wird mir immer in kostbarer Erinnerung sein. Deine Briefanfänge an Simon, die Stelle, die Du aus den Jakobsbüchern vorgelesen hast, Michael, der wie Pasithea dir zur Seite saß und Akkordeon spielte und die Freunde, die „Pfeffi“ mitbrachten zum anstoßen, die Kerzen und Blumen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert