23-02-18- Von Puppenspiel, freudigen Zusammenkünften + Katastrophenmüdigkeit
Ausgelöst durch Improtheater im Schlachthof, Familie Flöz im Prinze, noch Anstehendes mit Renate und Brigitte, (monatelang im Voraus gebucht dank Brigittes reger Bemühung um Karten), Gespräch mit Margot (Resi, Cuvillé), Bines Tipp mit Brechtfestival, packt mich unbändige Lust. Ich will ab sofort ganz viel ins Theater. Eine Karte habe ich schon – nach dieser unerfreulichen Suche – für mich allein gekauft. So kann mir der dichte Nebel draußen nichts anhaben. Ich bewege mich zwischen Ferrantes 4. Band (entschieden der beste bis auf einige Ausreißer), Nachmittagen in Sachen Physio, Nachlesen über verschiedenste Projekte und sozialen „Ereignissen“ wie anregenden (Wieder-) Begegnungen. Bei Beate nachgefragt, was es damit auf sich hat, dass (wie bei unseren Textpotpourries) Stücke vermischt werden. Dass z.B. bei Kleists Käthchen „mit Texten von Christa Wolf“ steht oder bei Goethes Werther „mit Texten von Günderrode“. Michaels gelehrter Freund sagt, das sei jetzt Trend, Beate bestätigt, aber noch weiß ich nicht, seit wann und worauf es zurückgeht. Es reicht also keineswegs mehr, ein Stück durchzulesen, sondern bei Käthchen wird dazu noch „Kein Ort. Nirgends“ empfohlen. Gut zu wissen, man kennt sich ja sonst gar nicht mehr aus.
Am Dienstag nach langer „Planungsphase“ deprimierender Taizéandacht in St. Paul mit Renate F.. Außer uns nur zwei Teilnehmer, Kälte; der „Organisator“ allein, ohne Musikbegleitung. Wir haben uns in den schönen Augustiner „Das Bad“ an der Theresienwiese davongestohlen.
Donnerstag, strahlender Sonnenschein. Zuletzt hätte Michael sich doch auf Augsburg eingelassen; Stattauto gebucht; dann wurde er krank – einer dieser fiesen Infekte (laut Bine nicht mehr harmlos wie früher!). Selbst Freundinnen oder Bekannte, die erfahrungsgemäß entflammbar sind konnten nicht – wie Lollos Freundin, mit der ich in den russischen Club zu Lesungen gehe, die donnerstags Französich unterrichtet; eine theateraffine, singende Ex-Kolleginnen hat Corona und so ging es dahin – ich habe nicht gezählt, wen ich alles versucht habe. Von manchen weiß ich nicht, ob sie überhaupt, zumal kurzfristig, ins Theater gehen oder ansatzweise meine Einstellung teilen – die frage ich natürlich nicht. Welcher Albtraum aus dem Abend geworden ist! Verspätungen, Frieren am Bahnhof mit akut aufflammender, ohnehin chronischer Blasenentzündung (sofort D-Mannose Stoßkur!), um Haaresbreite ÜberfahrenWordenSein, Hupkonzert, Bremsenquietschen – wiegen schwer in der Waagschale – dagegen: einzigartige, unwiederbringliche Schau- und Puppenspiel-, Sprech- und Gesangskunst, alle Puppen von Suse Wächter selbst hergestellt.
Eine Mutter aus Schulzeiten beim Bäcker getroffen – erstmals nach Simons Beerdigung. Sie ginge manchmal ans Grab. Wie mich das freut! Ihr Sohn, ein hyperaktiver Chaot, der bei der Kommunion hinterm Altar Maschinengewehr mit seiner Kerze gespielt hat, studiert nach Jahren Wartezeit mit intermittierender Schreinerlehre Medizin. Andere Kindergartenmutter (in knalligem BonbonRosa, aber osteoporotisch) kürzlich zufällig in der Tram, am Freitag gezielt im Café Nini/ Borstei getroffen – inspirierende Stunden, beglückend. Inzwischen putzte Ursula außertourlich die Wohnung.
