Ciao Lago d’Iseo, Ciao Toskana
Die Tage in Iseo waren schön. Italien ist dort so wie es früher, vor dem overtourism, war. Alles ohne digitale Vorreservierung, eher günstig, niedrigschwellig. Am Mittwoch gab es zum Glück Gewitter und die Luft kühlte zumindest zeitweise ab. Tagsüber machten wir Ausfüge, liehen 1x Fahrräder, fuhren mit der Fähre auf die Insel im See (monte isola). Am frühen Abend ging es zum Lido für eine Runde Schwimmen, später essen gehen und über die Promenade flanieren. Die zumeist italienischen Touristen waren extrem herausgeputzt, groß und klein. Der Iseosee ist zwar kein Geheimtipp, aber sehr empfehlenswert. Am Samstag fuhren wir weiter in die Toskana, bezogen Unterkunft in einem Agritourismo in der Nähe von Castiglion Fiorentino. Die Wohnung ist ein altes Steinhaus, liebevoll renoviert. Man darf aus dem Gemüsegarten alles ernten, was wächst. So etwas mag ich. Abgesehen von den Mücken ist es wild romantisch hier. Was mich beim Essen gehen im Restaurant immer wieder und auch gestern Abend stört ist, wenn ich Familien beobachte, die kein Wort miteinander reden, und alle in ihr eigenes Smartphone schauen. Das ist so deprimierend. Auch wenn 5-jährige Kinder gefüttert werden, damit sie mehr essen und gleichzeitig einen Film auf dem Smartphone anschauen, gruselig. Hier auf dem Land ist es ziemlich einsam. Man muss sich gut verstehen, weil es außer der schönen Landschaft und den mittelalterlichen Städtchen nicht viel Ablenkung durch andere Menschen gibt. Im Moment erscheint ein Meer an Zeit vor mir zu liegen, mal sehen wie wir es die kommende Woche füllen.
Dass der Iseo-See noch nicht übervölkert ist wundert mich – ist er doch spätestens seit Christo berühmt. Wild romantisch – so mag ich es auch – so hatte ich es oft mit Michael, durch ihn habe ich Zutritt zu solch geheimnisvollen Orten bekommen. Es ist ganz Besonderes, auch – so war es für uns – dass der Tag eigentlich mit Alltäglichkeiten gefüllt wird und die Zeit ein anderes Maß bekommt – jenseits davon, etwas „erleben“ zu müssen. Die Szenerien beim Essengehen sind allerorten furchtbar, bestimt am furchtbarsten in Italien. Essengehen erleben wir auch hier zunehmend enttäuschend.