2024-06-22-Blase am Fuß und Blasenentzündung, Fußschmerzen, endlose Wege, schlimme familiäre Verrücktheiten und schönste Dreigroschenoper meines Lebens

Seit Freitag Abend endlich daheim. Zug ausgetauscht, voll, Sitzplätze weg, sodass man nicht durchkam; Zugbindung aufgehoben, wieder ausgestiegen, auf den nächsten gewartet (1/2 Stunde später), für den kein Platz mehr buchbar war – also 1. Klasse (Debatte mit Zugpersonal). Wegen Suizidankündigung 1,5 Stunden Umleitung über Bamberg, Augsburg usw. Normal würde ich nie ein Zugklo benutzen, aber mit akuter Blasenentzündung nach all den Regengüssen, dem vielen Frieren ging’s nicht anders. Letzten Sonntag hatte ich mir unterwegs zum Symphonic Mob eine Blase gelaufen, die mich die ganze Woche gequält hat, egal wie speziell meine Pflaster waren. Zudem bei endlosen Wegen wahnsinnige Fußschmerzen, Humpeln und Hinken. IBU hat etwas geholfen. Zu alledem Bines Zwänge, Ängste, Aggressionen und Sparsamkeitswahn im Detail zu schildern wäre gemein und indiskret. Hier erscheint nur ein Teil, ohne den Wesentliches fehlen würde. Soviel sei gesagt: auch Michael, auch Jakob sind geradezu entsetzt. Ich habe versucht, Toleranz zu üben und nichts zu sagen, es hilft ja nichts. Zusammenkommen ist zunehmend schwierig, am Telefon geht es uns bedeutend besser miteinander.

Am ersten Tag bei ihr (Doppelriegel, Händewaschen, Reglements insbesondere bezogen auf Werner, kaum auszuhalten). Obwohl ich alles (Reste von Sonntag) mitgebracht hatte kostete es Bine Mühe, ein paar Gläser Wasser auf den Tisch zu bringen bzw bot sie mittags Kaffee vom Frühstück an. Spaziergang, abends ein Süppchen, das man nichtmal in einer öffentlichen Suppenküche auftischen würde. Dann kam Michi, der mit Todesverachtung mitaß und mich dann mitnahm nach Zehlendorf – stundenlange Fahrt. Am Dienstag mit Jakob Schlachtensee umrundet, danach ins Rathaus Schöneberg, wo man gut sitzt und prima isst; vorher die Dauerausstellung „Wir waren Nachbarn“, die ich schonmal besucht hatte, am nächsten Tag nochmal (weil ich von Bine am Vortag wegen ihrer Wernersorgen so absorbiert war, dass ich nichts aufnehmen hatte können). Das Schönste war die Freilicht-Gefängnis-Aufführung der Dreigroschenoper, teils bei knallendem Donner und sintflutartigem Wolkenbruch. Renate machte mich auf einen Kurzausschnitt daraus in der Sendung DAS aufmerksam! Ich bin noch immer beseelt, habe mit etlichen der „Schauspieler“ gesprochen; phänomenale Leistung, zackig rhythmisierte Sprechgesänge im Chor, fantastisch choreografiert, 1-A-gesprochen und gesungen, multikulturell besetzt, unvergesslich. – Einmal St. Matthäus-Friedhof, wo die Brüder Grimm, Rio Reiser, Rolf Hochuth und andere Berühmtheiten begraben sind. Einmal mit Bine und ihrer Freundin Gundula, Jakob, Anna und Michael Essen (Werner war von Bine heimgeschickt worden). Nie wieder! Bine weigert sich, englisch zu sprechen, ignoriert Anna; lässt sogar beim Eingeladensein Geiz walten, mischt sich schon vorab ins Trinkgeld ein (ja nicht zuviel!) – ich zwischen allen Stühlen. Danach (ohne sie) in „meinem“ kleinen Variété, diesmal leider nicht der Knüller. Am Donnerstag mit Jakob (Bine und Gundula Zeit versetzt, Wochen im Voraus gebucht) Caspar David Friedrich, dessen Bilder Jakob als Instagramm-Bilder bezeichnet. Genauso geht es dort auch zu. Ich muss endgültig verinnerlichen, dass mich diese gehypten Events einfach nicht interessieren. Schön dagegen die Nebenräume (Impressionisten) bzw unbekannte Zeichnungnen von C.D. Friedrich. Danach durften wir – vollkommen abgeschlafft, immer noch nicht zu Jakob, sondern mussten noch das Humboldtforum (immerhin interessante Texttafeln) und eine zeitgenössische, sehenswerte Ausstellung „Aus der Krankheit eine Waffe machen“ sehen. Einmal sagte ich, etwas würde mich gar nicht so interessieren. Da sagte Jakob: Das sollte es aber! (Muttern lässt grüßen!). Dann endlich Abendessen in Jakobs und Annas geliehener Luxuswohnung. (Zum Lesen oder Schreiben kam ich gar nicht; das macht mich natürlich ganz krank). Insgesamt interessante, bunte Eindrücke, aber sonnenklar: Meine Reisen finden anderswo statt. Ich bin eine schlechte Reisende.

Jetzt übt Michael Klavier und Akkordeon, hat sein elektronisches gerade über Ebay verkauft. Ich lecke meine Wunden. Durch meine heutige Schreibgruppe bei Alexandra zum Thema WASSER setzt bei mir langsam „Erholung“ ein. – Rückweg wegen CSD hindernisreich.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    All die schwierigen Seiten von Bine hast Du also ein weiteres Mal hautnah miterleben müssen, und das auch an Deinem Geburtstag! Die Blasen am Fuss wie ein schmerzhaftes Sinnbild für das holprige Miteinander bei den familiären Treffen. Reisen ins Land der Literatur und der eigenen Bilder sind dann in der Tat ergiebiger.

  2. Ines sagt:

    Es ist mir unbegreiflich, wie zwei Schwestern so unterschiedlich hinsichtlich Gastfreundschaft und Großzügigkeit geworden sind wie du und Bine? Die Reise klingt richtig anstrengend sowohl körperlich als auch psychisch. Gut, dass du in deinem Zuhause und in dir genug Inspiration findest, so dass du nicht dauernd verreisen musst.

  3. Renate sagt:

    Unterschiedlicher geht es kaum. Klingt alles anstrengend an dieser Reise. Zug, deine Schwester, das Süppchen, CD Friedrich, ja selbst das Varieté hielt nicht das was du erhofft hattest. Dreigroschenoper, ein Highlight.

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