2024-03-16-Watte im Kopf – flirrende Nerven – Streit – viel zu viel und grenzenlos – Tavor und mousse au chocolat

Außergewöhnliche TV-Vorwoche: „Geschichte der Juden in Europa“. „Ultraorthodox – der Kampf des Rabbi Akiva“ über den Ausstieg eines Juden aus seiner orthodoxen, chassidischen Gemeinschaft. Vivace, den ich nur ausschnittweise kannte, über Anne Sophie Mutter. Der Titel so passend für dieses quirlige, charmante Genie, das im einzigartigen Bogenstrich ihrer Geige zu Ruhe und herzzerreißender Innigkeit findet; für mich in meinem derzeitigen Nervenkostüm relevant.

Der LeseLoungeSonntag. Fünfköpfige Gruppe, wieder reihum Vorlesen und Feedback. Theorie. Eine Teilnehmerin nuschelte ihren Text wie die Feedbacks ohne Blickkontakt, als läse sie für sich allein. An diesem Negativbeispiel – ungeachtet unseres Feedbacks – ließ sich erkennen, wieviel Vorlesen mit Kommunikation zu tun hat. Man steigt sofort aus, kann und will dann nicht folgen. – Zum zweitenmal mein Montagschor – begeisternd. Die Chorleiterin bringt einen tollen Klangkörper zustande! – Später Beate am Grab getroffen. Sie hatte den Mut, mich zu einem Gebet einzuladen. Wer wagt das heute!? Wir standen ein Weilchen und mündeten dann ins Gerner’s, wo ich alle Fastenregeln über Bord warf und Schweinebraten, Bier und anschließend Mousse au Chocolat genoß. Schön war`s! Im krassen Kontrast dann – Tage später – ein Streit vom Zaun gebrochen. – Dienstagschor. Meine dominante Altpartnerin hat besonders energisch den Takt mitgeklopft, immer eine Schrittlänge dem Dirigat der Chorleiterin voraus; es wurde nebenher gequatscht, mit meinem schwachen rechten Ohr zum Davonlaufen.

Langsam wird mir alles zuviel. Diese Freiheit ufert und franst in alle Richtungen aus. Wie kriege ich überhaupt zusammen, was ich gemacht habe, ist das wichtig? Am Freitag Fabian. Seine flirrende Nervensituation hat sich auf mich übertragen, ihm ging es hinterher besser, mir richtig schlimm. Tavor. Kavacur. Rescue-Tropfen. Während Fabian da war kam Beates Anwurf – ich hätte explodieren können, bin explodiert. Herr Diemer zwischen Fabian, Streit und Lars Eidingers Brasch-Liebesgedichten konnte erstmals auch nichts ausrichten. Habe mich nach dreifacher Einnahme halbwegs beruhigt, aber Margot, auch in der Isarphilharmonie, „abgesagt“. – Am Samstag Aetas-Schnupperworkshop – eine Runde von vier tiefsinnigen, eher ernsten Frauen – sehr leise. Das tat wie immer gut. Eine trauert um ihren Sohn, der dreißigjährig an einem Aortenaneurysma gestorben ist. – Danach würde ich so gern ausgeruht haben – aber hier sah es aus wie Sau. Michael sagt, Ursula sollte doch eigentlich eine Entlastung sein und ist das Gegenteil. Leider kommt die Peergruppe erst nächsten Freitag, bis dahin muss dann wieder aufgeräumt werden wie verrückt. Bei Michael kann man nicht aufräumen, da ist noch kein System drin. Bei mir auch nicht, weil das Zimmer überfüllt ist. Immer dasselbe. Wieder flüchten, damit freie Bahn ist. Ins Kino „müssen“, was aber misslungen ist; wir haben uns eher in der Stadt herumgetrieben. Ich stehe unter dem Joch, Ursula halten zu wollen, dabei bedeutet es alle drei Wochen Kampf. – Im Kalender sehe ich, dass ich am Dienstag in „Zone of Interest“ war – allein, wovor ich mich gefürchtet habe. Besonders das Leise und diese Geräusche gehen nach. Was da erzählt wird wurde (mir) so noch nie gezeigt. – Am Mittwoch in der Christuskirche mit Heike R. verabredet, aus Versehen in Christkönig gelandet: Das Wittelsbacher hat eine Stabat Mater von Rossini mit Arvo Pärt- Passagen aufgeführt, mit starmäßigen SolistInnen und erstaunlich selbstbewussten jungen Menschen. Ich war so verstimmt wegen der vergeudeten FahrStunde, dass ich auf Heikes und ihres Mannes Gesellschaft verzichtet und mich ferngehalten habe.

Am Donnerstag todlangweilige G.- Richter Ausstellung/ Nürnberg. Lebkuchen und Spargel im Blick hatte ich plötzlich Watte im Kopf. Welche Jahrezeit haben wir gerade? – Morgen Sonntag. Niemanden sehen, nirgendwo hingehen. Ruhe. Im Rückblick fallen mir einige Aussetzer diese Woche auf. Wie entgleist. Ein Briefwechsel mit meiner – wie ich langsam realisiere – möglicherweise ernstlich psychisch kranken „Austeigerin“ hielt mich in Atem und tut das Seinige dazu. Alles fährt unter die Haut.

 

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Diese flirrenden Nerven haben sich beim ersten Lesen deines Berichts auch auf mich übertragen, irgendwie gehetzt und gestresst. Beim zweiten Lesen war es anders. Eigentlich sollte der Ruhestand und das Alter mit mehr Ruhe und Verlangsamung einhergehen. Überdenke, ob du dir einige Tage ohne Verabredung und Unternehmung in der Woche gönnst. Oder sind es gar nicht die Termine selbst, sondern das innere Erleben, das bei mir so ein gehetztes Gefühl hinterlässt. Ich hoffe, der Streit mit Beate konnte wieder beigelegt werden.

    • Heike sagt:

      Danke, Ines, und ja, diesen Tipp habe ich mir längst gegeben, ganze Tage sind im Kalender durchgestrichen, für „nichts“ reserviert, damit ich mir wirklich NICHTS einfallen lasse – es scheint eher das innere Erleben zu sein. „Eigentlich“ achte ich bereits strengstens darauf – und das ist es, was dabei herauskommt.

  2. Renate sagt:

    Ein Glück dass du diesen Montagschor gefunden hast, der dir so viel Freude macht und bei dem es nichts zu beanstanden gibt. Die richtige Balance zwischen Aktivität und Nichtstun zu finden ist nicht ganz leicht. Zumal Verzicht, in jedweder Richtung, einiges fordert. Ich weiß du hast eine Allergie gegen Ratschläge, trotzdem “ pass auf dich auf „.

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