22-11-06-Frierend im Bett wie die arme Poet*in – soziales Leben: Bine, Marina und Peers – Lektüren

Eigentlich habe ich schon in voller Montur im Bett versucht zu lesen incl. Kirschkernkissen, das viel zu schnell auskühlt. Die Kälte aber treibt mich immer wieder raus, gerade lasse ich Tee in der Küche ziehen, lege mir den frischen Hitzespeicher (viel zu heiß!) auf den Schoß und frage mich, wie das weitergehen soll. Am Freitag Abend waren „meine Mädels“ hier, dafür hatte ich zur Feier des Tages die Heizung aufgedreht, was ich mir sonst versage. Unangenehmer Widerspruch: Bereits jetzt die Ankündigung der Erhöhung von Heiz- und Betriebskosten um 170,00€, die Empfehlung des Stadtwerke, freiwillig zu erhöhen, also allein Erhöhungen von 200,00€ zu den üblichen Kosten und dazu zähneklappernd Frieren? Abgesehen von laufender Heizung hatten wir erwärmende Gespräche, leider ohne Ariane, die krank wurde. Vorher – was mir eigentlich zuviel ist, was ich aber nicht im Kopf gehabt hatte – Besuch von Marina, einer Exkollegin – herzliche, unkomplizierte Stunden. Lymphdrainage begonnen diese Woche. Der erste Telefonkontakt hat mich in Harnisch gebracht, was sich aber – frei nach Watzlawicks Hammergeschichte – in Wohlgefallen auflöste. Ich brauchte meinen geprobten Aufstand nicht durchführen und fühlte mich in erfahrenen Händen, kann mich jetzt sogar aufs nächste Mal freuen. Ihre Hände tasten sich behutsam zum Herd des Schreckens vor, sodass der arme Fuß dann nicht mehr so ängstlich reagiert. Mein Weg zum Friedhof am Dienstag, Allerheiligen, hatte sich als Schreckensgang erwiesen, der Stiefel saß schlecht, schnitt ein, der Fuß hatte schwer zu leiden und war hinterher wieder dicker und blauer als vorher. Schwerste Geschmackssünde mit grellweißer Schleife, Styroporblume incl. Plastikherz auf dem Grab, unverkennbarer Gruß von Oma Renate. Bine war von Sonntag bis Donnerstag da, was nicht nur Entlastung bedeutete. Ich musste etwas davon regenerieren und hatte einen schweren Einbruch meines Leseflusses, finde erst langsam wieder zurück. Nachwirkung unseres Freitags als „Peergruppe“, wie wir immer noch heißen seit wir uns gründen sollten zu Zeiten der Therapieausbildung: Alexandra – ich will es nicht wirklich voreilig aussprechen – hatte da eine sehr schöne Idee. Diese hat mich derartig entflammt, dass ich heute – ohnehin an zu Hause gefesselt  – in einem wahren Schaffensrausch entsprechend unserer Absprache schon fast den ganzen Tag an einen Flyer hinarbeite, bereits meinen Kalender für 2023 durchforstet habe und soweit bin, bereits mit ihr ins konkrete Gespräch zu gehen. Dafür haben wir schon einen Termin in Sichtnähe. So gefällt mir das, wenn die Strecke von der Idee bis zur Durchführung mit konkreten Schritten auf den Weg gebracht dann in Ruhe reifen kann, aber sich nicht ewig hinzieht. So hatte ich heute einen richtigen Arbeitstag. Mit dem Feintuning ist jetzt Michael beschäftigt. Ein Flyer mit Querformat und Dreiteilung, damals selbstgefaltet, erinnert mich dunkel an die erste Zeit im Hospiz. Damals habe ich wochenendweise an solche Dinge hingebastelt, vollkommen unerfahren; jetzt muss ich bestimmte Inhalte nicht mehr aus den Fingern saugen und auf keinen Träger Rücksicht nehmen. Was immer war und sein wird: viel zu viel Text. Ich will, dass alles drinsteht. Und alles ist einfach zuviel.

Derzeit: „Naturerscheinungen. Sprachlandschaften im Nature Writing“, Goldstein. „Kieferninseln“, Poschmann. Und infolge eines inspirierenden Online-Schreibcafés am 1.11. mit einer Ex-Dozentin zu OuLiPo: ein Themenheft dazu. Radiohören entdeckt.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Wow, so schnell hast du einen Flyer gestaltet. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und ob eine Schreibgruppe in dem Rahmen einer psychotherapeutischen Praxis zustande kommt. Die Geschmacksverirrungen von Oma Renate sind jedesmal schwer auszuhalten. Ich kann von hier aus darüber lachen.

  2. Renate sagt:

    Den Angriff auf die Physiotherapeutin wirkungsvoll im Kopf vorbereitet und nicht zum Zug gekommen. Wie ich das kenne. Gut, dass du eine erfahrene Physiotherapeutin gefunden hast. Oma Renate’s Gesteck, ein Hingucker. An die Gestaltung des flyers für das Hospiz kann ich mich noch gut erinnern.

  3. Beate sagt:

    Oma Renate beweist jedes Jahr aufs Neue, dass ihr Geschmack nicht dem Deinen entspricht. ich stelle sie mir vor, wie sie aussucht, einpackt, in den Bus steigt und zum Friedhof geht. Jedes Jahr ein Zeugnis ihrer Geschmacksverirrungen. Und sie meint es so gut, das ist vielleicht das Unentrinnbare dabei…
    Mit welchem Programm gestaltest Du deine Flyer?

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