23-03-06-Fünf Jahre! Tage mit und ohne Jakob – Lesestoffe – Ausklang extrem ereignisreicher Woche

Wieder gleitet die Zeit durch die Finger. Ariane schreibt dasgleiche, schickt ein YoutubeVideo ihres Sohnes zu genau diesem Thema. Seit Menschengedenken! Schon Seneca hat vor über 2000 Jahren dazu Betrachtungen angestellt.

Am Dienstag ist Jakob, nachdem er mir den Speicher vollgeräumt hat, beladen wie ein Maultier, Richtung Rotterdam aufgebrochen. Diesmal wollte er hier räumen und renovieren – meine Bitte darum hatte ich längst vergessen! – so habe ich mich denn bei fast allem geweigert – es wurde geruhsam. Gemütliche Frühstücke, Ausstellungen, miteinander und seinerseits noch mehr allein. Wir hatten Zeit, mehr als eine Woche und haben uns wieder aneinander gewöhnt. Jetzt lausche ich morgens nach draußen, ob sich schon was rührt oder nach Kaffee duftet. Ich fand ihn unermüdlich; er lässt nichts herumliegen, räumt nach dem Essen die Küche mit ruhigen Bewegungen auf. Wie unbedacht es war, ihn vor dem Jahrestag abreisen zu lassen, hat sich erst ab Donnerstag gezeigt.

Zunächst nahm das Lesen wieder Fahrt auf. Vor dem Spaziergang drücke mal ich mich, mal Michael. „Die Unschärfe der Welt“ am WE. „Jugend“ von Joseph Conrad – ein phänomenales Stück Literatur („zur See“), kein überflüssiges Wort, 61 Seiten atemlose Spannung, Erschütterung! Von Dienstag auf Mittwoch ein Büchlein expressionistischer Texte zum „Wahnsinn“, aus denen die „Ermordung einer Butterblume“ von Alfred Döblin herausragt. „Jugend“, signiert von Oskar, dem 24-jährig gefallenen Bruder meiner Mutter, den beim ersten Einsatz als Feldarzt im Kaukasus eine Kugel traf. Was dieser Mensch an Kunstgegenständen, Büchern zu Kunst, Natur, Philosophie und literarischen Kleinodien angesammelt hat beschäftigt mich noch heute, obwohl wir uns schon zentnerweise über Jahrzehnte davon befreit haben. Vom anderen 21-jährig gefallenene Bruder Hans gibt es keine Hinterlassenschaft. Er aber soll als Kind auf dem Tisch bei Freunden auf den Tisch geklettert sein und Gedichte vorgetragen haben. Nie kennengelermt, diese Onkels! Nur der Abglanz der Verherrlichung, die den Toten gebührt, begleitet mich, solange ich lebe.

Simons Hinübergeburt baut sich auf. Ich nehme Witterung auf mit der Jahreszeit, den Umständen; bin dann gleich bei Gregor, der der erste Mensch war, der hier aufgekreuzt ist…. eventuell sogar noch vor Michael, den ich damals entgegen allen Gewohnheiten stundenlang nicht erreicht habe. Wir haben gewaltige Gedächtnislücken – Michael kann sich an Gregor überhaupt nicht erinnern!!! Obwohl der uns ins Taxi zum Flughafen gesetzt hat! Bin also permanent mit diesem Unglück (Simons Tod und dem Verlassensein durch Gregor) beschäftigt, voller Trauer und auch Wut gegen Gregor, möchte ihn beschimpfen, in den Boden stampfen, will, dass alles ein Missverständnis ist. Dadurch, dass Renate jetzt im Hospiz ist, muss ich widerstehen, mein lauschendes Ohr ständig aufzustellen.

Simons Freunde, die immer da waren, wohnen jetzt in Berlin. Aber es packt es mich und ich strecke meine Fühler in alle Richtungen aus. – Jetzt liegt es hinter mir, hat mich wieder stark mitgenommen; geholfen hat – ich dachte erst, ich brauche das nicht mehr! – dass wir ein Grüpplein am Grab waren (Beate, Renate, Birgitta, Petra, Jonas, Lily und Baby, Bernhard), danach bei Michi zu Linsensuppe und SchokoBananenKuchen. Als sich alles auflöste blieb Beate und wir lümmelten, sie mit Michael auf der Couch, ich im Sessel, extrem familiär; Michael gelöst wie selten. Ruhe kam in uns.

Samstag Antritt im Schrebergarten bei zwei Bierdimpeln vom Vorstand – mit langer Wartezeit zu rechnen. Kurzbesuch anschließend bei Ritters; Heike hatte Kuchen (ohweh!) – da ging es los mit krassen Koliken. Ich dachte, ich falle um; bis Sonntag war ich soweit ausgehungert und geläutert, dass ich mit Brigitte und Renate in „More letters of note“ ins Prinze gehen konnte – mit ihrer Erlaubnis! Danach bei Breze und Cola den beiden beim Essen zugeschaut. Dann Schicht im Schacht, nur noch Backen für Bine. Nach all diesen Ereignissen ist Bloggen durchgerutscht – mein Highlight der Woche!

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3 Antworten

  1. Beate sagt:

    es ist schon seltsam, dass in der Fastenzeit Kuchen angeboten wird, gerade Dir, die Du auf Süßes verzichten willst! Vielleicht schaut Ihr doch noch mal in einen anderen Schrebergarten? Auch der am Olypiaberg und der hinter der Hilblestraße sind nicht allzu weit weg von Deiner Wohnung!

  2. Renate sagt:

    Das ist schon einmalig, dass Jakob die Küche ordentlich hinterlässt. War er immer schon ordentlich oder ist er es erst als Erwachsener geworden? Wie sich im Ausnahmezustand das Gehirn auf das Funktionieren beschränkt, wichtige Beteiligte streicht, wie Hr. Linnemann. Heikes Kuchen sind meist nicht sehr süß und mit Vollkornmehl gebacken, was durchaus Probleme im Bauch verursachen kann.

  3. Ines sagt:

    Es tut gut, von deiner Woche mit Jakob zu lesen, er ist ein besonderer Mensch, mit dem sich doch einige Gemeinsamkeiten zeigen. Und das Treffen am Grab mit anschließendem Zusammenkommen bei Michael war wieder wichtig und tröstend. Schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Führst du deine Kolik wirklich auf den Kuchen zurück? Schwer vorstellbar, dass dieser dir so nachhaltig zu schaffen gemacht hat.

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