23-04-19- Schreib- und Lese“reflex“ – Hausverkauf – 3 x Schreibgruppe – Kino nach Jahren

Wie immer ein Ringen um die Form. Einmal wöchentlich oder peu á peu? Es gelingt mir nicht zu ergründen, warum mir mein Tagebuch wenig gibt. Vielleicht geht es mir wie Lars Eidinger, der „ohne Zuschauer nicht weiß, was er machen soll“. Für mich ist dieses kommunikative „Tagebuch“ die Form der Wahl, birgt Entwicklungsmöglichkeit. Diese Woche in Tagebüchern geblättert – an Banalität nicht zu überbieten. Kaum wertvolle Erinnerung, aber die Träume! Doch nicht wegwerfen? Wiederkehrende Erfahrung: Im Blog ständig Wörter sparen, um mein selbstgestecktes Höchstmaß möglichst zu unterschreiten.

Michaels Verpächterin rückt mit ersten Kaufinteressenten an – nach wochenlangen Arbeiten in Bädern aufkosten von Michaels Versicherung. (Sie hat aus chronischem Zustand einen Wasserschaden ergaunert). Am Freitag, nach Putz- und Räummarathon bei mörderischen Rücken- und Fußschmerzen, in drei Etappen Menschen durchgeführt. Die Mieter – vorgewarnt – alle ausgeflogen. Michael hat er sein eigenes Zimmer zur Vermietung freigemacht – um nur noch unten zu wohnen. Es reicht einfach nicht für die Pacht! Wohin jetzt mit all dem Zeug? Erstmal in Schuppen oder Keller. Anfragen hätte er täglich – immer zur Dauermiete – so groß die Not! Unsere Schufterei ist wie Sklavenarbeit. Man macht sich krumm, einzig um den Rachen der Halsabschneiderin zu stopfen. Von der Immoscoutanzeige (3,6 Mio!!!) erfuhr Michael durch einen Ex-Gast. Sie selbst hatte es nicht für nötig befunden, ihn diesbezüglich zu informieren. Bis heute keine Ansage, ob es auf Räumung rausläuft oder ob Mieter über Michael hinaus evtl. noch vorübergehend als lebendige Melkkühe erwünscht sind. Wir haben eine Frist bis 1. August gesetzt. Wenn sie sich bis dahin nicht äußert, planen wir die Räumung ab Anfang Dezember. Ein Mieter sagt: „Was ist, wenn ich nicht rausgehe? Ich mache sowas nicht nochmal mit!“ Sein Freund – mein Ex-Hausarzt – trat bereits zur Krisensitzung an.

Mein Opernbesuch wirkt nach. Ich trage mich mit dem Gedanken an ein Opernabo, wozu auch Beate Lust hat. Michael sagt, seines – damals mit André – sei ihm zur Belastung geworden. Ansonsten bin ich ich an Michael Kohlhaas gescheitert; ich ertrage das Unglück nicht. „Die Telefonzelle am Ende der Welt“ kann mit dem Zauberhaften, das ich darüber weiß, nicht mithalten. Dienstag ein erfüllter, fast überfüllter Tag. Zum zweitenmal Singen – gute Erfahrung. Jahreskarte im Lenbachhaus besorgt (ermäßigt nur persönlich); Überblick verschafft, so wie ich auch schon über Charlotte Salomon nachlese. Café Böcklin gesehen und verworfen; Café Lotti ausprobiert; weder räumlich noch kulinarisch ideal. Schöner wäre Jasmin, aber ohne Reservierung indiskutabel. Abends Lars Eidinger mit Margot – super Film! Hinterher Italiener/ Mathildenstr., den wir während der Familientherapieausbildung regelmäßig aufgesucht haben.

Woche der Schreibgruppen. Montag Aetas. Von derzeit sechs festen Teilnehmerinnen mussten drei kurzfristig absagen. Gemeinsames Schreiben lebt vom Hören; ein paar Ohren mehr oder weniger wirken sich aus. Überhaupt ist die goldene Teilnehmerzahl eine Wissenschaft für sich. Am Samstag bei Alexandra. Mit Teekochen, Herrichten und Anfahrt werden aus drei Stunden locker fünf, die Vorarbeit nicht inbegriffen. Am Sonntag wir4 „kulturell“. Alles braucht Einstimmung und Vorbereitung. Im professionellen Rahmen versteht sich Vorarbeit von selbst. Auch für uns will ich auf etwas hinaus. Vielleicht ein Fehler, eine Schwäche? Es ist wohl – wie immer – beides zugleich – „Fleiß“, „Anspruch“, ein „Thema“, es ist mir wichtig. Aber mangelt es mir an Vertrauen, Dinge laufen zu lassen? Wir könnten das ruhig auch einmal in Frage stellen.

Der Frühling explodiert. Auf der Heimfahrt vom Ostbahnhof plötzlich alle Schanigärten eröffnet und bevölkert. Ich – ohne Sonnencreme und Hut – dafür ungeeignet. Also heim und wieder vorbereiten: diesmal Museumsbesuch und die Wohnung für Ursula. Während sie werkelte mit Michael Augustiner und Friedhof bei Vogelsang.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Viel los bei dir! Dass die Vermieterin die Pension in Immoscout setzt ohne Michael zu informieren ist echt unverschämt. Was mag das für ein Käufer sein?. Soll es denn in Zukunft ein Privathaus werden oder eine Pension bleiben? Abos im Theater oder in der Oper können echt belastend sein. Das würde ich mir überlegen. Anderweitige Einladungen, Krankheit oder einfach keine Lust könnten dazwischen kommen. Dass du einen Anspruch an die Schreibgruppe hast und dich sehr darauf virbereitest, kommt uns zugute, zumal du es während der Gruppe eher so aussehen lässt, als würdest du es aus dem Augenblick heraus anleiten.

  2. Renate sagt:

    Ein renovierungsbedürftiges Haus, noch dazu denkmalgeschützt, für über 3 Millionen zu verkaufen, bleibt spannend. Ihr räumt und räumt und es wird nicht weniger Zeug. Die Kosten immens, so dass Michael sein Zimmer aufgeben muss, ist schon übel. Zum Theater: Ein Abo verpflichtet doch sehr. Ich würde es nicht machen, mir reicht die Volksbühne mit ihrem eingeschränkten Angebot.

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