23-08-21- Zeichnend unter Menschen und Bäumen auf wimmelnder Fraueninsel – Magen-Darm und Füße

Was war bloß vor der Fraueninsel? – Meine Tage – Donnerstag bis Sonntag – durchwachsen. Den Morgen mit Frühschwimm ganz allein im Angesicht der Berge, liebe ich. Deutlich weniger die Konzentrationsanstrengung beim Zeichnen der Bäume; den geringen Erfolg nehme ich in Kauf. Anders als beim Singen fehlt mir hier der Sinn. Ich verlange mir das aber hin und wieder ab. Zudem war Zeichnen das einzige, das infrage kam, als mich kurzfristig die Seelust packte. Auslöser war Renates Buchenried; ich habe sie um die Seenähe beneidet. Zeichnen lenkt ab von Vielem; von Besuchermassen, die über die Insel walzen, die unter diesem Ansturm ächzt. Niemand wird behaupten, so einen Tagesausflug zu genießen. Deshalb kam auch die Herreninsel mit ihrer Ausstellung nicht in Betracht. Die Preise auf der Fraueninsel sind heutzutage exorbitant. Ich hatte das letzte Privatzimmer bei der Töpferin ergattert, keine Zeit, Schwester Scholastikas Antwort zu erwarten. Eines der alten Bauernhäuser mit Paradiesgarten – keine Selbstverständlichkeit, denn inzwischen regiert der Mammon. Es sind einige Luxusappartements entstanden und zwei absurde Neubauten mit übergroßen Rollrasengärten. Meine Wirtin hatte überall Anweisungen und Verbote hängen, das Klo unten, das Bad oben, ich dazwischen, das ganze Haus stank nach WC-Reiniger. Am letzten Tag gab es mit meiner Gruppe ein Picknick, für das ich mir einen Teller bei ihr ausgeliehen habe. Als ich den am nächsten Morgen erst noch finden musste, zeigte sich endgültig, wes Geistes Kind sie war. Egal, worüber wir sprachen – es ging aneinander vorbei. Sie sagte anfangs, ich müsse vom Schiff kommend geradeaus gehen. Nun weiß ich ja, dass ich so direkt zum Kloster komme. Natürlich musste ich rechts gehen und habe das auch gemacht, sonst wäre ich heute noch nicht angekommen. Ich wusste dann auch, warum einzig bei ihr noch etwas frei war. Andere sagten, ach Sie sind bei der K…und winkten ab. Meine Gruppe, abgesehen von der obligatorischen Quotennervensäge, durchwegs nett und „kultiviert“. Gerne würde ich mit einer Teilnehmerin pilgern gehen, aber zu Fuß geht ist halt mit mir nichts. Echte Talente waren dabei, alle nett, bescheiden, niemand musste durchblicken lassen, wer er/sie sonst noch war. Jemand kannte mich noch von vor Jahren, das muss noch „vor Simon“ gewesen sein. Damals hatte ich eine besonders Nette kennengelernt, die dann eine Zeit in mein Schreibcafé kam, Kostümbildnerin am Gärtnerplatz, wie sich herausstellte – all das erst auf der Rückreise. Diesmal hatte ich gefragt, was die Pilgerin denn in München nahe der Staatsoper treibt? Singen! Inzwischen habe ich sie gegoogelt. Dann eine Waldorfschülerin, von ihrem Schwiegervater eingeladen. Unterschiedlichste Menschen. Auch Passanten, große und kleine, schauten über die Schulter und stimmten nachdenkliche Gespräche über ihr Leben an. – Zum Schluss verstimmte sich von der Hitze, den vielen Fischsemmeln, regelmäßigem Bier, dem Picknick mit Sammelsurium und vielleicht auch meiner Wirtin mein Magen-Darm, was meine Heimkehr etwas beschwert. – Montag mit Beate zur Fußpflege, die ich als entwürdigende, derbe Schinderei erlebt habe. Später wurde ich unter Herrn Diemers heilenden Hände wieder Mensch – ein Kontrast, wie er elementarer nicht sein könnte. (Ich fühlte mich an D. erinnert, die belämmert und erschüttert aus einem türkischen Hamam kam. Sie hatte die „Massage“ wie Prügel und die Rasur – ungefragt und saugrob – als Misshandlung empfunden).

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das meiste klingt gut. Du lernst oft interessante Menschen kennen, wenn du so etwas in der Art machst. Was war an der Wirtin so verkehrt außer dass sie Wege nicht beschreiben konnte? Ich war selber noch nie bei einer Fußpflege, kann mir aber vorstellen, dass es sehr unterschiedliche Behandlungen gibt. Wie eine Fuspflege entwürdigend und derb sein kann, will ich mir jetzt allerdings nicht ausmalen.

    • Heike sagt:

      Es war das Kleinliche. Der Putz- und Toilettenreinigungsgeruch sprach schon Bände. Dann das Gewuisel wegen des Tellers, nachdem ich schon fünfmal gesagt hatte, wo er ist und wann und wie ich ihn hole, was ich selbstverständlich auch gemacht habe. Immer wieder, dass ihr das schon wichtig ist und dass sie sowas dann nicht mehr machen kann. Zumal bei ihr nicht etwa das schöne, künstlerische Geschirr aufgetischt wurde, sondern lumpiges, angeschlagenes 0-8-15-Geschirr. Dass ich nicht an den Steg durfte, weil der Baum krank war – das verstehe ich. Dass ich aber einen benutzen durfte ohne Baum, ohne Bank, aber dann nicht auf dem Stuhl sitzen sollte, der da stand, und das früh um 1/2 7, wo sich auf der ganzen Insel noch kein Mensch blicken lässt. Hier Licht an, da Licht aus, abschließen jeden Moment….ich kenne es von anderen Unterkünften echt ungleich lockerer. Sie ist eine komische Frau, mit der es nicht angenehm ist. Und es gab wahrlich kein Wort, das sie nicht missverstanden hat.

  2. Renate sagt:

    Menschenmassen, wahnsinnige Preise wie du schreibst und dann noch eine putzsüchtige Wirtin. Alles nicht sehr erfreulich. Viele wollen sich beim Zeichnen nicht über die Schulter schauen lassen. In Buchenried war eine Frau, die mich und meine Gesprächspartnerin gezeichnet hat und ziemlich sauer wurde, wenn jemand geschaut hat. Was war denn das für eine Fußpflegerin?

  3. Beate sagt:

    Nach Deiner Beschreibung meide ich die Fraueninsel erstmal. Im Sommer eine Tourihochburg, sind die Bewohner dort genervt und lassen sich den alltäglichen Stress mit barer Münze bezahlen. Asche auf mein Haupt, dass ich Dich zu der Fußpflege mitgeschleppt habe! Es geht mir richtig nach

Antworte auf den Kommentar von Beate Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert