21-04-03-CoTaBu-Verunglückte Zeitpläne – Osterkaffee mit Beate

Heute wollte ich mich zu Osterputz aufraffen, bin aber nicht weit gekommen. Kein Budenzauber diesmal, zumal meine Goldeier unauffindbar sind. Ich habe noch welche aus einem rumänischen Kloster und das Ei einer Patientin, einer Restauratorin und Vergolderin aus dem Nationalmusuem, die kurz vor Simons Tod bei uns gestorben ist. Ich hatte mit ihr eine „literarische Liebe“; ihre Mutter wusste von etwas Besonderem zwischen uns und schenkte mir aus dem Nachlass ein filigran gestaltetes Ei und eine elfenbeinerne Jugenstildame, in deren Innerem man Nadeln aufbewahren konnte. Ich hätte mehr von ihren literarischen Exzerpten gehabt, die sie eigentlich für mich vorgesehen hatte und die die Mutter bis auf drei Kladden weggegeben hat; halte die Erinnerungsstücke selbstverständlich in Ehren: an Ostern kommt ihr Ei zum Einsatz. – Früh um 7:00 einkaufen gegangen und die gefärbten Eier nicht bekommen, die mir das wichtigste waren. Später bei Graupelschauer zu Osso Buco mit Risotto bei Michi geradelt, dann zum Friedhof. Alles heute in Eile. Sogar das Backen kleiner Osterfladen geschah unter Zeitdruck. Die erste Kostprobe habe ich mit Beate eingenommen, sie liegt jetzt schwer im Magen. Was sehr schön war: gemeinsamer Osterkaffee, Beate beladen mit Geschenken wie zum Geburtstag. Jetzt habe ich sogar Blumen! Diese Ruhe, geteilte Zeit, ein Luxus! Füße kraulen, Kaffee und Fladen, auf dem Bett herumlümmeln, sehr traulich! Lesestoff, scheint mir, habe ich bis zum nächsten Ostern. Thea Dorn beiseite gelegt. Die ganze Coronaempörung kann ich nicht mehr aushalten. Schreibkaskaden, die durch einfache Kartengrußfragen „Wie geht es dir?“ ausgelöst werden. Die Idee mag ich. Aber das Buch heißt Trost. Auf mich wirkt es wie meine wütenden Mails an die Regierung vor einem Jahr in der Zeit der ersten Rebellion.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Osterfladen, Blumen, Zeit zum Reden, so schön. Da machen die fehlenden Eier gar nicht viel aus. Ich finde meinen Osterschmuck auch nicht mehr.

  2. Renate sagt:

    Mich hat diese aggressive Schreibe von Thea Dorn so abgeturnt. Jetzt weiß ich wieder wie ich zu dem Buch kam. Ein Interview im Gesellschaftsteil der SZ. Ich dachte es ist ein Buch das Trost spendet.

    • Heike sagt:

      Genau das dachte ich auch und es ist das Gegenteil. Ich finde es auch sehr aggressiv und natürlich alles, was jede von uns in diesem Jahr auch schon gedacht und gesagt hat, aber es ist passé. Und die Frau gefällt sich allzu gut selbst dabei. Ich finde, das Buch müsste „Wut“ heißen, nicht „Trost“.

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