22-05-01-08- Leidiger Entzug, Orientierungsphase und Blitzlichter

Herumgerudert auf Suche nach neuer Form, Wehren gegen Veränderung vs. Chance, Neues auszuprobieren. Berichtscharakter hinfällig; statt „auf-ewig-Kitty“ selber eine suchen? Oder sind solche Fiktionen an Kindheit gebunden? Die großen Schreiber – Könige, Päpste, Philosophen – schrieben für Nachwelt, zur Unterweisung; Kierkegaard erfand Lichtenberg. Die Dame Sei Shonagon, weil sie der Kaiserin zu deren Unterhaltung Berichte in Gestalt von Dichtung schuldet. Zweite Schreibgruppe kommt zupass, da flossen gleich Elemente mit ein. Überhaupt geistreiche, neue Konstellation mit Gespür für das, was im Raum steht bis hin zu Bewusstsein über Heftqualität und Schreibwerkzeug. In mir alles durcheinander wegen dieser Veränderung. Wofür, für wen oder was schreibe ich? Vermisse den Austausch. Wieder mehr leibhaftige Begegnung? Mir allein brauche ich nichts zu erklären. Dennoch: nach letztem Sonntag neue Verbundenheit. Hat uns deshalb Ines erstmals zu sich eingeladen? Es gab sogar zeitliche Zugabe, dadurch ein wenig Austausch, für mich sehr gut so. Zeitlicher Rahmen ist wichtig, soll aber nicht zum Gesetz erstarren.

Anni in Frack und mehreren Jacken „fluchtbereit“. Meine Nachfolgerin sitzt allein bei grünem Salat auf Wiese. Schmetternder Vogelsang; Leber und Kaiserschmarrn liegen im Magen. Nichts für mich: Dankbarkeitstagebuch – Versuch im süßen Filzheft. Edelheft eingeweiht für Ècriture Automatique. Mal PC, mal handschriftlich, diverse Formate. Orientierungsphase. Aussetzer mit Schwindel – Betttag. Bei Klemperer Vorlesen – erinnert an Ranickis Musik und Lektüren im Ghetto. Affe verschwindet durch Schornstein kopfüber, Elefant taumelt lange, bevor er stürzt. In den Ozean, nach Hörpiel Joseph und seine Brüder: Höllenfahrt. Irrgang über ausgestorbene Dult: Fellschühchen für Paulines Frida. Klozszene 1: „kommen Sie, Chefin“, 2. bei Anni Suppe im und ums Klo, 3. bei Renate der liebevoll dekorierte Ort. Tag mit drei fremden Toiletten, die ich normal meide – mein Zwang. Früchte des Zorns miteinander geschaut, bei Wasser und vertrautem Gespräch. Wer von uns bezieht nochmal wie oft die Betten? Ich gestern meines. LTI: bei Klemperer. Damals und heute „Operationen“. Nach Froschkönig sagt Anni: Mein Herz bricht auch. Und mir fiel ein im Aufwachen: Wenn die Auserwählte mitkommen muss – im Sechsspänner – sie geht mit leeren Händen. Wie ins Gefängnis. Klemperer musste Goethe, Brille und Hosenträger abgeben – Höchstmaß der Entwürdigung – nachher Seligkeit mit Bleistiftstummel.

 

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4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Ich bin gleich ein bisschen eifersüchtig auf deine zweite Schreibgruppe, vor allem, wenn sie von dir als geistreich beschrieben wird. Die Blitzlichter im zweiten Teil deines Beitrages nicht immer einfach zu verstehen. Es mischen sich Fiktion und Erlebtes und Gelesenes, was ich meine auseinander halten zu müssen. Vielleicht muss ich das nicht. Einmal hatte ich euch schon zum Schliersee eingeladen, was dann zeitlich bei euch nicht gepasst hat. Es ist jetzt überfällig. Hoffentlich kommt nichts dazwischen. Wie schwer es ist, einen neuen Termin zu finden, haben wir auch an der Peergruppe gesehen.

    • Heike sagt:

      Um Gottes Willen! Ich fühle mich zwar geschmeichelt, wenn du eifersüchtig bist und das sogar zugibst, aber es gibt wahrhaftig keinen Grund. Es ist nicht privat, sondern professionell, aber nicht immer besteht die Chance, intensiv zu arbeiten und in die Tiefe zu gehen. Und: Erlebtes, Gelesenes, Traum und Fiktion fließen ineinander und müssen nicht notwendig getrennt werden. So war es auch „gedacht“.

  2. Renate sagt:

    Einige Fragmente aus deinem Beitrag sind mir bekannt, mit manchen kann ich nichts anfangen. Viel hast du in diesen Text gepackt, den zu kommentieren, mir nicht gelingt.

  3. Beate sagt:

    genau die Assoziationen gemischt mit gerade Erlebtem und im Lesen Erlebtem hat mir sehr gut gefallen. So gehe ich ehrlich gesagt auch durch die Welt. Vielleicht ist das auch ein guter Plan für unser neues Format, jede Woche zu schreiben.

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