Kranker Hubert, Besuch im Allgäu und Gartenparty zum 85. Geburtstag
Die Woche nahm einen anderen Verlauf als geplant. Schuld daran ist Huberts Krankheit. Er hat einen schweren Infekt mit Fieber, der sich insbesondere auf die Bronchien gelegt hat. So kam es, dass wir drei abendliche Verabredungen absagen mussten, unter anderem den Antrittsbesuch von Luisas Freundin bei uns. Der war schon einmal verschoben worden, weil Tessa krank wurde. Stattdessen verbrachten wir die Abende zum Teil vor den olympischen Spielen mit Abstand voneinander, weil ich mich auf keinen Fall anstecken wollte. Ich war eigentlich dankbar für die ruhigen Abende, weil mir die vielen Treffen eh als zu viel erschienen. Mein Ausflug nach Nesselwang war am freien Mittwoch geplant und fand natürlich statt. Dort war ich mit meinen Schulfeundinnen Pidi und Passi verabredet, die eine Woche im Ferienhaus von Pidis Familie Urlaub machen. Die Autofahrt ins schöne Allgäu, die Gespräche mit den urvertrauten Freundinnen haben mich glücklich gemacht. Pidi hat vor einem Jahr ihren Mann verloren und fängt an, langsam wieder Freude am Leben zu haben. Am Abend fuhr ich wieder zurück und hatte am Donnerstag meinen letzten Arbeitstag vor dem 2-wöchigen Urlaub, den Hubert und ich mit einem Besuch in Bielefeld beginnen wollten. Bis zum Schluss hatten wir gehofft, dass Huberts Gesundheitszustand sich soweit verbessert, dass er reisen kann, aber nachdem er jede Nacht von Hustenanfällen geplagt war und auch tagsüber nichts tun konnte als auf dem Sofa zu liegen, musste ich die Zugfahrt nach Bielefeld alleine antreten. Grund des Besuchs war der 85. Geburtstag meines Vaters am Freitag, den er mit einigen Freunden und Verwandten in seinem Garten feiern wollte. Die Freundin meines Vaters, Marianne, meine Schwester Petra und ich waren vollauf beschäftigt mit Einschenken, Vor- und Nachbereitung des Essens, Gläser nachfüllen und Spülen etc. Trotz Regens bis kurz vor Beginn der Feier war es ein netter Abend mit fröhlichen zumeist alten Gästen, die sich erst im extra aufgestellten Pavillion und später um das Feuer versammelten. Die Freundin meines Vaters habe ich tief ins Herz geschlossen. Die beiden gehen liebevoll miteinander um und mögen sich offensichtlich sehr. Ein großes Glück im Alter. Samstag traf ich mich nach dem Aufräumen der geliehenen Gartenmöbel und des Geschirrs mit Petra in der Stadt für einen Einkaufsbummel. Später fuhren wir zu ihr in das sterilste Ambiente, das ich kenne und saßen ewig auf der Terrasse. Ihr Mann backte Pizza, dazu Rotwein und Pralinen als Nachtisch. Die beiden achten sehr auf ihre Figur und fasten den ganzen Tag über. Die Pralinenschachtel kommt aber immer nach dem Essen auf den Tisch. Angefüllt mit familiären Gesprächen in meiner Kindheitsumgebung sitze ich inzwischen wieder im Zug nach München, natürlich mit ordentlicher Verspätung. Das Haus und der Garten meines Elternhauses haben sich nicht wesentlich verändert, seit ich mit 20 Jahren ausgezogen bin, nur ist alles in die Jahre gekommen. Ich schlafe dort immer in meinem alten Jugendzimmer unterm Dach. Dieses Mal empfand ich eine besondere Geborgenheit dort. Geschmacklich ist die Einrichtung überhaupt nicht meins, aber total heimlich und gemütlich. Dazu mein entspannter Vater, der wenig mit der Vorstellung eines 85-Jährigen gemeinsam hat, weil er so eine jugendliche Lebenseinstellung hat und so jung aussieht. Lange Schlafen, lange Frühstücken und den Tag gemächlich angehen, das kann ich dort besser als irgendwo anders.
So krank!? Corona ist es nicht? Ich musste bei Bine nachfragen, damit sie es überhaupt getestet hat – positiv. – Pidi und Passi wie Hanni und Nanni…wie aus Internatsszenen von Enid Blyton! Dein Glücksgefühl kann ich zutiefst nachempfinden und die Szenerie in deinem alten Zuhause auch. So schön, dass für deinen Vater so eine Tür nochmal aufgegangen ist – Liebe statt Motorrad? Wie du über deine Schwester schreibst_ herrlich!
Bei der Hitze Fieber und dann auch noch diesen quälenden Husten. Dass dein Vater das Glück einer späten Liebe erfahren darf, ist ganz phantastisch und hält ihn, wie du schreibst, jung. Immerhin gibt es bei deiner Schwester Pralinen, obwohl gefastet wird. Bissl strange!
Auch ich muss sagen, dass es mich sehr berührt, was Du von der Liebe zwischen Deinem Vater und seiner Freundin Marianne schreibst- auch dass Du sie in Dein Herz geschlossen hast! Ein Geburtstagsfest, das so schön und harmonisch verläuft, macht all die Arbeit drumrum leicht!