22-04-18-CoTaBu- Labsal Buch, Wald und Vogelsang + ein Nein ist kein Nein

Als ich mit Früchten des Zorns meinen Tag im Bett lesend begann fühlte es sich an, als ginge es bergauf. Nachdem Michael bei Anni war sind wir in dieses Kieswerk gefahren, wo ich mal mit Brigitte war. Ich habe ihr geappt, dass wir das unbedingt mal zu dritt machen sollten. Keine Wanderung, eher ein Spaziergang. Heute ein völlig anderer Weg, aber unglaublich wohltuend. Ein Waldstück – in einer Stunde nur einem einzigen Menschen begegnet. Umgestürzte Bäume. „Totholz“ ist ja heute hoch angesehen, wird belassen und bietet vielen bedrohten Arten Unterschlupf. Dieser weiche, federnde Waldboden, Labsal für die Füße! Das Zwitschern! Das Einzige, was ich von Brigitte schon kannte war die Josefskapelle. Kerze angezündet. Die Jagd nach schönen Motiven ergab nichts. Insbesondere die riesigen Eichelhäher konnte ich nicht einfangen. Hinterher einen Kaffee zu Hause getrunken, dann zu Anni – ein völlig anderes Bild. Gestern schon besser saß sie heute sportlich im Bett. Ich hatte ein Liederbuch dabei, weil wir gestern „die Gedanken sind frei“ gesungen hatten. Einige Texte schnurrt sie nur so runter. Sie war zutraulich und freundlich, wie schön es sei, dass wir uns mal wieder gesehen hätten. Was mir wahnsinnig zu schaffen macht ist die Zudringlichkeit, mit der sie zum Essen genötigt wird. Ich habe mehrmals gesagt, wir wollen nicht, dass sie, wenn sie schon fünfmal nein gesagt hat, weiter gedrängt wird. Ob es „Mentalität“ oder Sprachbarriere ist: Alle rechnen es sich offenbar als Erfolg an, ihr etwas aufgedrängt zu haben. Es tut mir so leid! Ich habe das gestern in Küche zurückgestellt. Heute wurde mir eingeschärft, es stehen zu lassen, sie würden es ihr dann nach und nach geben. Was blieb mir übrig als es verschwinden zu lassen? Bei uns lernt heute jedes Kind: Ein NEIN ist ein NEIN. Gewalt kann sich auch über Essen abspielen.

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4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Dieses Aufzwingen von Essen und es dann als Erfolg verbuchen finde ich auch schlimm. Anni ist wahrscheinlich nur noch Haut und Knochen, vielleicht vergisst sie auch zu essen oder hat kein Hungergefühl mehr. Trotzdem ist es keine Lösung sie zu nötigen. Dein Tag war heute scheinbar nicht so schlecht.

  2. Renate sagt:

    Kieswerk klingt wenig einladend, scheint aber doch schön dort zu sein. Das Essen ist auch bei uns immer wieder Thema. Ina macht Riesenportionen. Wir haben ihr bereits gesagt, dass Demente gerne eine Vielfalt auf dem Teller haben, möglichst kleine Portionen. Inwieweit sich Mama durchsetzen kann, wissen wir nicht.

    • Heike sagt:

      Auch meine Mutter war dement. Weder sie noch Anni brauch(t)en eine Vielfalt. Essen vergessen geht nicht, sie hat immer was da stehen und kriegt bei jeder Gelegenheit etwas unter die Nase gehalten oder in den Mund geschoben. Sie sagt klar, eindeutig und überdeutlich nein, danke, ich möchte nicht. Es erinnert an Kinderheimsznenen im Film oder in der Literatur. Essenszwang.

    • Heike sagt:

      Achsoja, Kieswerk. Biotope, einzigartige Landschaft, eigenes Klima scheint es sogar.

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