Gespenster und Zitronentarte

Heute früh fand also das mit meiner Cousine Hiltrud verabredete Telefonat statt. Ich hatte mir ja schon im Vorfeld Gedanken gemacht, was hinter dem außergewöhnlichem Problem stecken mag. Ich kenne Hiltrud nicht gut, sie interessiert mich nicht besonders, eine ziemlich spießige Volksschullehrerin in Pension, Provinztante, etwas schlicht. Auch trage ich ihr es nach, dass sie über die Jahrzehnte hinweg ihre Meinung, ich sei das schwarze Schaf der Familie, nie revidiert hat. Und jetzt dieser Antrag, das „außergewöhnliche“ Problem mit ihr zu teilen, gar zu lösen? Es kam schlimmer als befürchtet. Sie wird von einem Geist verfolgt, sie habe nie an Gespenster geglaubt, aber seit Juni geschähen so seltsame Dinge, es wird an ihrer Matratze oder an ihrer Bettdecke gezogen. Ich solle ihr helfen, ob ein bestimmter Exkollege noch lebt? Vielleicht ist er der Geist? Ob ich ihr dabei helfen könne, den Geist zu vertreiben? Ich war total niedergeschlagen. Auch überfordert. Habe sie am Abend angerufen und ihr geraten, sie solle zum Arzt gehen und sich was gegen ihre Schlafstörungen verschreiben lassen, das sei der erste Schritt. Dass ich so angefasst bin zeugt davon, dass an dem Spruch was dran ist: „Blut ist dicker als Wasser“. ich würde ihr ehrlich gerne helfen. Sie ist doch schliesslich meine einzige Verwandte mütterlicherseits.

Der Nachmittag hingegen war unkompliziert und schön. Walter hatte eine hervorragend feine Zitronentarte gezaubert, die wir in seinem Garten verspeisten. Gabi und Alexander waren nach München gekommen und sehr unterhaltsam. ein wenig kalt war es schon, trotz der Wolldecken, in die wir uns gehüllt hatten. Als sie gingen, brachen Walter und ich zu einem langen Spaziergang im Nymphenburger Park auf.

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Die Gespenstersache kannst du nicht lösen, es sei denn, du belebst sämtliche Hexenqualitäten in dir. Dafür gibt es Wünschelruten, Räucher- und GeisterexpertInnen, die sie gemäß eigener Intuition suchen muss. Es ist wie bei Psychotherapeuten. Die muss man auch selber suchen. Oder ein Geistheiler, allesamt Fachabteilung Esoterik.

  2. Ines sagt:

    Heikes Idee finde ich gut. Du kannst sagen, dass du nicht die Richtige bist, weil du nicht an Geister glaubst, aber das Internet ist sicher voll von Menschen, die anbieten Geister zu vertreiben. Man muss halt ein bisschen Geld in die Hand nehmen und hat keine Erfolgsgarantie, aber wenn sie so leidet, dann wird sie das Geld nicht schmerzen. Stört es dich wirklich das schwarze Schaf genannt zu werden, ist in meinen Augen eher eine Auszeichnung.

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