21-10-07-CoTaBu-Wirkmächtige Einflüsse, Umgang mit Tod + Bruckner

Wir hatten an der Würm über wirkmächtige Einflüsse gesprochen. Was macht es mit uns, wenn jemandes Wort Macht über uns hat? Auf mich hatte Einfluss, dass wir nicht einfach unseren Alltag weiterschreiben können sollen, da Ines ihre Mutter „verloren“ habe. Jetzt schreibt Renate über den Friedhof. Im Tod und im Sterben und der Gestaltung „letzter Ruhestätten“ verdichten sich unsere kulturell, familär und individuell tief verwurzelten Werte. Eine geradezu erlöste, wohl vorbereitete Verstorbene sehe ich so gar nicht als verloren an, ist sie doch weder verschollen noch entrissen. Sie ist „dahingegangen“ wohin wir alle unterwegs sind. Eher wandeln mich milde Gefühle an. Obwohl ich den Tod für einen schwerst leidenden Menschen als Glück ansehe, ergreift tiefe Trauer die Menschen ringsumher und erhebt sie in einen geheiligten Zustand. Auch unter den Trauernden verstummen manche, ziehen sich zurück, andere suchen Menschen, möchten sich mitteilen, was leider ein begrenztes Unterfangen ist. Weil wir den Tod nicht fassen können, schon gar nicht mit Worten! Bei katholischen Beerdigungen war früher Usus, laut Pfarrer Wilmsen abgeschafft!, weil es kein Mensch mehr hören will: Am Rande des Zeremoniells wurde erinnert, dass einer unter den Anwesenden der Nächste sein würde. Bedenke, dass du sterblich bist! Inzwischen, auch tabu: Die Trauergemeinde wird entlassen mit dem Hinweis, jeder möge wieder seinem Tagwerk nachgehen. Je näher man dem Verstorbenen steht, desto weniger kann das gelten. Aber für mich ist es nicht widernatürlich, mein Leben weitergehen zu lassen. Im Gegenteil wäre für mich ganz schlimm, jetzt rings um Ines „zu verstummen“. –  So habe ich nach Boosterimpfung vorerst außer schmerzendem Arm keine Probleme. Dann habe ich mit Michael bei Tschaikowsky und Bruckner die Isarphilharmonie eingeweiht, 1. Reihe! Eng besetzt. Viele hatten die Masken abgesetzt. Dann wurde gebeten, sie aufzusetzen, dafür gab es Applaus. Als bei Bruckner im wahrsten Sinn „Pauken und Trompeten“ erschollen, hat mich Ines` Mutter…. „besucht“. Nur ein Gedanke? Ein Gefühl? Ich mag das Leise, Zarte. Und ich mag die Fanfaren, wenn der ganze Klangkörper ackert, ächzt, bläst, zupft, streicht und trötet.

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Eine Antwort

  1. Ines sagt:

    Mir hilft deine Sichtweise über den Tod sehr und ich sauge es förmlich auf, was du aus deiner Erfahrung schreibst.

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