2026-07-05- Hoch auf Michi – unlösbar Familiäres – Käfer mit Renate, Wilhelminen und „der Untertan“

Montag. Trotz der ernüchternden Bilanz unseres Badeausflugs bin ich noch nie bewusst so froh gewesen, Michael wieder um mich zu haben. Nur einige Meter am See – nicht über Schotter durch Wald oder über Wiese – wo nötig „am Arm“, die Tasche trägt Michael. Meine Enttäuschung kann ich mit-(ihm)-teilen. Frühstück, Mittag-, Abendessen – keinen Restefraß mehr aus dem Eisfach. Der Tag hat Struktur, wenn auch der Nachmittag tote-Fliegen-Zeit bleibt. Frische Luft strömt zum Fenster herein. Die Wohnung aber braucht noch Zeit, um abzukühlen. Morgens um 7.00 Balkon-Frühstück. Alles ist jetzt schöner. Damit Beates Rosenstock nicht allein bleibt, habe ich Kräuter aufgestellt – die gibt es aufs Brot. Überhaupt Brot – ein schönes Thema. – Nach Michaels Gesangsstunde ist mein Chor.

Mittwoch. Herrlich frisch kommt es zum Fenster rein. Ich müsste dringend lesen, schreiben, mich in irgendwas vertiefen; mir sitzt eine schreckliche Szene mit Fabian in den Knochen – das macht krank, das macht verrückt. Ich bräuchte ein bestimmtes kleines Büchlein von Rahel Varnhagen („Im Schlaf bin ich wacher“) – finde es nicht, wie kann das sein? Was tun? Vielleicht flüchte ich ins Wilhelm-Meister-Protokoll? Gestern Lesung. Ein schwelender Konflikt war durch viel Korrespondenz geklärt. Aber eine Wolke verschwindet nicht gleich. Das sensible Nervengewebe, die die Gruppenmitglieder geistig und seelisch verbindet, ist angegriffen. Eine Teilnehmerin kann es nicht lassen, ihre Weltuntergangs-Depressionen in die Gruppen zu tragen. Dem musste ein Riegel vorgeschoben werden, was Zeit, Kraft und inneres Ringen mit jedem Wort kostet. Goldwaage. Eine hatte OP-Vorbesprechung. Auch akute Schmerzen waren im Spiel. Trotzdem konnten wir Anker werfen. Zwei Stunden Sorglosigkeit. Heilsames, wirkkräftiges Zaubermittel.

Ein Treffen mit Renate bei Käfer am Donnerstag. Unterwegs Birgitta getroffen, im Warten Benelisa. Renate und ich hatten gerade Ess-Pause (am Nebentisch wurde fein aufgetischt). Höllenlärm störte das Gespräch. Ein Kühllaster parkte mit laufendem Motor über eine Stunde, auf der anderen Seite ein ohrenbetäubendes Manöver mit den Mülltonnen. Als es still wurde schloss Käfer. Trotzdem nett – aus gegebenem Anlass. – Ursula. Üblicher Vorputzstress und zwangsweises Ausgehen vormittags um 9:30. Suckfüll: Käsereibe, Zitruspresse und Backförmchen, dann Englischer Garten (Bank). Viel bedrückt uns der Stress, hier mit Fabian, da mit Reinhard, dem man nicht böse sein kann, aber es ist doch unangenehm. Einen Freund erzählt er, er hätte Michael 50 Mille gegeben (welche dieser seinerseits in Sicherheit gebracht hat, gottlob!), einer Freundin, Michi kaufe für 400E unnötig Klamotten. Wahr ist, dass Michael etwas kauft (70€), denn Reinhards Klamotten sind so lumpig, dass Michael sie nicht ins Heim bringen will. Da es nicht wäscht wird hier gewaschen und per Post nach Hamburg (und zurück) geschickt. Reinhard sei „regelmäßig betrunken“. Er hat nie getrunken. Wo bekäme er überhaupt etwas her? Michael stellt das telefonisch infrage. Sollte eine organische Ursache solcher Zustände nicht ausgeschlossen werden? Man denke an Beispiele, in denen Menschen in Ausnüchterungszellen starben, die man für alkoholisiert hielt. Reinhard erzählt am Telefon, er leite mit Ilse eine Kochgruppe; habe gerade bei Lüneburg den Weihnachtsmann gemacht; sei gerade mit Ilse im Auto unterwegs. Michael hält „Suff“ für ausgeschlossen. Bzgl der Finanzen, all der unlösbaren Probleme und des Misstrauens, auch bekannter gewisser intriganter Züge bei Reinhard, reift der Entschluss, die Verantwortung an einen gesetzlichen Betreuer abzugeben. Es wäre abartig, sich krumm zu machen und zur Krönung irgendwelcher Tricksereien verdächtigt zu werden. Ilse übrigens schert sich nicht um Reinhard. Sie sehen sich die ganze Woche nicht. Man blickt in ein menschliches Elend, in das man vorher weder Einblick hatte noch wollte und das unlösbar und – wie Michael findet, teilweise von langer Hand „selbst gemacht“ ist.

Mir wurde bewusst, dass meine Volksbühne-Vorauszahlungen verfallen; also Theaterkarten. Vergessen, dass ich keine Romane mehr auf Bühnen sehen will; also mit Heinrich Manns „Untertan“ gestern baden gegangen. War das wieder plakativ! Literarisch eng an den Manns; hätte also passen können, hat es aber nicht.

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Eine Antwort

  1. Renate sagt:

    Brot auch ein Thema für mich. Frühstück auf dem Balkon, viel besser als in der warmen Wohnung. Unsere Unterhaltung war durch diesen Kühllaster zwar etwas schwieriger Nichts desto trotz konnten wir uns einigen Themen doch nähern. Das eine Betreuung angeregt werden soll, entlastet Michael. Was der Bruder erzählt erinnert an meine Mutter, die immer noch gekocht und eingekauft hat, obwohl sie dass seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht hat.

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