Zugvogelgeschichten
In zwei Stunden geht mein Zug nach Hannover. Dort mache ich „Station“ bei Maren. Sie ist eine alte Bekannte aus dem Fitnessstudio vor 20 Jahren, Fernsehjournalistin, die ab und an bei mir wohnt, wenn sie in München was zu tun hat. Auch ein Zugvogel, arbeitsbedingt, wie ich. Danach fahre ich nach Warendorf, um am Planspiel als Teamerin mitzuarbeiten. Der Rückweg dauert mehr als sieben Stunden…Zugvogel: Im März werde ich zum letzten Mal in Berlin, im Juli zum letzten Mal in Brüssel sein, Abschiedsveranstaltungen. Dazwischen Termine in Thüringen und Puchheim mit dem Planspiel. Das bedeutet: Keine Ferientage mehr! Der einzige Urlaub, den ich bis zum Sommer haben werde, ist meine Londonreise mit Janni im Februar. Zugvogelgeschichten. ich kenne sie auch von den Zeitzeugen, die ich im Laufe der letzten Jahrzehnte durch Bayern begleitet habe. Ich frage mich manchmal, in wie weit dieses permanente Zugvogeldasein, das ich ja so zu mir gehört, mit meiner Familiengeschichte zu tun hat. Die Vertriebenenproblmatik bei mir, in der nächsten Generation in einem permanenten Kultivieren von Aufbruch und Ankommen gelandet ist. Das hat schon weit vorher begonnen, mit meinen dauernden Umzügen in Berlin.
Ansonsten hatte ich in der letzten Woche güldene Tage am Arabellapark. Meine jungen Kollegen sind so überaus nett und es ist auch lustig mit ihnen. Barara war mit ihrem Hund Joschi da. Sie schüttete seinen alten Trinknapf aus dem Fenster und kurz drauf stand der Hausmeister vor unserer Tür, um sich zu beschweren. Das Wasser war auf seinen Kopf getropft. Als er Joschi sah, war seine Empörung verflogen und er führte mit Barbara ein Hundegespräch… Hoffentlich geht es mir anders, wenn ich meinen Weihnachtsbaum aus dem Fenster schmeisse, wenn ich wieder daheim bin!
Tolle Themen: Sowohl die Frage – vermutlich nie wirklich zu ergründen! – worin (d)ein Zugvogelleben gründet. Übrigens fallen mir dazu auch Einstellungen gegenüber Bindung (best friends-Thematik) ein, z.B. präventive Maßnahmen aufgrund von Enttäuschungen/Schmerzen bei Verlust/Umzug? Sehr spannend und tiefgründig. Köstlich, dass über die Hundeliebe die Ladung auf dem Kopf des Hausmeisters verziehen war. Zum Brüllen.
Das ist eine interessante Überlegung, die Vertriebenenproblematik mit deinem Zugvogeldasein in Zusammenhang zu bringen. Als wir den Blog angefangen haben, warst du ja immer daheim. Erst jetzt kriege ich richtig mit, wie oft du unterwegs bist. Bestimmt hast du viel Übung mit Einpacken und Auspacken. Ein bisschen kann ich es nachempfinden, wenn wir am Wochenende nach Schliersee fahren, da ist das Ein- und Auspacken inzwischen auch „kultiviert“ und hoch automatisiert.
Deine Theorie ist durchaus vorstellbar. Du hast das Reisen, Umziehen in deinen Genen. Den Christbaum aus dem Fenster schmeißen wirst du doch nicht wirklich?