Biergartengespräche und ein intimer Moment

So, die Arbeit ist für heute wieder getan. Gleich radel ich heim und packe für Schliersee. Wir sind noch unschlüssig, was wir unternehmen wollen. Weder das Rad noch der Berg lockt. Vielleicht gehen wir einfach nur zum See und fahren mit dem Boot oder leihen uns ein SUP oder spazieren am Tegernsee, der hat etwas schönere Wege rundrum. Gestern Abend waren wir noch mit einem befreundeten Paar und dem 12 – jährigen Sohn im Schützen-Biergarten in der Zielstattstraße. Das Kind hat so unglaublich viel gegessen, da konnte ich nur staunen. Beneidenswert, er steckt alle Nahrung ins Wachstum und setzt nix an. Die Gesprächsthemen über Urlaube und Erlebnisse haben mich dann nicht sonderlich interessiert. Ich mache mir dann selber leichte Vorwürfe, weil ich mich zwar darüber stelle, aber andererseits nicht wirklich dazu beitrage, dass das Gespräch eine andere Richtung bekommt. Gestern hatte ich eine sehr schöne Begegnung mit einem geistig behinderten, autistischen 3-jährigen Kind in meiner Arbeit, der geistig auf dem Stand von 10 Monaten ist. Ich habe versucht, mit dem Kind in Kontakt zu kommen über Spielsachen etc. aber er nahm mich gar nicht wahr und lief nur ziellos durch das Zimmer. Ich hab ihn dann geschnappt und ein bisschen körperlich mit ihm getobt. Plötzlich lag er wie ein kleines Baby in meinem Arm und wir hatten eine längere Phase eines ganz innigen Zwiegesprächs mit tiefem Blickkontakt und wechselseitigen Gluckslauten und zartem Spiel mit den Händen, wie man es mit Säuglingen macht. Dieser Moment war so schön und beglückend, dass ich noch lange davon gezehrt habe. Eigentlich fasse ich die Kinder hier nicht an, wegen Corona, und weil es auch nicht üblich ist. Aber intuitiv war das der Weg zu dem Kind. Ich hab mir vorgenommen, wieder mehr auszuprobieren, dann macht die Arbeit auch mehr Sinn und mehr Freude.

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3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Ich finde, ein Kind zu berühren ist wie Tränen der Bewegung oder etwas Persönliches zulassen. Im Anfang ein Tabu, ein no-go, aber mit den Jahren sind diese Dinge gestattet, wenn man`s anders „draufhat“. – Gemeinsame „Freunde“, da kennst du meine Position. Womöglich kennt man sich erst ein paar Jahre, hat nichts Wesentliches gemeinsam auf dem Buckel; was gibt es da anderes als diese Themen? Es ist eben nett gemeinsam verbrachte Zeit; insbesondere paarweise. Da darf man die Ansprüche nicht zu hoch hängen.

  2. Heike sagt:

    Hab vergessen zu schreiben, wie wunderzart die Begegnung mit dem kleinen Menschen bei mir ankommt!

  3. Renate sagt:

    Was Jungen essen können hat mich auch Immer wieder erstaunt. Einfühlsam wie du bist hast du bei diesem kleinen Jungen genau das richtige Gespür gehabt.

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