2025-08-09 – Winter adé – Selgestudien – keine Steuerhilfe – neuer Höranlauf – schmerzfrei Spazieren – deutsche Seele

Sonntag saukalt, es schüttet. Über Weihnachtsbäckerei nachgedacht. – Geburtstag meiner Mutter. Ich will zum Grab und bei Aetas Löffel abholen, die ich letztens vergessen habe. Über „Nebenan“ kommen hübsche von Martina dazu! – Wenn auch des Kochens entwöhnt, ist mir ein herrlicher Hühnerschmortopf gelungen. Dann hält mich Bine in Atem. Werner hat sie von Werkstatt und Wohnzimmer ausgesperrt, weil „alles seins“ ist. Er will mich sprechen, damit ich ihr das klarmache. Nachts hat sie nicht mehr reagiert; ich aufgelöst vor Sorge! Dann sprechen wir zum 100. mal über Betreuung. Sie versteht die Unterschiede zwischen Vollmacht, Patienten- oder Betreuungsverfügung und Betreuung nie. Wieder habe ich erklärt, sie kann ihre Vollmacht niederlegen. Zwischen beiden ist es zu verfahren. Es kann nicht mehr lang gutgehen mit Werner in seiner abenteuerlichen Behausung; bei ihr läuft es auf Mord und Totschlag raus; ein Heim unvorstellbar. Wie ist das Alter katastrophal! Ist es idealer, todkrank außer Gefecht zu sein? Oder fit und bar jeden Verstandes? Die „Intelligenz“ ist da, Gedächtnis, Vernunft und Einsicht fehlen. – Selge zu Ende. Um das zu verkraften, auch für die psychologische Expertise bräuchte ich Ines. Hatte sein „Spiel“ mit Dissoziation zu tun? Ich beschreibe googelnd das Phänomen, stoße auf „maladaptives Tagträumen“? Nie gehört. Oder könnte es transgenerationale Abbildung famliärer (Täter-) Traumata sein? Oder PTBS nach eigenen Gewalt- und Missbrauchserfahrungen? Verweist seine mangelnde Impulskontrolle auf ADHS? Überlappen sich alle mutmaßlichen Diagnosen? Eli Somer hat zu dieser Art Tagträumerei geforscht, die Selge selbst als „zwanghaft“ bezeichnet.

Montag. Ausflug mit Birgitta fällt nach wochenlangem Vorlauf ins Wasser. Ich finde kein Ersatzprogramm, tue nicht, was getan werden sollte. Der einzige „Ausflug“ führt abends in einer Regenpause zu Scheibner.

Dienstag Sonnenschein! Wir laufen von Pasing aus am „Windelbandweg“ entlang nach Nymphenburg und oh Wunder – nichts tut weh. Schlägt die TCM doch an? Die Rückfahrt ab Amalienburgstraße bis Moosach ernüchternd, ohrenbetäubende Klimaanlage, eiskalt, schreckliches Publikum. Hatten wir vorher aufgetankt, kamen wir auf Reserve nach Hause. Inzwischen gießt es wieder. Leider entdecke ich abends erneut zwei Zecken. Sie lassen sich gottlob leicht entfernen.

Mittwoch Sonnenschein. Verschlafen! Spaziergang ist vor dem Lohnsteuerhilfeverein nicht mehr drin. Bestens vorbereitet müssen wir unverrichteter Dinge wieder gehen. Hinderungsgrund: Michaels kleiner Verlag. Also ein neuer Steuerberater.

Donnerstag Akustikerin. „Meine“ ist nicht mehr da. Die Inhaberin übernimmt. Nachdem ich ihre Krankengeschichte angehört habe bekomme ich einen Sprachverständnistest (zwei Hörtests vom HNO habe ich dabei) und gehe mit meinem Gerät von 2015 raus. Dieses ließ sich erfreulicherweise wiederbeleben. Wie dieser Fremdkörper im Ohr stört, drückt, juckt! Welches Getöse jedes Haar, Brillenbügel, Hut, jede Bewegung meines Kiefers im Mikrofon hinterm Ohr verursacht! Ein Teil wird Gewöhnung sein und ich bin motiviert. Im Kontrast zum Laienverständnis liegen die Ausfälle nicht nur an Lautstärke, sondern am i-s-t-p-k-f-sch, und zwar auf beiden Ohren. Im September soll ich es beidseitig probieren. Ein heftiger Einschnitt. – Abends Ehemaligen-Stammtisch, statt zu elft diesmal zu siebt. Gespräch deshalb gut möglich; die Tafel bog sich von abwechslungsreichen Mitbringseln. Als der Biergarten sich restlos füllte, habe ich die Geräuschkulisse nicht mehr ertragen; Hörgerät rausnehmen half nicht; so bin ich gegangen.

Freitag erneuter Fußmarsch, diesmal von Münchner Freiheit nach St. Emmeram, wo wir den Fehler machten, einzukehren. Ob der schlechten Bedienung entstand Missmut, der sich letztlich gegeneinander richtete. Auf dem Rückweg Alarmtröten im Ohr. Im Internet nach der möglichen Quelle der Störung gesucht und eine neue Batterie eingelegt.

Samstag früh Kuchenbacken. Spaziergang vom Scheidplatz durch Luitpold- und Olympiapark, wieder beschwerdefrei! Michael heute sehr zurückgezogen; abends glüht er. – Anlässlich Goethes Einlassungen zum „Deutschsein“ haben Renate, Beate und ich zur „Deutschen Seele“ Texte (Puppenhaus; vom Querulanten zum Querdenker; Abendbrot) und aus Kermanis „Wer ist wir“ gelesen und besprochen. Hat Freude gemacht!

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Das Buch von Selge habe ich nicht mehr genau in Erinnerung, nur die schrecklichen Misshandlungen, die ich lieber verdrängen würde.
    Dass du mehrmals in dieser Woche schmerzfrei Fußmärsche machen konntest, freut mich sehr. Und ich hoffe, du gewöhnt dich an das Hörgerät, Motivation hast du jetzt mehr als vor 10 Jahren. Vielleicht ist der Leidensdruck jetzt größer. Kaum zu glauben, wieviel Grad zwischen letztem und heutigem Sonntag im Sommer liegen.

    • Heike sagt:

      Ich habe zum Teil richtiggehend Angst vorm Weiterlesen gehabt und extrem mitgelitten. Sehr schwer auch auszuhalten – das beschreibt er ja selber und schämt sich dessen sogar – dass er diesen Vater trotzdem irgendwie liebt und indirekt verteidigt, indem er seine eigene Erfahrung leugnet, als ein Mitschüler seinerseits geprügelt in die Schule kam. Diese Art des besessenen Spielens, Rollenspielens hast du nicht in Erinnerung? Es ist ausgeprägt symptomatisch und psychologisch sehr interessant, fand ich.

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