22-02-28-CoTaBu-PCR-negativ, aber ohne Freude + Horror Alter bei den BB
Heute Nachmittag das Negativergebnis. Ich spüre keine Freude. Bin maßlos genervt, weil ich das Ergebnis per Email bekommen sollte, was nicht geschah und Stunden vergebens vergeudet habe, den entsprechenden Links zu folgen. Immer noch tut die verwundete Abstrichstelle im Rachen weh. Ich habe keinerlei Auftrieb, fast ganztags geschlafen. Wenig gelesen. Svetlana Alexijewitsch. Ob dieser russische Kampfgeist der unzähligen Frauen, die damals an die Front zogen und voll Feuereifer fürs Vaterland kämpften, nicht als Köchinnen und WäscherInnen, sondern als Scharfschützinnen, vollwertige Soldatinnen, Ärztinnen, Krankenschwestern, FliegerInnen, blutrünstig, grausam, auch heldenmütig; teils ihre Kinder opfernd, ob etwas von diesem „Mut“ noch heute in ihnen steckt? Eine Ukrainerin sagte ja dieser Tage mit ihrem Kleinkind im Arm lauthals, sie wollte „für ihr Kind töten“. Was wird anders geworden sein? Was ist heute noch so? – Meine Höhle habe ich nicht verlassen, nicht – wie erträumt – eingekauft. Michael hat den halben Tag mit seiner Mutter in einer absurden Odyssee verbracht. Ihre Schmerzen, gegen die jetzt medikamentös die Höchstgrenze erreicht ist, wurden alles bestimmend. So musste sie heute Ins Krankenhaus. Schnur hatte den falschen Transportschein ausgefüllt; das Notfallmedikament war nicht vorrätig, Ersatz verträgt sich nicht mit den Psychopharmaka. Endlich bei den BB: kein Bett bestellt. Michael stand ihr in der Notaufnahme bei. Stundenlanges Warten ohne Ansage beim Röntgen. Während er einmal zur Toilette war zog sie sich die Kanüle, dann eine Art „Hundemarke“. Auf Station darf er nicht mit, obwohl beide getestet. Ohne seine Entscheidungen geht nichts, aber er darf nicht rein. Ist dazu verdammt, den Schwestern auf Station ab morgen früh auf den Zeiger zu gehen. Wer wird ihr sagen, was MRT bedeutet, was vor sich geht? Vielleicht gibt es irgendeine Methode zur Schmerzlinderung, egal wie riskoreich. Heute beteuerte sie Michael, dass sie ihm immer treu gewesen sei. Sie hält ihn offenbar für ihren zweiten Mann, den es nie gab.
Es ist schon erschütternd, wie schlecht es ihr geht. und wie gut, dass ihr Michael so treu zur Seite steht. Kein Wunder, dass sie ihn für ihren zweiten Mann hält.
Wie geht es mit Dir jetzt weiter? Bist Du noch krank geschrieben?
So kaputt bist du noch, dass du nicht mal die neu gewonnene Freiheit nutzen konntest. Bitter, so unterschiedlich kann der Verlauf sein. Die Situation mit Anni ist schon beim Lesen unerträglich, genauso wie die Kriegsnachrichten.