Großer Tag in Freiburg. Verteidigung der Dissertation, Doktor Jaron Grigat

Die letzte Woche war eine sehr kurze Arbeitswoche. Da wir am Montag erst aus Bielefeld zurück gekommen sind, musste ich nur am Dienstag arbeiten und am Donnerstag bis 14 Uhr, weil es da bereits losging nach Freiburg. Hubert hatte frei genommen und holte mit dem Auto erst Maja und Mateo ab und dann mich von der Arbeit. Bernd sollte mit Sören und Jarons Freund Vinzent später anreisen. Die Fahrt mit Baby und viel Verkehr war mühsam. Mateo hat immer wieder protestiert, dass er so lange im Autositz festgeschnallt sitzen musste. Schließlich lieferten wir Mutter und Kind in deren Hotel ab, halfen noch schnell beim Füttern und Wickeln und fuhren dann in unser Hotel, das wir schon von einem früheren Besuch in Freiburg kannten und in das ich unbedingt noch mal wollte, weil es mir so gut gefallen hatte. Am nächsten Morgen begann dann der große Tag von Jaron. In einem Hörsaal in der Uni hielt er einen Vortrag von einer Stunde über seine Forschung und den Inhalt seiner Doktorarbeit. Da der Vortrag auf Englisch und der Inhalt höhere Physik über die Erforschung der dunklen Materie war, habe ich nicht sehr viel verstanden, aber es war auch ohne Verständnis offensichtlich, dass er es phantastisch gemacht hat. Perfektes Englisch ohne ähs vorgetragen, souverän, angemessen von der Geschwindigkeit. Ich war begeistert! Nach dem öffentlichen Vortrag fand noch eine mündliche Prüfung mit 3 Professoren statt, wo er auseinandergenommen wurde. Die Freunde, die Kollegen und wir als Familie warteten vor dem Hörsaal, aus dem er schließlich freudestrahlend und erleichtert heraus kam. Es folgte eine Zeremonie, die alle frisch gebackenen Doktoren der Physik durchlaufen. Mit einem von den Kollegen gebastelten Doktorhut auf dem Kopf wurde er von seinem Doktorvater und zwei Professoren in einer Art Bollerwagen einmal um das Institut herum gezogen in Begleitung einer lärmenden Horde, die Schraubschlüssel aneinander knallen ließen und ordentlich Radau machten. Dann Sektempfang in den Räumen, in denen Jaron in den letzten Jahren gearbeitet hat. Sein Professor hielt eine kurze, aber sehr lobende Rede. Ich war sehr beeindruckt von dem allem. Nicht nur, dass Jaron es wahnsinnig gut gemacht hat, sondern auch von der Wertschätzung, die er von den Menschen in seinem Umfeld erfährt, die ich bis dahin nicht kannte. Viele junge Leute aus verschiedenen Herkunftsländern, die ihn alle mögen und schätzen, mit denen er frei und charmant, die Sprachen zwischen Deutsch und Englisch wechselnd, scherzt und interagiert. Danach ging es in ein Restaurant zum Mittagessen. Nach einer Pause, die Hubert und ich in unserem Hotel verbrachten, fand am Abend die Feier in einer coolen Location statt, eine Art Halle, die sich Braukollektiv nennt und die selbstgebrautes IPA Bier verkaufen. Es kamen noch einige Menschen dazu, die Mittags nicht dabei waren. Sören, Hubert und ich waren die Ältesten. Als es für Mateo irgendwann zuviel wurde, brachen wir mit auf und ließen die jungen Leute unter sich weiter feiern. Wir tranken noch mit Bernd in deren Hotellobby einen Wein und gingen nicht allzuspät ins Bett. Gestern dann bei herrlichem Wetter noch einmal durch die schöne Altstadt von Freiburg gelaufen und mit Vinzent im Gepäck wieder nach München gedüst. Sören und Majas Familie fuhren erst etwas später zurück, um den Nachmittagsschlaf von Mateo zu nutzen. Gestern Abend und auch heute bin ich einerseits noch ganz glücklich über den gelungenen Tag und stolz auf meinen Sohn. Ich sehe sein Leben noch mal vor mir, ein immer etwas zu kleiner Junge mit Brille und mit zwei linken Händen und Füßen, der im Alter von 4 Jahren anfing sich mit Mathematik zu beschäftigen und mit 7 Jahren bereits mit Dezimalzahlen und Brüchen umgehen konnte, während andere noch die Addition von ganzen Zahlen übten. In gewisser Weise war das gestern der Höhepunkt seines bisherigen Lebens und auch das Ziel, auf das er viele Jahre hingearbeitet hat. Andererseits fühle ich mich heute bematscht und etwas leer innerlich, wie das manchmal nach so großen Ereignissen der Fall ist. Jetzt geht das normale Leben wieder los. Nachher Fitnessstudio und am Abend Tanzkurs. Morgen beginnt die reguläre Arbeitswoche.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Ich habe Deinen Beitrag atemlos gelesen und war gleich mit Dir stolz auf Jaron! Was alles an Energie und Durchhaltevermögen gehört dazu, zu solchen Höchstleistungen zu gelangen! Und wieviel Wert ist es doch, sein Talent, das sich früh schon offenbart, zu nutzen! Große Gratulation, ihm sowieso, aber auch Euch Eltern, die ihn unterstützt haben!

  2. Heike sagt:

    Ich bin wahnsinnig beeindruckt! Mir scheint, als hättest du Jaron von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Ich freue mich wahnsnnig für euch und v.a. für ihn! Es macht sehr beschwingt und ist erhebend, das zu lesen. Und naja – es ist wahrscheinlich wie der Absturz nach einer Goldmedaille….

  3. Renate sagt:

    Ein Weg, der schon mit 4 Jahren seinen Anfang fang, endet ( vorläufig) mit einem Doktorhut. Meinen ganz herzlichen Glückwunsch, dem Doktor und seinen Eltern.

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