2024-07-06- Tiefgreifende Erkenntnis beim SchreibDenken – neuer Uraltkontakt, Margot und Lily – Rebecca Horn „zur Hochzeit“

Diesmal habe ich lang gebraucht, um wieder aufzutauchen. Die Hochzeit hat mich nicht rational erwischt, wie „Emilian heiratet“ oder „Fabian und Ronja erwarten ihr Baby“ (inzwischen geboren) – eher aus dem Unterbewussten. Danach war ich wie betäubt, was für mich nichts Schlechtes ist, sich aber auch nicht wegwischen lässt. In mir steigt, während ich das schreibe, der Verdacht auf, dass ich etwas aufgenommen, übernommen haben könnte, was unausgesprochen in der Luft lag; ein kollektives Thema – anders ist diese erdrückende Wucht nicht zu erklären. Dazu kommt verschärfend der alles-gut-Zeitgeist, die jungen Leute, alle auf Erfolgskurs – wenig Spielraum für Schwieriges. Wer wollte es wagen, so einen Tag zu stören (wie ich)!? „Ein „Glück wie eine Hochzeit“ oder „die Liebe feiern“ deckt sich nicht mit meiner Wahrnehmung. Gern holen solche Ereignisse etwas unterm Teppich hervor, wo es partout bleiben soll. Alle kamen zusammen, aber es rauschte nicht. Dazu sprang eine Unvereinbarkeit der beiden Familien ins Auge – nicht mein Problem. Etwas hat gefehlt. Deutlicher: Einer hat gefehlt, der die Gabe hatte, Gemeinschaft zu bilden, zum Lachen zu bringen, zusammen zu scharen, wenigstens die alten Freunde – so lautete die Einladung: Die sollten kommen, die schon immer da waren. – Ein Füllhorn für eine Systemaufstellung – so meine Erkenntnis beim SchreibDenken. Die „SchreibAnalyse“ hilft. Der spirituelle Hintergrund ist nicht fass- und gestaltbar. Wie auch. Untergründig liefen andere „Unglücke“ mit; die selige Illusion vom „schönsten Tag des Lebens“ verfehlt die Realität. Der GlücksErwartung wohnt die Enttäuschung schon inne – es sei denn, wir bewegen uns im Märchen. Ein Blick auf die Bühnen der Welt, in Film und Literatur zeigt überspitzt, was da wirklich läuft oder laufen kann.

Über alledem habe ich Renates 70. Geburtstag vermasselt, sehr arg! – Ein Treffen mit Margot hat mich wieder auferweckt, das hat überraschend gutgetan, zwei Stunden Schmock, dann Volkstheater (beides für mich erstmals). – Inzwischen kontakte ich wieder, schmiede kleine Pläne. Über Sohn und Schwiegertochter der Schwester von Emilians Vater, (die am Samstag fehlte, weil sie – todkrank – bereits in Hospizen angemeldet ist), Kontakt aufgenommen. Ich war mit ihr imselben Studiengang; wir beide die einzigen mit kleinen Kindern, hatten wir damals aber nichts Wesentliches miteinander zu tun, vielleicht wegen unterschiedlicher Schwerpunkte und Seminare – nur gemeinsame Vorlesungen, wo man ja nicht wirklich zusammenkommt. Jetzt whatsappen wir rege; nächste Woche besuche ich sie. Weil ich gesagt habe, dass ihr Krankheitsbild (aufgrund Hospizerfahrung) mir nicht fremd ist, will sie wagen, sich schwach, bettlägerig und sauerstoffpflichtig zu präsentieren. Ich bin so bewegt! Auf Fotos, die die Schwiegertochter ihr von mir geschickt hat, hat sie mich nicht erkannt – so musste ich alte Bilder raussuchen.

Freitag mit Lily im Tribeca gespeist – ihre Nach-Einladung zu meinem Geburtstag. – Samstag war der Tag unseres überfälligen und schonmal vertagten, inhaltlich von Vogelführung zu Haus-der-Kunst umdisponierten Hochzeitsgeschenks für Ines und Hubert. Kurzweilig fachkundige, beredte Privatführung, die uns die Augen für Rebecca Horn geöffnet hat – die ich für „sowas“ von selber nicht habe. Besuch im Außenbereich der Goldenen Bar, wo wir haarscharf mit dem Kaffee fertig wurden, bevor das Gewitter losbrach. Wir stoben los – konnten dem Platzregen mehr, weniger oder gar nicht entkommen. Nicht einfach, vier Paare unter einen Hut zu bringen, was aus meiner Sicht gelungen ist – wenn auch erst jetzt und unter Arianes Fehlen – schade! So waren wir zu siebt. Uns hat es gefallen. – Literarisch wandere ich weiter durchs Museum der Unschuld“ (Einstimmung auf „Trost der Dinge“).

 

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Dem „alles gut-Zeitgeist“ der jungen nach Erfolg strebenden Menschen auf der Hochzeit hätte Simon sicher eine andere Note gegeben. So wie du schreibst, konnte er die Menschen zusammen und zum Lachen bringen. Das kann ich mir richtig gut vorstellen. Er hat dort gefehlt und du hast es ausgedrückt, was die anderen Freunde sicher auch gefühlt haben.
    Für die frühere und jetzt todkranke Studienkollegin ist es sicher ein großes Geschenk, in dieser Phase noch einen innigen Kontakt mit dir herstellen zu dürfen. Das ist sehr berührend.
    Ja, unser Peergruppe mit Männern war ein gelungenes Ereignis, allerdings ohne Ariane und ohne den persönlichen Austausch, den wir sonst gewohnt sind.

  2. Beate sagt:

    Ich hatte den gleichen Gedanken wie Ines- Sicher war auch für die Freunde spürbar, dass Simon gefehlt hat, er, der für echte Heiterkeit und für Zusammengehörigkeit in dieser Runde stets einen wichtigen Beitrag geleistet hat .
    ich will auch noch meinen Eindruck erinnern, wie sehr Du in Gedanken warst, als wir uns nach Deiner Fahrt nach Mindelheim auf der Stra0e begegnet sind. Du in Gedanken an die Begegnung mit Deiner Studienkollegin, ich mit meinem plötzlichen Auftauchen. Ein Schreck. Das wollte ich nicht und es tut mir heute noch leid.

    • Heike sagt:

      Ich kam nicht von meiner Studienkollegin….aber nichtsdestotrotz hätte mich vor Schreck beinah der Schlag getroffen. Muss dir ja nicht leid tun – es war nur, weil du von hinten plötzlich an meinem Ohr warst!

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