Wiesenblumen und kosmische Energie
Heute war wieder der wöchentliche Besuch bei Mama an der Reihe. Schon Vormittag losgeradelt. Auf einer Wiese herrliche Blumen gepflückt, für meine Mutter. Sie hat, als sie noch fit war, Blumen aus der Grünanlage in der Siedlung gepflückt , oder durch Zäune wachsende Blumen geklaut. Haben ihr immer schon besser gefallen, als gekaufte Sträuße. Der Strauß von mir kam neben das Foto von Pa in der Küche. Als die Sonne einen Weg durch die Wolken fand, sind wir in den Garten. Allerdings war der Aufenthalt draußen von kurzer Dauer, denn der Wind war richtig kalt. Ich hatte Miniguglhüpfer dabei, die wir dann gegessen haben und echte tschechische Oblaten gab es auch. Sylvie hatte von einer Freundin, die sehr esoterisch drauf ist, Texte aus dem Tschechischen ins Deutsche übersetzt und bat mich sie Korrektur zu lesen. Da ging’s um kosmische Kraft und Lichtgestalten, um Energie und Wünsche, Heilung und Engel. Ich habe mein Bestes gegeben. Sylvie hat ein ausgeprägtes Redebedürfnis, was Mama jedes mal wenn Sylvie aus dem Zimmer ging, bemängelte. Mama und ich haben, wie so oft Mensch ärgere dich nicht gespielt und Sylvie ging einkaufen. Ich bin nach zwei Spielen gegangen, weil ich den Eindruck hatte, dass Mama müde ist. Ihr Gedächtnis hat wieder etwas nachgelassen, meinen Geburtstag und ihr Alter wußte sie nicht mehr. Sie vergisst in einer solchen Geschwindigkeit Dinge, über die wir Minuten vorher gesprochen haben. Kurzzeitgedächtnis, Ade!
Herrlich, die Wiesenblumen und die Übersetzungsinhalte! Dass deine Mutter mit „Lästern“ wartet, bis Silvie draußen ist, also noch ein gewisser Takt und Anstand, innere Kontrolle über Sozialverhalten fortbesteht, finde ich beachtlich. Die Hirnregionen sind also unterschiedlich betroffen und glücklich der Mensch, der sozial verträglich bleibt.
Genau das, was Heike schreibt, ist mir auch aufgefallen, dass deine Mutter wartet bis Sylvia den Raum verlässt, bevor sie über sie herzieht. Interessant welche Bereiche des Lebens nicht durch sie Demenz gestört werden.