Mythos Spanien, ein Geschenk und ein Theaterstück

Nun habe ich es auf den letzten Drücker in die Ausstellung „Mythos Spanien“ geschafft, annähernd gleichzeitig war Barbara dort, mit Führung. Ich hatte zuvor nichts davon gelesen, nichts im Internet über den Maler recherchiert. Ganz einfach: Zuloga’s Bilder gefielen mir nicht. Insbesondere stieg leichter Ärger auf, als ich die Reihe der „getanes“ sah, hinterlistige Blicke sah ich da, verbogene Gestalten, die sich einen Vorteil erhaschen wollten, den anderen „übers Ohr hauen“..? Was für ein Menschenbild! Nun lebte er in einer Zeit, wo es üblich war, dieser ausgegrenzten Gruppe der Roma in der spanischen Gesellschaft nur das Hinterfotzige  zu unterstellen… aber dann die eindeutige Positionierung für das Franco-Regime, Zuloga als Gegenspieler zu Picasso, in einer Ausstellung wurde damals sein Gegenentwurf zu Guernica gezeigt – ich verließ die Ausstellung mit diversen Fragen, auch den Film betreffend. Barbara berichtete, dass die Führerin davon nur in einem Nebensatz von Zulogas Gesellschaftsbild und seiner Anhängerschaft an Franco erzählte, mit besonderer Sorgfalt habe sie hingegen auf die Maltechnik hingewiesen, auf das  geniale Spiel zwischen Licht und Schatten.

Danach gab ich meinen Schlüssel in der Staatskanzlei ab. Endlich- ich hätte es schon im August machen sollen. Weil ich schon In der Gegend war, habe ich im Nebengebäude in der Widenmayerstraße meinen Lieblingskollegen Markus Baar besucht. Er hat jetzt die Stelle von meinem Freund Roland inne (der in Weilheim wohnt und gleichzeitig mit mir in den Ruhestand gegangen ist). Natürlich hatte ich meinen Besuch im Voraus schon angekündigt. Markus hatte Krapfen besorgt, ich nahm mir einen, der meine Finger zuckerig verklebte. Eigenartig, ihn in diesem Zimmer zu sehen, das riesig ist, mit Stuck und Gemälden an der Decke und Bildern aus der Staatlichen Gemäldesammlung an den Wänden. Er erzählte das, was ich schon hätte ahnen können: Es ist kein Spaß, sich in der  Zitadelle der Macht Bayerns einzugliedern, und sogar er, der so aufrichtig und fleißig ist, steht arg unter Druck. Sein Vorgesetzter war nicht da und hatte für mich ein Geschenk, versehen mit herzlichen Grüßen, hinterlassen- ausdrücklich sollte Markus mir sagen, dass das Buch nur besonderen Gästen geschenkt würde, dass es im Buchhandel nicht erhältlich sei- ich packte es zuhause aus, ein Ziegelstein, blau eingebunden mit silbernem Staatswappen, über ein Bayern, das nur peripher „mein“ Bayern ist. Ich werde es heute Abend meinem Nachbarn schenken, schließlich bin ich heute Abend bei ihm zum Essen eingeladen und er ist ein Söderfan.

Nach „Antigone“ war ich in einem weiteren Stück der Kammerspiele, das eine Mischung aus professionellen Schauspielern und Amateuren mit Behinderung auf die Bühne bringt. Das Stück hieß „Wer immer hofft, stirbt singend“ – Reparatur einer Revue, nach Geschichten und Motiven von Alexander Kluge. Es war ein Spektakel! Eine Mischung aus schrägen Zirkusnummern und  ernsten Texten von Alexander Kluge. Diese Mischung war es wohl, die mich  tief beeindruckte.

 

 

 

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das Stück in den Kammerspielen klingt richtig gut. Ich geh da nie hin, sollte ich vielleicht mal machen. Von Zuloga habe ich auch noch nie gehört, werde es nachher mal googeln. Du bist wieder viel kulturell unterwegs. Ob sich dein Nachbar über den Bayern-Wälzer freuen wird? Vielleicht schenkt er ihn auch weiter und so fort und irgendwann landet er wieder bei dir.

  2. Heike sagt:

    Ich war zu Anfang in „Mythos Spanien“. Das ist an mir spulos vorübergerauscht. Ich hatte es schon geahnt, aber ich gehe gern in die Hypo, weil sie mir „gelegen“ kommt. – Dass du den blauen Ziegelstein unverzüglich weiterschenken kannst ist ideal – besser als ihn aus Versehen eines Tages dem Schenker zurückzuschenken! Seit Antigione bin ich zurückhaltender mit dieser Art inklusiven Theaters. Ich hatte ambivalente Gefühle – auch etwas von Vorführen, von Trend. Aber die Beteiligten haben eine tolle Gelegenheit; auch innerhalb des Publikums ist ihre Kommunity damals stark vertreten gewesen. Vielleicht diesmal doch sehenswert?

  3. Renate sagt:

    Ich kenne weder den Maler noch war ich in letzter Zeitin den Kammerspielen. Ein paarmal eingegangen mit den Stücken in den Kamnerspielen, brauche ich neuen Auftrieb. Ausschnitte von Antigone im Fernsehen gesehen, löste widersprüchliche Gefühle in mir aus. Wie praktisch dass du bei einem Söderverehrer eingeladen bist und gleich das passende Geschenk für ihn hast.

Antworte auf den Kommentar von Ines Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert