2026-05-30 – Wilhelm+Tolstoi – körperliche Malaisen pünktlich zum Thema – Oma Renate – 2x Putzen – Michi
Pfingsten. Wenn ich das Rad zum Stillstand bringe, kann ich den Fuß schonend aufsetzen. Drehbewegung und Auftreten lösen scheußlichen Schmerz aus. Dass ich jeden Schritt meide bewährt sich. Inzwischen habe ich über Doclib bei verschiedenen Ärzten Termine, frühere Möglichkeiten sind stets gleich wieder vergeben. Jetzt immerhin 9. Juni. – Außerdem hatte ich ins Heu einer Artischoke gebissen, seitdem steckt etwas im Hals. Ein HNO-Termin muss her. Blutdruck. Muss ich rundum erneuert werden? – Durchs Bloggen fiel mir mein reges soziales Leben auf! Dafür lese ich kaum, weil ich ohne Michi aus dem Rahmen falle. Meine Ruh ist hin… – Alptraum: Ich werde in der Tolstoibibliothek für gewisse Ehrenämter engagiert. Dabei Klavierstunden für kleine Jungs. Ich bekomme einen Raum, den ich erstmal putzen und entstauben muss, ohne Putzwerkzeug vorzufinden. Die Aufgaben sprengen allesamt meine Kompetenzen. Jede Gelegenheit, das klarzustellen, entgleitet. (Inzwischen habe ich – so gewarnt – mein zweites Angebot zurückgezogen!) – Mit Renate drei Stunden Giovanni, dann noch zwei Stunden Taxispark. Der Gesprächsfaden reißt nie ab. Dank gewisser „Zirkel“ mit geteilten Interessen und einer langen beruflichen Vergangenheit gibt es eine gehaltvolle neue Gegenwart.
Pfingstmontag. Ich lasse den Gottesdienst aus, mein Fuß dankt es mir. Mittags Villa Dante, wo ich mit T. von der Bibliothek zu Mittag speise (auch schon mein „Konzept“ bespreche, das ich am nächsten Tag widerrufe). Schöne Stunden, aber Vorsicht, Glatteis bei Politik! – Hinterher Tiefschlaf. Die Wohnung kocht. Michaels Bruder befindet sich – laut ärztlicher Aussage – in einem deliranten Zustand (inzwischen nicht mehr!), ungewöhnlicherweise nur nachts. Randaliert, muss fixiert und sediert werden. Vormittags nicht ansprechbar. Später kehrt relative Klarheit zurück. – So geht es am Dienstag weiter für Michael, Hin und Her, oft ergebnislos. Für Ilse soll er 10 Jogginghosen, 40 Unterhosen, 20 Nachthemden usw besorgen. Mach das mal für ’ne fremde Frau! – Ich dagagen hatte Großputz, dann wunderbare Wilhelminen, Susanne kam per Taxi mit elegantem Gehstock; wurde am Ende geholt; die andern blieben ausnahmsweise bis 19:00, was leider in Politik und gewisse Gemeinplätze mündete. Lioba aber erzählte von… war es Barcelona? „I met god. She was black“. Doclib schickt mir einen Termin beim LieblingsHNO, der den Stachel nicht findet, aber mir heitere Minuten beschert. Bei derzeit angeordnetem regelmäßigen Blutdruckmessen vergeht mir Hören und Sehen. Ich merke ja, dass es im Karton rauscht. Zu oft erreiche ich die 180. – Wieder intensivere Lektüre, doch der Saffranski? Am besten in dem Sessel, den wir gestern für Susanne wie für eine Prinzessin auf der Erbse ausgepolstert haben: Kissen über Kissen, ein Thron.
Inzwischen habe ich – weil die Ärztin, mit der der Generalcheck vereinbart ist, im Urlaub ist – von der anderen ein zusätzliches Blutdruckmedikament. Scheue aber zurück, da ich fürchte, davon nicht mehr wegzukommen. – Donnerstag hervorragender Vortrag über Tolstois Schulprojekt, in dem sich alles, wofür ich mich je interessiert habe, verflocht. Worpswede, Vogeler, Rilke. Weimar. Goethe, Thomas Mann und natürlich Tolstoi. Bauhaus. Wir konnten die Zuhörerschaft an einer Hand abzählen, eine Schande! Ich erfahre, dass das bei deutschsprachigen Veranstaltungen vorkommt, v.a. wenn sie „anspruchsvoller“ seien. Warum die Lesegruppe nicht kam? Natürlich ist niemand verpflichtet zu so einem Zusatztermin. Von zweien wusste ich warum, aber ich wollte nicht wie im Kindergarten nachtarocken. Die einzige Getreue: Renate! – Aufregung wegen Oma Renate, Telefonate mit Otti. Die Betreuerin sagt nicht bescheid, wenn Renate ins Krankenhaus kommt, ihr Mann weiß dann auch nicht, wo sie ist; sie selbst hat vergessen, dass sie Familie hat. Heute war ich dort, sie ist ganz schön verändert. Der Weg für meine Füße eine Tortur. – Michael schon über eine Woche in Hamburg, Ilse inzwischen untergebracht, es muss schrecklich sein. Reinhard auf dem aufsteigenden Ast. – Heute war endlich mal wieder Ursula da!! – Einstimmung aufs morgige Schreiben.
Dein Traum, eine Botschaft aus dem Unbewussten, dass du nicht noch ein Angebot in der Tolstoi Bibliothek macht. Ein starker Hinweis. Wiese braucht man so viele Jogginghosen, wenn man ins Heim kommt. Wird die Kleidung so selten gewaschen. Respekt, was Michael da oben alles leistet. Ich stelle ihn mir in der Unterwäscheabteilung vor. Gut, dass kein Stachel im Hals ist. Viele gute Besserung für den Fuß.
Weil nicht gewaschen wird, weil Reinhard selber nicht kann, weil es erstmal KZP sein sollte, weil alles anscheinend ganz neu und noch völlig uneingespielt ist; weil Michael bei seinem ersten Besuch bereits von der einzigen sichtbaren Schwester für einen anderen Bewohner um Hilfe gebeten wurde, ihm beim ins-Bett-bringen zu helfen; weil es „auf der Liste stand“, weil er auch tonnenweise Windeln besorgen musste usw. Reinhard hatte in seinem Chaos-Haushalt drei Rollstühle für Ilse, jetzt muss Michael einen anderen hinbringen – es war der falsche, den er genommen hatte – ein Schrottrollstuhl. Michael wollte endlich ein Fahrrad von Reinhard benutzen für all die Wege – endlich war der Schlüssel auffindbar. Jetzt hat es einen Platten. Alles ein Wahnsinn – man könnte lachen, wenn es nicht so absurd wäre. – Ziwschen Zunge, Backentasche und Schlund steckt übrigens sehr wohl ein Stachel, er drückt und piekst auch, tut manchmal mehr und manchmal weniger weh, manchmal kaum spürbar, aber der HNO konnte ihn nicht entdecken. Ich hoffe, der Körper – DER KÖRPER, MEINER – stößt ihn irgendwann von selber aus. Dachte an Janni mit ihrer Gräte!
Die Großbestellung für Michaels Schwägerin ist eine wirkliche Herausforderung. Was Michael alles erledigen musste. Du, mit deinem Fuß und Blutdruck bist hoffentlich bald in guten Händen.