Freitag abends Ankunft von Jakob, der sein Atelier auflösen will. Nach gemütlichem Frühstück hat er meinen Eichentisch incl. Bank und Stühlen bei Ebay eingestellt. Zudem die BemerMatte für 500€, zu der ich mich einst für 2600€ hinreißen ließ. Imselben Moment einen Käufer gehabt, der mich Unerfahrene freundlich an die Schmerzgrenze von 400€ herangeführt hat. Sofort weitere InteressentInnen, aber zu spät! Das Paket ist bereits bei Hermes.
Bezogen auf die Weltlage bin ich immer unsicherer und nehme wahr, wie wenig Möglichkeit ich habe, mir eine Meinung zu bilden – allseitiges Gequatsche verunmöglicht das. Bzgl. der Erdbebenkatastrophe erfasst mich Spendenmüdigkeit. Betroffene klagen an. Die Welt habe sie vergessen, es käme NICHTS an. Das macht Spenden schwerer, als wenn die Kamera einmal auf irgendetwas gerichtet wäre, was ankommt. Es entsteht der Eindruck, der vermutlich der Wirklichkeit entspricht: alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aussichtslos, abgrundtief.
Eine Verabredung nach der anderen. Deine Angst zu vereinsamen, unbegründet. Interessant wer auf einmal auftaucht. Brecht hätte mich, wie schon besprochen, sehr interessiert. Erst dachte ich der Kinder wegen wird es mir zuviel, dann war es der Magen. Auf der Strecke Augsburg/München machte ich vor Jahren die gleiche Erfahrung. Bin gespannt ob du deine Möbel bei ebay auch noch loswirst. Gute Sache und so rasch weg die Matte.
An was für einem Tisch werden wir zukünftig bei dir sitzen? Seit so vielen Jahren begleitet uns dieser Tisch bei dir. Für die Behmermatte hättest du vielleicht mehr bekommen können, aber trotzdem gut, dass wieder ein Teil weg ist. Das Theaterstück in Augsburg muss wirklich umwerfend gewesen sein, wenn es die ganzen ätzenden Begleitumstände aufwiegt. Warum bist du nicht alleine mit dem Stattauto gefahren? Und ja, die Nachrichten über die Erdbebenopfer machen einen rat- und hilflos. Wo gehen die vielen Spenden hin, die die Welt schon gesammelt hat?
Hier muss ich dringend reagieren!Erstens ist der Tisch noch nicht weg und wenn doch werde ich ein Kreuzzeichen schlagen. Nie wieder ein so Möbelstück, das ich nicht vom Fleck bekomme und das einfach ein wenig zu groß ist, als dass man noch daran vorbeikommt, wenn jemand am Kopfende sitzt. Es wird eine andere gute Sitzmöglichkeit geben, ein Äquivalent, das etwas praktischer sein soll. Ich freue mich, dass du dir darüber Gedanken machst und es ist auch für mich ein schwerer Schritt! – Stattauto ist für uns noch unvertraut und ich fand es zu stressig mit App und wer weiß welchen Kombinationen das Auto zu starten.
Auch ich wäre sehr gerne mit Dir nach Augsburg gefahren! So ein Versäumnis! Wie schade, dass ich den Termin bei der Heilpraktikerin hatte. Immerhin weiss ich jetzt, dass die Instabilität meines Gangs daher rührt, dass ich wie ein Kamel durch die Gegend laufe. Mit Elena Ferante ging es mir ähnlich wie Dir: Den ersten Band habe ich verschlungen und der vierte war eindeutig der beste. Eva Mattes hat sich auch sehr positiv zum Schluss des vierten Bandes geäußert – dadurch erschliesse sich erst das Konzept der Geschichte.