Abschiedsgefühle nach dem Spätsommerwochenende
Als wir heute vom Schliersee nach Hause gefahren sind, hatte ich das traurige Abschiedsgefühl, das ich manchmal am Ende eines Urlaubs habe, denn es war dieses Wochenende wohl das letzte Mal, dass wir im See baden, ausgiebig draußen sitzen und den Sternenhimmel auf uns wirken lassen und so schön leicht bekleidet radeln und wandern konnten. Die nächsten Wochen sind wir verplant und kommen erst Mitte Oktober wieder zum Schliersee. So sehr wie dieses Jahr habe ich es dort noch nie genossen. Was war sonst bei mir? Neben der Arbeit, die ganz routiniert läuft, waren einmal Justus zu Besuch. Er war nur kurz da, weil er sich von Hubert einen Anzug leihen wollte. Am nächsten Tag kam auch Luisa, sie ist immer noch da. Luisa und Hubert hatten einen ziemlich heftigen Streit, den ich von außen betrachten, aber nicht hilfreich eingreifen konnte, hab mit Hubert ausgiebig seinen Anteil danach reflektiert. Die beiden haben sich vertragen, aber noch nicht richtig ausgesprochen. Am Mittwoch war ich beim Zahnarzt wegen der Reparatur an der Brücke, von der ein Stück abgebrochen war. Was hab ich geschwitzt und gelitten unter der ätzenden Behandlung, wobei mein Zahnarzt wirklich rührend ist und es dadurch nicht ganz so schlimm war. Freitag abend in dem netten Kiosk des Schlierseer Campingplatzes Burger gegessen und Samstag eine richtig lange Wanderung vom Forsthaus Valepp bis zur Erherzog-Johann-Hütte und zurück unternommen. Ich hatte prophylaktisch eine Schmerztablette genommen, dadurch keine Hüftschmerzen, aber so kaputt danach, dass ich kaum mehr einen Schritt vor den anderen setzen konnte. Abends geräucherten Saibling und Kartöffelchen und um 22 Uhr geschlafen. Heute noch eine kleine Radtour unternommen und ein letztes Mal in den See gehüpft. Ein rundum schönes Wochenende war das.
Ich kann das so gut nachvollziehen, finde es dennoch geheimnisvoll: Wie ein Jahr so viel bewusster erlebt und genossen werden kann als ein anderes; dann diese Endsommer-Melancholie – etwas ist vorbei und ja, es kommt wieder, aber eben anders. Diesmal wird uns das Ende des Sommers auch medial besonders vor Augen geführt. Mir ist, als wehte dem Umschwung schon ein leises Lüftchen voraus. Deine Hüfte – ohje! Der Zahn – oh Schreck, welch hässliche Intermezzi! Der Streit zwischen Vater und Sohn – das tut mir leid. Weiß ich doch nur zu gut, dass eine Versöhnung selten alles aus der Welt schafft und gewisse Wunden bleiben.
Ich hab mir was verkniffen, um nicht mit „das hab ich auch“ oder „das kenne ich auch“ zu kommen, muss es aber doch hinterherschicken. Du hast geschrieben, du konntest kaum mehr einen Schritt vor den anderen setzen. Das geht mir nämlich jetzt wirklich auch so; auch keine Umdrehung auf dem Rad ist mehr möglich, sodass wir heute mit Stadtauto Schwimmen gefahren sind. Ich frage mich, ob diese krassen Schmerzen womöglich mit der sich anbahnenden Witterungsänderung zu tun haben könnte?
Das Gefühl wenn ein Urlaub, ein schöner Sommer (bei mir sollte er halt nicht zu heiß sein) gar ein Wochenende vorbei ist kenne ich gut. Du kannst von euren Touren, vom Baden im See und vielen guten Dingen sicher eine zeitlang zehren.