Letzter Tag in Keltern
Wir hatten heute viel vor, Suzanne und ich: nach Karlsruhe fahren, eine Ausstellung besuchen, abends auf ein Konzert gehen,,, nichts davon haben wir gemacht. Dafür sind wir stundenlang durch die Weinberge gelaufen, haben im Nachbardorf bei einer Tante von Suzanne geklingelt, die sich sehr gefreut hat, dass jemand spontan vorbeischaut, wir waren auch kurz bei ihren Eltern. So viel Freundlichkeit, wie ich hier im Dorf bei den Leuten erlebt habe, scheint mir wie von einem anderen Planeten zu sein. Das Wetter ist nach wie vor traumhaft schön. Morgen werden wir noch einen Spaziergang durch den Wald unternehmen und dann geht es wieder nach Hause. Suzanne hier erlebt zu haben, in dieser Welt, in der sie aufgewachsen ist, in der noch alle da sind, die damals eine Rolle gespielt haben (die Familie, die Freundin, die Patentante ihrer Tochter) hat mir ein weiteres Rätsel aufgegeben: Wie gut kennen wir diejenigen wirklich, mit denen wir doch Weggefährten sind?
Mir fällt spontan ein: wir kennen nicht mal uns selber so ganz genau. Ein Leben, dessen Lauf, was dazu gehört, was Geröll am Wegesrand war, was entscheidende Wegmarken…jede Erzählung davon, jede Sicht darauf höchst subjektiv und vor allem unvollständig, unzureichend.
Das klingt wirklich so idyllisch. Jemanden spontan zu besuchen, das geht bei uns kaum mehr. Entweder man hat was zu tun oder will seine Ruhe.