22-02-08-CoTaBu – Unbewusstes, Nachklang, Loth + „Missverständnis“

Gestern klang unser Sonntag bei Beate reich in mir nach – inhaltlich, atmosphärisch, kulinarisch! Gestern Abend Herr Loth. Diesmal habe ich hinterher Notizen gemacht. Er stellt schöne Verbindungen her. Als ich berichtete, dass ich nach Thereses Besuch vor Wochen entgegen meinen Gefühlsgewohnheiten NICHT an der Decke klebte – normalerweilse einen Herzinfarkt vor Wut bekommen hätte – erinnerte er mich an meinen Satz, dass ich „ruhigen Herzens aus der Sache rausgehen möchte“. Das wiederholt er immer wieder als meine zentrale Aussage. Er sprach auch von Frankls „Trotzkraft“. Frankl liegt zufällig gerade seit Tagen auf meinem Küchentisch! Ruhig blieb mein Herz aber nicht, als der neue Patient gestern kam – die letzte Aufnahme innerhalb eines Tages verstorben (!) – und Prof Schlemmer sagte, der Patient bzw. seine Frau wolle das Wort Hospiz nicht hören. Bei Patienten von der Palli gehen wir normalerweise „sicher“, dass sie sehr vorbereitet werden. In diesem Fall müssen unendlich Gespräche stattgefunden haben; das Ehepaar kommt offenbar nicht da an, wo er steht, auch wenn die Diagnose nicht brandneu ist. Wir können nicht uns alle zum Lügen verpflichten. Nachmittags dann kam eine Kollegin: die Patientenverfügung, die erst jetzt vorlag, verlangt alles, was eine Intensivstation bietet. Es ist also von falschen Voraussetzungen ausgegangen worden. Ich habe die Ärztin, die gerade da war, aus ihrem Aufnahmegespräch herausgeholt, weil ich wegmusste; sie kündigte dann an, dass ich heute zum Gespräch komme. Entweder, das Ehepaar lässt sich auf eine neue Verfügung ein, oder es wird bei uns nicht bleiben können. Das ganze „System Palliativstation“, alles Profis, muss in etwas eingewickelt worden sein. Nie würden wir eine Patientenverfügung von dort anzweifeln! Für heute Nacht galt: sollte „etwas“ vorfallen: Notarzt. Krankenhaus. Stehen nicht andere, achtzehn Seiten lang, Schlange? Natürlich müssen wir der Palli entgegenkommen, die uns soviele abnimmt derzeit! Jetzt aber sowas!? Ich empört. Gregor wieder indifferent. Loth half; sagte freundlich, locker, singend wie ein Lied: „Ein Missverständnis!“

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Du wirst es sicher im Gespräch aufklären, ob es es Missverständnis ist, was ich nach deiner Schilderung eher nicht glaube. Der Satz mit dem “ ruhigen Herzen“ ist ein regelrechtes Mantra, das du dir immer wieder vorsagen kannst.

  2. Renate sagt:

    Mit ruhigem Herzen… ein schöner Satz.
    Das ist ja ein Ding mit der Patientenverfügung. Bin auf deinen Bericht morgen gespannt.

  3. Beate sagt:

    ..und wieder ist Gregor indifferent, was Dir bekanntermaßen fremd ist. ich frage mich, ob das Ehepaar sich im Vorfeld informiert hat, welcher Ort als der geeignete ausgewählt wird? Größer könnte der Unterschied nicht sein, was sie wollen und wo sie gelandet sind. Bin gespannt, wie sich das auflösen wird.
    Ich freu mich sehr, dass Dir der Sonntag bei mir so gut gefallen hat! Mir ging es auch so

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