22-03-03-CoTaBu-UkraineSoliDemo, Spendenbremse + leises Zittern

Im Hospiz stehen massenweise Hilfsgüter bereit, die ich mit Michael dieser Tage bei der ukrainischen Sammelstelle abgeben werde. Bei der Demo am Königsplatz, bei der angeblich 45.000 Leute waren, traf ich meine ukrainische Nachbarin. Sie ist im Organisationsteam und sagt, Autos stünden in langen Schlangen; zeigte Fotos, wie die Innen- und Außenräume bis unters Dach voll sind. Sehr demotivierend…wie sie sagt, was wir alles NICHT bringen sollen. Das Medizinische, auch Rollstühle, Rollatoren, OP-Bestecke usw. dagegen schon. Hinterher haben wir mit Anna und Jakob gespeist. Ob es mir jetzt deshalb schlecht ist und ich mich hundeelend fühle? Oder legt sich doch dieser Tag auf mich… wenn ich es nur schreibe, geht`s schon los. Bine hat ein Kärtchen geschickt und Brigitte eine Whatsapp. Wie macht sie das bloß? So aufmerksam. Ich habe nach dem Aufwachen Weihrauch, Kerze, Feuer, Kohle eingesteckt. Wir wollen nach der Arbeit zum Grab fahren, Jakob und Anna auch, und dann mit den „Jungs“ ins Ruffini, das ohne Michael. Sonja nimmt dieser Tage aufgrund seelischer Verwerfungen frei, so sitze ich ziemlich fest in unserer Etage und es könnte öder kaum sein. Jetzt aber merke ich, wie der Tag Besitz von mir ergreift, ich hätte es diesmal nicht geglaubt. Ich habe es auch in den anderen Jahren nicht vorausgesehen. Ich erinnere mich an meine Mutter, die keinerlei Zugang zu ihrer Trauer um meinen Vater hatte. Sie fiel dann dauernd um, durch Stürze oder Ohnmachten. Ich fühle mich krank, vielleicht aber ist es „das“. Verstolpere mich beim Atmen, den Magen will es mir umdrehen, es zittert leise.

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Eine Antwort

  1. Ines sagt:

    Dein Körper reagiert sehr sensibel. Du hast glücklicherweise Zugang zu deiner Trauer. Und es gibt viele Menschen, die dir nah sind und mit dir die Trauer teilen. Jetzt ist der Tag bald geschafft. Die Hilfsbereitschaft für die Ukrainer ist enorm. Dass die gesammelten Güter nicht genau das bedienen, was gebraucht wird, dachte ich mir schon.

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