2025-03-10-Mutterwunden, Geburt am Sterbetag – Peergruppe, Mephisto + Bines 70.

Sonntag. Intensive Schreibgruppe bei Beate zum Mutterthema; Mutterideale, die „innere Mutter“, Schuld- und Ungenügenheitsgefühle, enttäuschende Tochter- und Muttererfahrungen. Eingerahmt von reichhaltig und bunt gedecktem Brunch-Tisch! Hinterher Spaziergang nach Hause, zur Hälfte von Beate begleitet.

Am Montag liegt mir Simon gleich morgens auf der Seele. Auch wenn wir nichts anfangen – heute hat nichts anderes Platz. Anruf von Fabian, der sein Glück mitteilt. Die Natur, die Magie, der Schamanismus, neuerdings will er imkern. Neue Liebe. Die Bergrettung mit Hubschraubern, die ihn aus einer Extremsituation herausgeholt hat, ist freundlich auf Ratenzahlungen eingegangen. Er lebt seinen Traum, aus dem er hoffentlich nie erwachen muss. Er liegt auf der Erde neben Schneeglöckchen und nimmt Kontakt zu Simon auf. 13:52. Eine Kerze am Grab, eine im Fenster brennt den ganzen Tag, formiert sich wie eine Krone, und soll ihn grüßen. Leider wandern die Gedanken statt zum Schönen zu all meinen mütterlichen Fehlleistungen. Lesen geht nicht, also sitzen, reden, schweigen und weinen wir. Über vereinzelte Grüße habe ich mich sehr gefreut. – Genau das ist der Tag, an dem Mateo geboren wird.

Faschingsdienstag. Gestern wieder eine Amokfahrt, diesmal Mannheim; sie ging unter im Feierwillen der Jecken und hat keine besondere mediale Aufmerksamkeit bekommen. – Heute vorerst letzter Krapfen, wenn auch die Fastenzeit aufgeschoben werden muss wegen dreimal Besuch bis nächsten Montag bzw noch einem Geburtstag nächste Woche. – Nachricht von Dasein. Anmeldungen für geplante fortlaufende Gruppe ab Ende März haben die von mir gesetzte Obergrenze erreicht. Ab jetzt Nachrückerliste. So schön! Einmaliges Schreiben ist ergiebig, aber sehr vorbereitungsintensiv – deutlich sinnvoller ist Schreiben als kontinuierlicher Prozess.

Donnerstag. Gestern kleine Hospizkonstellation. Bei einer TNin ist der Bruder gestorben, bei einer hing das Leben des Ehemannes am seidenen Faden, eine konnte nicht. So waren wir nur zu viert. Wie immer ging es – nach gemeinsamem Essen – ums „Wesentliche“ – anhand Aschermittwoch. – Michael nochmal beim Arzt. Hatte ich geschrieben, dass nach Kopf, Rücken, Zähnen jetzt die Haut dran ist? Unbeschreiblich, wie er aussah, wie Frankenstein Jetzt ist er in Köln. Seit gestern hohe Dosen Kortison, die ab sofort täglich reduziert werden müssen, sieht schlimm aus, aber nicht mehr so wie die letzten Wochen. Wahrscheinlich kommt er eher zurück als geplant – er glaubte, nicht absagen zu können, während ich dachte, so kann er sich nicht blicken lassen. Quälender Zustand. Inzwischen hat er, wie die ganze Verwandtschaft und wohl halb NRW- Magen-Darm-Grippe. – Morgens wollte ich „täglich eine halbe Stunde strammes Gehen“ umsetzen, wie mit meiner neuen Ärztin besprochen. Dann lief mir eine Ex-Kindergartenmutter über den Weg, die ich kaum kenne; nagelte mich zu Hospiz und Patientenverfügung fest. Besser: Ich habe mich festnageln lassen bzw hat sie alle noch so deutlichen Zeichen meinerseits übergangen. – Die Sonne lacht. Ich bereite den morgigen Empfang vor.

Samstag. Die gestrige Peergruppe geht mir nach. Es war wie immer schön und vertraut – aber auch schwer und sorgenvoll. Wie schafft man es, feinfühlig, diplomatisch UND uneingeschränkt offen zu sein? Wäre es nicht so schwer – würde es allüberall praktiziert werden. Am ehesten stehen uns professionell Instrumentarien zur Verfügung. Leider habe ich auf unsere Grüße einen undichten Blumentopf gestellt – so hat unser Kunstwerk Schaden genommen und musste auf die Wäscheleine. Heute Abend kommt Bine, morgen Geburtstag. Ich bin mit Kopfschmerzen aufgewacht, müsste jetzt backen – und spüre deutliche Übelkeit. Bloß nicht krankwerden!

Montag. Seit Samstag ständig Kopfweh. Leicht temperiert. Gestern BInes 70. Nach Frühstück Tutzing, bis Feldafing gelaufen, im Strandbad Mittagessen; heim, ausgeruht, abends Klaus Manns Mephisto mit Beate. Ich hatte aus Versehen Karten für Beate am 9., für uns aber für 11.3. besorgt. Also nochmal Karten gekauft; die für den 11. gottlob an Martha abtreten können. Gariele konnte nicht, Lioba war selber dort – lief uns gleich in den Kammerspielen übern Weg. Schwer bekömmlich die erste 3/4 Stunde, dann lohnend. Jetzt ist Bine abgereist. Abends Aetas.

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3 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Das Fabian sich so intensiv mit der Natur beschäftigt gefällt mir gut. Er macht nichts Halbes. Alles oder Nichts. Woher kommen denn Michaels Hautprobleme? Ist man dem schon auf der Spur? Jetzt auch noch Magen-Darm. Strammes Gehen, oder überhaupt gehen, wie nach Heiligenfeld?

  2. Ines sagt:

    Dass du trotz Kopfweh und Temperatur so ein Geburtstagsprogram für deine Schwester gemacht hast, finde ich erstaunlich. Hoffentlich wächst es sich nicht zu einer schwereren Geschichte aus. Das mit Michaels ständigen Krankheiten finde ist eigenartig, als würde das alles zusammen gehören und eins durch das andere entsteht. Und Fabian ist wirklich wie in einem Traum. Es freut mich sehr, gleichzeitig fragt man sich, ob der Traum irgendwann enden muss und wenn ja, wodurch.

  3. Beate sagt:

    Mephisto war auch für mich ein Spagat zwischen Nervensäge und beeindruckender Präsentation. Heike, was für eine Woche! Ich bewundere deine Stärke wie du sie durchgestanden hast.

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