Neujahrsbrieferl

Das Neue Jahr drängt alle schönen und weniger schönen Ereignisse der letzten Tage beiseite. Natürlich waren die (wie so auch in manchem vergangenen Jahr) von gräßlichen Spagaten zwischen meinem Bedürfnis nach Harmonie und „alles gut!“ und Gezanke und Spannungen begleitet. Der Weihnachtsabend war sehr schön, nach einem Kirchgang ein gemütliches Beisammensein unterm Baum, ich hatte zusammen mit Alina ein tolles veganes Essen zubereitet und die „Maschine“, dieses mit Furcht besetzte angekündigte Geschenk von Alina und Simon, stellte sich als wunderbares Fußmassagegerät heraus. Gestern, am letzten Tag des Jahres, ging ich mit Sirena in ein chinesisches Restaurant, wo man kaltes Speichelhuhn (Profilbild), Entenfüße, eingelegte Hühnerfüße etc. essen kann. Es waren außer uns nur Chinesen im Lokal. Sirena hub gerade an zu erzählen, dass sich der Minister Gedanken wegen der neuen Coronawelle in China macht, als zwei Tische weiter ein arges Gehuste anhob. Wir kamen überein, dass unsere Impfungen und Infektionen genug Schutz für uns sein würden und mussten eher lachen, weil das Husten nicht enden wollte. Die Bedienung kam dann auch sehr schnell mit einer FFP2 Maske heraus. Das Essen war lecker und wir beiden waren sehr müde und fuhren in unsere Wohnungen. Es war 10.00h, als ich tief und fest einschlief und erst morgens wach wurde. Nix versäumt… die Straßen sahen aus wie nach einem Straßenkampf. Meine Nachbarin klingelte, weil Alina ab morgen deren Hamster füttern wird. Als ich die vielen Koffer und Taschen sah, beschloss ich, die Familie zum Flughafen zu bringen. Sie fliegen in den Südsudan zu Aio’s (der ist der Vater) Mutter und zu einer Hochzeit. Ein Wahnsinn: zwei Männer, die 2.10m groß sind, die 11jährige Lupina und dann noch die Mutter, Susi, die auch sehr groß ist, dazu vier Koffer und drei riesige Taschen…. Morgen Abend sind sie dann in Juba. Habe eine Autofahrt lang den Duft der weiten Welt geschnuppert und wie immer dachte ich mir beim Anblick von Aio, wie umwerfend schön er doch ist und wie fremd wie von einem anderen Planeten er auf mich wirkt. Er ist taubstumm und wir haben eine eigene Form der Verständigung entwickelt, aber ich nehme mir immer mal vor, dass ich gerne ein wenig Gebärdensprache lernen will.

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3 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Das klingt wieder ganz anders – also halb so wild? Gebärdensprache will ich auch gern lernen. Ob’s dazu mal kommt? Oder ob ich froh sein müsste, mich im Englischen etwas zu perfektionieren? Was man chinesisch speisen kann klingt für mich eher abschreckend! Bedeutet, dass du gestern durchschlafen durftest, dass du von Silvesterprogramm befreit warst? Perfekt, und doch traurig: die Strassenschlachtassoziation.

  2. Ines sagt:

    Das Speichelhuhn hört sich für mich auch sehr unappetitlich an, Entenfüße auch greislich. Und dann hast du tatsächlich die Silvesternacht verschlafen. Deine Nachbarschaft ist interessant, zwei Riesen, einer schön und stumm und ein großes Kind. Die Mutter des Kindes wohnt dann wohl mit beiden Männern zusammen, oder?

    • Beate sagt:

      Nein, es ist eine Familie: Vater, Mutter, zwei Kinder…Vater und Sohn sind eben riesengroß, Basketballspieler. Chinesische Gerichte können in der Tat gräßliche Namen haben. das „Speichelhuhn“ ist wohl ein Gericht mit Hühnerfleisch, wo einem das Wasser im Mund zusammenläuft (das wurde mir klar, als ich die englische Bezeichnung las.

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