2026-10-24 – Kletternde Lilli – Susanne im Tribeca – Schenken und Beschenktwerden – unser Ausflug – Auer Dult – – die Frage, ob Original oder einfache Sprache

Letzten Sonntag Besuch bei Beate. Wie toll ist es, nach jahrelanger Feindschaft mit Alina jetzt ein entspanntes Verhältnis zu bekommen? Drei Generationen hautnah – Lilli, der Wonneproppen, der kleine Sonnenschein, am Krabbeln, Klettern, Turnen; die umsichtige junge Mutter; die gleich- und gutmütige Oma; das Zimmer so kahl als stünde Beate kurz vorm Umzug. Keine Sekunde, in der man abschalten könnte. – Am Montag früh Stimme aufgewärmt. Chor. Danach mit Susanne Tribeca – was die Lektüre mit Michael über Jaqueline du Pré prägt. – Im Anschluss Programmtext für Dasein überarbeitet; Fragen per Email gestellt, da ich Heike B. nicht ans Telefon kriege. Wie hat mich das „Thema Sorge“ runtergezogen; monatelang ratlos darauf herumgekaut! Plötzlich darf es auch Selbstfürsorge sein. Dazu fallen die Ideen in den Schoß.

Am Freitag erwartet mich ein Paket von Susa. Alles so lieb…aber. Was mache ich mit Dingen, die ich nicht brauche bis hin zu einem Schal für Michael, den er nicht trägt? Ich MUSS mich freuen, das ist die Aufgabe. Eine dicke Biografie über Droste-Hülhoff. Ganz toll. Ein Eselchen – wir hatten darüber gesprochen. Eine schwierige Aufgabe – Schenken und Beschenktwerden. Wichtig ist Freundschaft. Wichtig ist Aufrichtigkeit. Ist beides nicht vereinbar – was ist dann wichtiger? Ich dachte gestern mit Michael darüber nach: Wie wichtig ist es eigentlich fürs Gegenüber, zu jeder Zeit schonungslos zu erfahren, wie man etwas findet, ob es einem gefällt, schmeckt, zusagt. Könnte es zuträglicher sein, mit eigenen Empfindungen, Reflexen und Meinungen zurückhaltender umzugehen? Auf mich hatte die Kulturzeit Einfluss, von der ich Ines unterwegs ins Schlossmuseum erzählt habe. Es ging um die Frage, ob Klassiker in der Schule unbedingt in Original-Sprache gelesen werden oder ob es zugunsten einer hohen Zahl von Schülern, die zu Hause eine andere Muttersprache sprechen und denen diese Inhalte niemals im Alltag vermittelt werden, in einfacher Sprache zugänglich gemacht werden sollten. Anhand dieses wichtigen Beispiels hat sich meine voreilige, unreflektierte Meinung überdeutlich gezeigt und durch kontroverse Beiträge verwandelt. Eigentlich, denke ich gerade, ist das intensive Lesen in Gruppen etwas, was mir diesbezüglich guttut. Nicht die schnelle Meinung, das augenblickliche „Gefühl“, dem immer ein Urteil auf den Fuß folgt, sondern eher das Wirken- und Geltenlassen, ohne alles mögen zu müssen. – Ich habe mit Michael nochmal über die Sendung gesprochen. Ihm war ein Deutschlehrer im Gedächtnis: Ein syrischer oder afghanischer Schüler habe ihn nach bestandenem Abitur gefragt, ob er ihn umarmen dürfe und es auch gleich getan. „Ich bin der erste in meiner Familie mit Abitur.“ Ohne ihn hätte er, wie er sagte, das niemals geschafft. Das hat uns angerührt. Mir wurde durch die unterschiedlichen Beiträge bewusst, wie elitär und exclusiv das Beharren auf Original sich auswirken kann. Mir wird hundeelend, wenn ich höre, wie ein AFD-Mann verkündet: EinwandererKinder sollten in eigenen Klassen gemäß ihrer Sprachen und Kulturen unterrichtet werden (und gar nicht erst an den Gedanken gewöhnt werden, hier Wurzeln zu schlagen). Die Inhalte, auch Ideologien, seien dann egal – sie gingen ohnehin zurück. Es mag noch so abwegig und unausgegoren sein: Der Gedanke ist in der Welt und lässt sein Gift in die Gesellschaft sickern.

Beschäftigt war ich diese Woche noch mit unserem Ausflug. Im Nachhinein habe ich Fotos auf PC übertragen und mit ihren Titeln versehen. Ich brauche ja alles für diverse Anlässe und sollte nicht Bilder benutzen, deren Titel ich nicht weiß. Ich habe auch Passagen aus den Texten herausgeschrieben und endlich das gemacht, was ich immer vorhabe und nie umsetze. Unser Ausflug hat mir sehr gefallen!

Soeben liegt eine partielle Putzorgie hinter mir – das verspeckte Gewürzbord. Nächste WE kommt Anna – bis dahin haben wir einiges zu tun. Der ewiggleiche Kampf. – Gestern Auer Dult. Kleines Ersatzbutterdöschen gekauft und ein begehrenswertes Gewürz.

Herbsthaiku: Im Wind auf Wolken – fliegt die Zeit dahin. Blauweiß  – der Münchner Himmel.

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2 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Tage der Freude: Dein Besuch bei uns und unser Ausflug nach Murnau. Sorge, Ja Entsetzen darüber, wie die AfD menschenfeindliche Vorstellungen in die Welt setzt. Ein Gift.

  2. Ines sagt:

    Stimmungsvolles Haiku. Geschenke werden immer mehr zur Belastung. Wenn ich etwas Kleines geschenkt bekomme, das mir nicht gefällt oder ich nicht gebrauchen kann, bedanke ich mich trotzdem. Ich finde es schwer in diesem Fall ehrlich zu sein. Es sei denn, es ist etwas Teures, das sich umtauschen lässt. Zu Selbstfürsorge würde mir auch viel mehr einfallen als zum Thema Sorge. So lieb, wie du von dem Besuch bei Beate, Alina und Lilli erzählst.

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